WABE Die WABE in Prenzlauer Berg bietet Live-Konzerte von Rock bis Klassik. Die WABE ist sehr wandlungsfähig. Die Bestuhlung kann den Erfordernissen angepasst werden.

Bei Konzerten fasst der Raum ohne Bestuhlung bis zu 400 Personen. Die WABE ist eine multifunktional nutzbare kulturelle Veranstaltungsstätte. Sie ist die größte kommunale Kultureinrichtung im Berliner Großbezirk Pankow. Die WABE versteht sich als Konzertsaal, Szenetreff, Kino, Raum für innovative kulturelle Projekte, Probenraum, Tagungs- und Beratungsraum, multikultureller Veranstaltungsort und nicht zuletzt als Begegnungsstätte. Von Rockmusik über Jazz bis zur Klassik, von Kinderveranstaltung bis zum Seniorentanz, von einer Lesung bis zur Theaterinszenierung, vom "Folk" -Tanz bis hin zur Tanzperformance erstreckt sich die Programmpalette. Die WABE wird jährlich von Tausenden Besuchern frequentiert und ist, über die Grenzen des Prenzlauer Bergs hinaus, in der ganzen Stadt bekannt. Sie realisiert ihr breites Veranstaltungsangebot mit vielen Kooperationspartnern wie z. B. Freien Trägern, Vereinen, der Berliner Festspiele GmbH, Musikagenturen und natürlich mit zahlreichen Künstler_innen aus Prenzlauer Berg, anderen Berliner Bezirken, dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland.

Wie gewohnt öffnen

|Montag ist #Musikbuchmontag.|Heute empfiehlt Marc Lippuner, Leiter der WABE, das von Michael Büsselberg herausgegebene ...
03/05/2021

|Montag ist #Musikbuchmontag.|
Heute empfiehlt Marc Lippuner, Leiter der WABE, das von Michael Büsselberg herausgegebene SongComic-Buch „Sie wollen uns erzählen“, das vor einigen Monaten im Ventil Verlag erschien.

Wenn ich heute K.O.O.K, Tocotronics fünftes Studioalbum, anhöre, dann schleicht sich wieder so ein Gefühl von damals ein, formt mir einen Klumpen im Magen und spült mir diese unbestimmte Sehnsucht durchs Herz. Damals, 1999 war das, hing ich noch zwischen Suchen und Finden, im Studium, in der Liebe, im Leben. Da kam das Album für mich genau zur richtigen Zeit: episch-opulent der Sound, schmerzhaft-wahr die Texte: „Das sind keine Rätsel“ und „Morgen wird wie heute sein“ werde ich immer mögen, „Das Geschenk“ immer lieben und das elfminütige „17“ wird vermutlich kein anderes Lied mehr von meiner ganz persönlichen Bestenliste kicken können.
Frage ich Freund:innen meines Alters nach Tocotronic, wird es ähnlich nostalgisch: Alle denken an ihre damals schon eine Spur zu engen Second-Hand-Trainingsjacken, ihre ausgetretene Lieblingssneakers und ihre verunglückten Britpop-Frisuren, viele von ihnen erklären jedoch eher eines der ersten drei vier wesentlich schrammeligeren Alben zu ihren Toco-Lieblingen, zitieren Zeilen aus „Digital ist besser“- oder „Es ist egal, aber“-Songs, vielfach Phrasen, die es tatsächlich in den regulären Sprachgebrauch der junggebliebenen Spätdreißiger bis Mittvierziger geschafft haben.
Mittlerweile haben Tocotronic es auf zwölf Studioalben geschafft, irgendwann, beim achten oder neunten, haben sie mich verloren (und einige meiner Freund:innen sogar schon, als ich sie erst entdeckte), die letzten Alben habe ich zwar gekauft, aber – zugegeben – kaum noch gehört.

