03/07/2017
Im Tagesspiegel ist am 1.7. ein Artikel erschienen, der leider fehlerhaft ist, hier anbei der Brief an den Autor.
Lieber Paul F. Duwe,
vielen Dank für Ihren Artikel am 1.7. im Tagesspiegel „Kulturkampf um die Heimat“. Ich freue mich sehr, dass das Thema Gehör findet. Allerdings enthält der Artikel viele Fehler und Auslassungen, das ist bei allem Verständnis nun auch nicht ausgewogen:
1. Wir sind keine „Kiezkünstler“, noch nicht einmal Künstler, sondern Grafiker*innen, Designer*innen, Architekt*innen, Filmemacher*innen.
2. Es geht nicht um den Verlust der „günstigen" Arbeitsräume, sondern überhaupt um den Verlust der zT seit 35 Jahren genutzten Räume. Wir sind nicht gefragt worden, ob wir mehr zahlen wollen. Hätten wir gerne gemacht, wenn wir hätten bleiben können.
3. Wir haben die Initiative MAX TAUT ART LABS im Februar, nicht im Juni gegründet und damals schon dem Vermieter und den Eigentümern vorgestellt.
4. „Wir wollen die kleinteilige Mischung in unserer Gewerbe-WG erhalten“ habe ich nicht und hätte ich nie gesagt. Wir wurden gekündigt und wussten, rechtlich haben wir als gekündigte Untermieter keine Chance. Darum wollte die Initiative mit Hilfe des Atelieranmietprogramms wenigstens die kleinen Atelierräume erhalten für Kreativschaffende und Künstler. Wobei wir vielleicht auch rausgeflogen wären, aber dafür andere Künstler*innen in Zukunft die kleinen Ateliers hätten nutzen können.
5. Es gab keinen Vermieterwechsel. Vermieter ist nach wie vor die Semmer Hausverwaltung, Eigentümer Dr. Semmer und Dr. Knauthe.
6. Natürlich verdrängt die Werbeagentur keine Künstler (weil keine Künstler drin sind), sondern sie verdrängen uns Kreative (siehe 1) aus dem 6. Stock.
7. „Heimat" hat zunächst 4 Monate nicht mit uns gesprochen. Dass sie den Leuten aus der. 5. Etage ein Angebot gemacht haben, ändert nichts an unserer Verdrängung.
8. Warum wir uns nicht früher um einen Hauptmietvertrag gekümmert haben? Weil die Hausverwaltung in Form von Frau Viereck uns noch im Herbst sagte, wir müssen uns keine Sorgen um unsere Verträge machen! Die aus der 5. Etage haben auch nur einen kurzfristigen Untermietvertrag von „Heimat“ bekommen. Dafür kostet es jetzt doppelt so viel.
9. Was ist bitte die Kreuzberger Mischung?
10. "Ältere Kiezaktivisten fürchten um die Idylle?“ Mit der Initiative MAX TAUT ART LABS sollte ja etwas neues geschaffen werden und nicht einfach das alte bewahrt!
11. Und wer sollen „frei schwebende Designer und Architekten“ sein? Wir schweben jedenfalls nicht.
12. Wenn „bodenständig in Kreuzberg leben“ bei „Heimat" bedeutet, dass von 300 (vielfach englischsprachigen) Angestellten vermutlich 150 minderbezahlte Praktikanten und Berufseinsteiger sind, die das Haus und die Firma als Durchgangsstation betrachten, und dafür die seit 35 Jahren im Haus arbeitenden Selbständigen gehen müssen, die das Haus lieben und wertschätzen...
13. Wieso haben Sie die Agentur extra interviewt und zitieren unsere Argumente nur aus unseren Flyern?
14. Wieso nennen Sie die Kunden der Heimat und nicht unsere Kunden und Projekte?
15. Warum nennen Sie nicht die FDP als Kunden der Agentur?
16. Warum kommen die Eigentümer Dr. Semmer und Dr. Knauthe, die schlussendlich die Entscheidungen getroffen haben, nicht vor?
17. Warum erwähnen Sie mit keinem Wort, dass wir Untermieter nach 35 Jahren kein einziges Gespräch mit den Vermietern/Eigentümern führen dürfen, obwohl wir vielfach darum gebeten haben?
Freundliche Grüße
Katja Clos
https://www.pressreader.com/germany/der-tagesspiegel/20170701/282295320219174