Wie sensibel und schützenswert diese demokratischen Werte und Leistungen sind, soll das Berliner Themenjahr 2013 mit dem Titel „Zerstörte Vielfalt“ vermitteln. Das Themenjahr wird sich mit der von den Nationalsozialisten nach 1933 zerstörten gesellschaftlichen Vielfalt Berlins auseinandersetzen. Jahrestag der Machtübergabe an die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 und der 75. Jahrestag der Nov
emberpogrome 1938, für die symbolisch der 9. November 1938 steht, sind der Anlass für ein Jahr des Gedenkens, der aktiven Auseinandersetzung, der Erinnerung und Mahnung.
30. Januar 1933
Der Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft
Am 30. Januar 1933 ernannte der greise Reichspräsident Paul von Hindenburg nach langem Zögern Adolf Hitler zum Reichskanzler. Ein völlig legaler, verfassungskonformer Akt: Die Macht wurde dem Spitzenkandidaten der erfolgreichsten Partei übergeben – von einer selbstbestimmten „Machtergreifung“ konnte keine Rede sein. Eingerahmt von konservativen und nationalistischen Politikern und mit nur zwei Ministern der NSDAP schien der radikale Hitler gezähmt zu sein und unter Kontrolle der alten Eliten zu stehen, die weiterhin von Monarchie und autoritärem Ständestaat träumten. Wie falsch sie – und mit ihnen viele andere Zeitgenossen – lagen, sollten sie noch am selben Abend erfahren. Novemberpogrome 1938
Am 9. November 1938 schlägt das staatliche Handeln in brachiale Gewalt um. Seit 1933 hatten zahllose legislative und administrative Akte zur Diskriminierung, Entrechtung, Demütigung und Ausplünderung der jüdischen Minderheit in Deutschland bereits deren hart erkämpfte Emanzipation zunichte gemacht. Jetzt brechen sich mittelalterlich anmutende Akte der Gewalt und des Terrors Bahn. Nur Stunden, nachdem Goebbels den Befehl zum Losschlagen gab, brennen in ganz Deutschland Synagogen, werden Juden aus ihren Wohnungen gezerrt und in aller Öffentlichkeit misshandelt, Geschäfte geplündert und zerstört. Tagelang wüten die als „spontaner Volkszorn“ ausgegebenen Pogrome.