Nichtsdestotrotz hab ich mich gefreut, als ich erfuhr, dass elf namhafte Zeichner:innen und Illustrator:innen einzelne Tocotronic-Songs in Bilder umgesetzt haben. Auf etwas mehr als 100 Seiten finden sich ganz unterschiedliche Stile und Herangehensweisen: von Jim Avignons poppigen Zeichnungen („Digital ist besser“) über Tine Fetz’ eher klassischen Schwarz-Weiß-Strip („Der schönste Tag in meinem Leben“) bis hin zu Moni Ports gepinselten Lettern („Die Erwachsenen“) und Jan Schmelchers collageartigen Zeichnungen („Rebel Boy“). Lediglich Katja Klengel und Christopher Tauber betten die Zeilen ihres Songs („Let There Be Rock“) in eine größere Geschichte, alle anderen illustrieren ausschließlich entlang der Lyrics. Jedem Beitrag ist ein Text des Tocotronic-Frontmanns Dirk von Lowtzow vorangestellt, der die Relevanz des ausgewählten Liedes im Toco-Universum beleuchtet, auch die Gestalter:innen ordnen ihren persönlichen Bezug zum Song in wenigen Sätzen ein. Geordnet sind die Bildergeschichten chronologisch nach Erscheinungsjahr der Alben und so lässt sich auch die sprachliche Entwicklung vom Nölig-Jugendbewegten „in Richtung Feuilleton“ (Jim Avignon) gut nachvollziehen.
Schade ist, dass mit nur zehn Bildergeschichten, die zwölf-albumige Bandhistorie lediglich unzureichend skizziert werden kann, wie auch die vom Schlagzeuger Arne Zank laienhaft-charmant dahingeskribbelte Kennenlernstory, die als eine Art augenzwinkernder Bonus hinten angefügt wurde, deutlich macht.
Schön ist, dass vermutlich alle, denen Tocotronic mal etwas bedeutet hat, nach der Lektüre ihre alten CDs rauskramen werden und sich fragen, ob sie mittlerweile auf den Hund gekommen sind, ihre Unschuld verloren haben, Kleinkunst noch immer zutiefst verachten oder sich inzwischen für Tennis interessieren. Und wer die Illustration seiner Lieblingslieder vermisst – so wie ich – der kann ja einfach selbst zu Stift und Pinsel greifen, denn Kapitulation gilt nicht und pure Vernunft darf niemals siegen.

|Montag ist #Musikbuchmontag.|
Heute empfiehlt Marc Lippuner, Leiter der WABE, das von Michael Büsselberg herausgegebene SongComic-Buch „Sie wollen uns erzählen“, das vor einigen Monaten im Ventil Verlag erschien.

Wenn ich heute K.O.O.K, Tocotronics fünftes Studioalbum, anhöre, dann schleicht sich wieder so ein Gefühl von damals ein, formt mir einen Klumpen im Magen und spült mir diese unbestimmte Sehnsucht durchs Herz. Damals, 1999 war das, hing ich noch zwischen Suchen und Finden, im Studium, in der Liebe, im Leben. Da kam das Album für mich genau zur richtigen Zeit: episch-opulent der Sound, schmerzhaft-wahr die Texte: „Das sind keine Rätsel“ und „Morgen wird wie heute sein“ werde ich immer mögen, „Das Geschenk“ immer lieben und das elfminütige „17“ wird vermutlich kein anderes Lied mehr von meiner ganz persönlichen Bestenliste kicken können.
Frage ich Freund:innen meines Alters nach Tocotronic, wird es ähnlich nostalgisch: Alle denken an ihre damals schon eine Spur zu engen Second-Hand-Trainingsjacken, ihre ausgetretene Lieblingssneakers und ihre verunglückten Britpop-Frisuren, viele von ihnen erklären jedoch eher eines der ersten drei vier wesentlich schrammeligeren Alben zu ihren Toco-Lieblingen, zitieren Zeilen aus „Digital ist besser“- oder „Es ist egal, aber“-Songs, vielfach Phrasen, die es tatsächlich in den regulären Sprachgebrauch der junggebliebenen Spätdreißiger bis Mittvierziger geschafft haben.
Mittlerweile haben Tocotronic es auf zwölf Studioalben geschafft, irgendwann, beim achten oder neunten, haben sie mich verloren (und einige meiner Freund:innen sogar schon, als ich sie erst entdeckte), die letzten Alben habe ich zwar gekauft, aber – zugegeben – kaum noch gehört.

Nichtsdestotrotz hab ich mich gefreut, als ich erfuhr, dass elf namhafte Zeichner:innen und Illustrator:innen einzelne Tocotronic-Songs in Bilder umgesetzt haben. Auf etwas mehr als 100 Seiten finden sich ganz unterschiedliche Stile und Herangehensweisen: von Jim Avignons poppigen Zeichnungen („Digital ist besser“) über Tine Fetz’ eher klassischen Schwarz-Weiß-Strip („Der schönste Tag in meinem Leben“) bis hin zu Moni Ports gepinselten Lettern („Die Erwachsenen“) und Jan Schmelchers collageartigen Zeichnungen („Rebel Boy“). Lediglich Katja Klengel und Christopher Tauber betten die Zeilen ihres Songs („Let There Be Rock“) in eine größere Geschichte, alle anderen illustrieren ausschließlich entlang der Lyrics. Jedem Beitrag ist ein Text des Tocotronic-Frontmanns Dirk von Lowtzow vorangestellt, der die Relevanz des ausgewählten Liedes im Toco-Universum beleuchtet, auch die Gestalter:innen ordnen ihren persönlichen Bezug zum Song in wenigen Sätzen ein. Geordnet sind die Bildergeschichten chronologisch nach Erscheinungsjahr der Alben und so lässt sich auch die sprachliche Entwicklung vom Nölig-Jugendbewegten „in Richtung Feuilleton“ (Jim Avignon) gut nachvollziehen.
Schade ist, dass mit nur zehn Bildergeschichten, die zwölf-albumige Bandhistorie lediglich unzureichend skizziert werden kann, wie auch die vom Schlagzeuger Arne Zank laienhaft-charmant dahingeskribbelte Kennenlernstory, die als eine Art augenzwinkernder Bonus hinten angefügt wurde, deutlich macht.
Schön ist, dass vermutlich alle, denen Tocotronic mal etwas bedeutet hat, nach der Lektüre ihre alten CDs rauskramen werden und sich fragen, ob sie mittlerweile auf den Hund gekommen sind, ihre Unschuld verloren haben, Kleinkunst noch immer zutiefst verachten oder sich inzwischen für Tennis interessieren. Und wer die Illustration seiner Lieblingslieder vermisst – so wie ich – der kann ja einfach selbst zu Stift und Pinsel greifen, denn Kapitulation gilt nicht und pure Vernunft darf niemals siegen.

|Montag ist #Musikbuchmontag.|Heute empfiehlt Marc Lippuner, Leiter der WABE, die Anthologie „Das Dampfbein schwingen“, ...
19/04/2021

|Montag ist #Musikbuchmontag.|
Heute empfiehlt Marc Lippuner, Leiter der WABE, die Anthologie „Das Dampfbein schwingen“, die kürzlich im Verlag ohneohren erschienen ist.

Wenn man „Steampunk“ hört, dann denkt man unweigerlich an fliegende Zeppeline, geölte Zahnräder, sepiafilterfarbene Luft, dampfende Kessel, Taschenuhren, Fliegerbrillen, Stehkragen und wehende Rockschöße. Der retrofuturistische Steampunk verknüpft technologischen Fortschritt mit viktorianischer Ästhetik und ist so gemeinhin ein künstlerisches Genre, in dem historische, utopische und fantastische Motive spielerisch miteinander verknüpft werden können. In der vorliegenden Kurzgeschichtensammlung stellten sich zwanzig Autor:innen der Herausforderung, Steampunk-Elemente mit musikalischen Themen zu verknüpfen. Das Ergebnis ist eine unterhaltsame, fantasievolle und - was nicht selbstverständlich ist bei aus Einreichungen zusammengestellten Erzählbänden - literarisch durchweg gute, zum Teil sogar anspruchsvolle Auswahl an Texten, in denen die Leser:innen unter anderem einem verwunschenen Grammophon, einem geisterbeschwörenden Ätherradio, einer mysteriösen Spieluhr, Phonogeigen und Waterophone, Tanzpaaren auf Luftschiffen, singendem Sand, einem im Walzertakt schlagenden Mechanikerherz, tanzunwilligen Androiden und einer Lichtdiebin im Konzerthaus begegnen. Nicht alle Geschichten atmen gleichermaßen den Geist des Steampunk, manche sind zu sehr Science-Fiction, andere zu sehr Mystery, alle machen jedoch Freude beim Lesen und sind mit erfrischender Selbstverständlichkeit q***r.

(Buch hinter dem eBook: Tyson Vick u.a.: Steampunk-Handbuch für Monsterjäger. Lysandra 2018)

|Montag ist #Musikbuchmontag.|
Heute empfiehlt Marc Lippuner, Leiter der WABE, die Anthologie „Das Dampfbein schwingen“, die kürzlich im Verlag ohneohren erschienen ist.

Wenn man „Steampunk“ hört, dann denkt man unweigerlich an fliegende Zeppeline, geölte Zahnräder, sepiafilterfarbene Luft, dampfende Kessel, Taschenuhren, Fliegerbrillen, Stehkragen und wehende Rockschöße. Der retrofuturistische Steampunk verknüpft technologischen Fortschritt mit viktorianischer Ästhetik und ist so gemeinhin ein künstlerisches Genre, in dem historische, utopische und fantastische Motive spielerisch miteinander verknüpft werden können. In der vorliegenden Kurzgeschichtensammlung stellten sich zwanzig Autor:innen der Herausforderung, Steampunk-Elemente mit musikalischen Themen zu verknüpfen. Das Ergebnis ist eine unterhaltsame, fantasievolle und - was nicht selbstverständlich ist bei aus Einreichungen zusammengestellten Erzählbänden - literarisch durchweg gute, zum Teil sogar anspruchsvolle Auswahl an Texten, in denen die Leser:innen unter anderem einem verwunschenen Grammophon, einem geisterbeschwörenden Ätherradio, einer mysteriösen Spieluhr, Phonogeigen und Waterophone, Tanzpaaren auf Luftschiffen, singendem Sand, einem im Walzertakt schlagenden Mechanikerherz, tanzunwilligen Androiden und einer Lichtdiebin im Konzerthaus begegnen. Nicht alle Geschichten atmen gleichermaßen den Geist des Steampunk, manche sind zu sehr Science-Fiction, andere zu sehr Mystery, alle machen jedoch Freude beim Lesen und sind mit erfrischender Selbstverständlichkeit q***r.

(Buch hinter dem eBook: Tyson Vick u.a.: Steampunk-Handbuch für Monsterjäger. Lysandra 2018)

Interessenskonflikte in der Nachbarschaft. Und Bilder aus den 1980er-Jahren.via rbb Fernsehen (nur noch bis Freitag abru...
18/04/2021
Der geteilte Thälmannpark

Interessenskonflikte in der Nachbarschaft.
Und Bilder aus den 1980er-Jahren.

via rbb Fernsehen (nur noch bis Freitag abrufbar)

Ein Schul-Erweiterungsbau soll den Thälmannpark in zwei Teile zerlegen, obwohl es dazu eine Alternative gäbe. Anwohner und Freunde des Parks gehen auf die Barrikaden - und wir haben sie besucht.

Heute vor 35 Jahren, an Ernst Thälmanns 100. Geburtstag,  wurde der nach ihm benannte Wohnpark in Prenzlauer Berg eingew...
16/04/2021
35 Jahre Ernst-Thälmann-Park

Heute vor 35 Jahren, an Ernst Thälmanns 100. Geburtstag, wurde der nach ihm benannte Wohnpark in Prenzlauer Berg eingeweiht, zu dem auch die WABE gehört.
Das Jubiläum hat Marc Lippuner, Leiter der WABE, zum Anlass genommen, mit dem Stadthistoriker Paul Perschke über die Geschichte des Ernst-Thälmann-Parks zu sprechen.
Zu hören ist das Gespräch auf dem Kulturfritzen-Podcast.

Im April 2021 wird der Ernst-Thälmann-Park in Prenzlauer Berg 35 Jahre alt. Über die Entstehung des letzten sozialistischen Großbauprojekts der DDR spricht Marc Lippuner mit dem Stadthistoriker Paul Perschke, der eine Ausstellung zur Geschichte des 1986 eingeweihten Wohnparks, der heute unter Den...

Damit Anna Margolina und Kenneth Berkel ihre charmante Video-Reihe „Old Fashioned Sleepless Nights“ fortsetzen können, h...
14/04/2021
Old Fashioned Sleepless Nights

Damit Anna Margolina und Kenneth Berkel ihre charmante Video-Reihe „Old Fashioned Sleepless Nights“ fortsetzen können, haben sie eine kleine Crowdfunding-Kampagne gestartet und freuen sich über Eure Unterstützung.

Jazz Online Show

|Montag ist #Musikbuchmontag.|Heute empfiehlt Marc Lippuner, Leiter der WABE, die kürzlich beim Ullstein Verlag erschien...
29/03/2021

|Montag ist #Musikbuchmontag.|
Heute empfiehlt Marc Lippuner, Leiter der WABE, die kürzlich beim Ullstein Verlag erschienene Biografie des Tokio-Hotel-Sängers Bill Kaulitz.

Wenn man Benjamin von Stuckrad-Barres unnötig verquastes Vorwort liest, bekommt man ein bisschen Angst, dass es die nächsten 350 Seiten genauso weitergeht, und ist dann wiederum ein bisschen enttäuscht, wie konventionell Bill Kaulitz doch erzählt. Denn was er zu erzählen hat, ist durchaus interessant.
Aufgewachsen in der ostdeutschen Provinz der Nachwendejahre, als Schüler gemobbt, weil er immer schon ein bisschen „anders“ war, nach dem Auftritt in einer Casting-Show zusammen mit seiner Garagenband, in der auch sein Zwillingsbruder Tom spielte, unter Vertrag genommen, die als Tokio Hotel 2005 mit ihrer Debütsingle „Durch den Monsun“ die Hitparaden stürmte. Bill Kaulitz, damals 15 Jahre alt, wurde zum Teenie-Schwarm - dank seines extravanganten, androgynen Aussehens zur jugendlichen Stil-Ikone und zugleich zur medialen Zielscheibe erwachsener Medien. Kaulitz gelingt es, den Rausch des Erfolgs und die zwangsläufige psychische und physische Überforderung zu beschreiben; vulgäre Sprachbilder, die gelegentlich aufblitzen, wirken jedoch wie der hilflose Versuch, durch gezielte Provokationen Distanz zur eigenen Kindheit und Jugendzeit aufzubauen, deren Erzählung insgesamt zu lang und ermüdend detailliert geraten ist. Umso spannender der zweite Teil des Buches, der mit dem Umzug nach Amerika im Jahr 2010 beginnt. Die Geschichte des erwachsenen Bill Kaulitz wird fragmentarischer serviert, knackiger, lust- und anspruchsvoller: Eine Emanzipationsgeschichte vom ausbeuterischen Management, eine sanfte, aber konsequente Abkehr vom jugendlichen Ich. Auch sprachlich. Anekdoten von Drogenkonsum und sexuellen Erlebnissen, die im ersten Teil nicht recht ernst zu nehmen waren, sind hier adäquat eingebettet in den Bericht der musikalischen Weiterentwicklung, die wohldurchdacht, aber mit weniger medialer Aufmerksamkeit kontinuierlich fortgeschrieben wird.
Benjamin von Stuckrad-Barre, der langsam in die Jahre kommende Popliterat, feiert die Biografie des 30-jährigen Kaulitz als „großes Helden-Epos“, als „sehr lustiges, atemraubendes, komplett wahnsinniges Buch“, als den „Gipfel der Exzentrik“ gar. All dieses ist „Career Suicide“ nicht. Aber es ist ein interessanter, zumeist unterhaltsamer Einblick in das Leben eines Menschen, der sehr früh sehr viel erlebt hat und nun eine Abrechnung mit der der eigenen Vergangenheit formuliert. Inwiefern dies ein kalkulierter Karriereselbstmord ist, werden die nächsten Jahre zeigen, im besten Fall ist es die Bekundung eines vielversprechenden Neuanfangs, der bereits vor einiger Zeit begonnen hat.

|Montag ist #Musikbuchmontag.|
Heute empfiehlt Marc Lippuner, Leiter der WABE, die kürzlich beim Ullstein Verlag erschienene Biografie des Tokio-Hotel-Sängers Bill Kaulitz.

Wenn man Benjamin von Stuckrad-Barres unnötig verquastes Vorwort liest, bekommt man ein bisschen Angst, dass es die nächsten 350 Seiten genauso weitergeht, und ist dann wiederum ein bisschen enttäuscht, wie konventionell Bill Kaulitz doch erzählt. Denn was er zu erzählen hat, ist durchaus interessant.
Aufgewachsen in der ostdeutschen Provinz der Nachwendejahre, als Schüler gemobbt, weil er immer schon ein bisschen „anders“ war, nach dem Auftritt in einer Casting-Show zusammen mit seiner Garagenband, in der auch sein Zwillingsbruder Tom spielte, unter Vertrag genommen, die als Tokio Hotel 2005 mit ihrer Debütsingle „Durch den Monsun“ die Hitparaden stürmte. Bill Kaulitz, damals 15 Jahre alt, wurde zum Teenie-Schwarm - dank seines extravanganten, androgynen Aussehens zur jugendlichen Stil-Ikone und zugleich zur medialen Zielscheibe erwachsener Medien. Kaulitz gelingt es, den Rausch des Erfolgs und die zwangsläufige psychische und physische Überforderung zu beschreiben; vulgäre Sprachbilder, die gelegentlich aufblitzen, wirken jedoch wie der hilflose Versuch, durch gezielte Provokationen Distanz zur eigenen Kindheit und Jugendzeit aufzubauen, deren Erzählung insgesamt zu lang und ermüdend detailliert geraten ist. Umso spannender der zweite Teil des Buches, der mit dem Umzug nach Amerika im Jahr 2010 beginnt. Die Geschichte des erwachsenen Bill Kaulitz wird fragmentarischer serviert, knackiger, lust- und anspruchsvoller: Eine Emanzipationsgeschichte vom ausbeuterischen Management, eine sanfte, aber konsequente Abkehr vom jugendlichen Ich. Auch sprachlich. Anekdoten von Drogenkonsum und sexuellen Erlebnissen, die im ersten Teil nicht recht ernst zu nehmen waren, sind hier adäquat eingebettet in den Bericht der musikalischen Weiterentwicklung, die wohldurchdacht, aber mit weniger medialer Aufmerksamkeit kontinuierlich fortgeschrieben wird.
Benjamin von Stuckrad-Barre, der langsam in die Jahre kommende Popliterat, feiert die Biografie des 30-jährigen Kaulitz als „großes Helden-Epos“, als „sehr lustiges, atemraubendes, komplett wahnsinniges Buch“, als den „Gipfel der Exzentrik“ gar. All dieses ist „Career Suicide“ nicht. Aber es ist ein interessanter, zumeist unterhaltsamer Einblick in das Leben eines Menschen, der sehr früh sehr viel erlebt hat und nun eine Abrechnung mit der der eigenen Vergangenheit formuliert. Inwiefern dies ein kalkulierter Karriereselbstmord ist, werden die nächsten Jahre zeigen, im besten Fall ist es die Bekundung eines vielversprechenden Neuanfangs, der bereits vor einiger Zeit begonnen hat.

Adresse

Danziger Straße 101
Berlin
10405

S-Bahnhof: Prenzlauer Allee und Greifswalder Straße: S8, S42, S41 Straßenbahnstation: Winsstraß: M1, M4, M10

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Bemerkungen

Ein Adventsgruß von Schnaftl Ufftschik: https://fb.watch/1Z8L2FKO7J/
Das war ein wunderschöner Abend bei Euch! Es war schön, 30 Jahre Mauerfall mit Falkenberg - IC zu feiern.
Danke! Es war sehr toll bei euch. Nochmal Dank an die beiden Techniker, die dem ganzen einen tollen Rahmen in Licht & Ton verpasst haben. 👌🎹
Ich bin entzückt! Es war wieder ein herrlicher kleiner #WABEbarbetrieb am Dienstag. Herzlichen Dank an #RomanShamov, Du bist ein Knaller! Ich freue mich auf ein nächstes Mal! Vielen Dank auch an alle lieben Gäste, die sich eingefunden haben um diesen feinen Abend zu genießen. Es war sehr kuschelig. Ich hätte die Wände gern eins, zwei Meter weiter verschoben. DDR-Beton kann ich aber leider nicht verrücken. Es würde mich freuen Euch bald wieder zu sehen. Am 8.10. gibt es den nächsten #WABEbarbetrieb mit #ZofiaCharchan. Liebst jegrüßt, Brian