26/07/2026
Ich bin traurig. Ich bin fassungslos. Und ich bin mit meinen Gedanken bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen, die den gestrigen Abend miterleben mussten.
Ein Mensch hat beim Angriff auf den Berliner CSD sein Leben verloren. Viele weitere wurden verletzt. Für sie und ihre Familien wird nichts mehr so sein wie vorher.
Gerade deshalb wünsche ich mir heute vor allem eines: dass wir alle einen Moment innehalten. Dass wir den Opfern den Raum geben, den sie verdienen. Dass wir den Ermittlungsbehörden die notwendige Zeit geben, ihre Arbeit vollständig zu machen. Und dass wir aufhören, Gerüchte, Hörensagen oder ungeprüfte Behauptungen weiterzuverbreiten.
Genauso wenig dürfen wir zulassen, dass diese Tat benutzt wird, um Millionen Menschen unter Generalverdacht zu stellen. Wer aus den Taten eines Einzelnen eine ganze Religion oder Bevölkerungsgruppe verurteilt, trägt nicht zur Aufklärung bei, sondern zur Spaltung unserer Gesellschaft.
Gestern haben Zehntausende queere Musliminnen und Muslime gemeinsam mit uns FÜR Freiheit, Vielfalt und gleiche Rechte demonstriert. Sie gehören genauso zu unserer Community wie alle anderen auch. Fundamentalismus und Hass bekämpfen wir zusammen – egal, ob sie religiös oder politisch motiviert sind. Pauschalisierungen bekämpfen wir ebenso.
Ebenso erschreckend finde ich, wie schnell sich in den sozialen Medien Gerüchte und ungeprüfte Meldungen verbreiten. Gerade in einer solchen Situation trägt jede und jeder von uns Verantwortung. Wer etwas nicht sicher weiß, sollte es nicht als Tatsache weiterverbreiten. Falschinformationen helfen niemandem – sie erschweren die Aufklärung, schüren Angst und verunsichern Menschen zusätzlich.
Ich befürchte, dass manche diese schreckliche Tat in den kommenden Tagen politisch instrumentalisieren werden. Darauf sollten wir nicht hereinfallen. Trauer darf niemals zur Bühne für Populismus werden.
Heute geht es um Mitgefühl. Um Respekt. Um Besonnenheit. Und um einen Menschen, der nicht mehr nach Hause kommen wird.
Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass uns dieser Anschlag nicht auseinanderdividiert. Hass darf niemals die Antwort auf Hass sein. Unsere Antwort muss Zusammenhalt, Menschlichkeit und die Bereitschaft sein, auf Fakten zu schauen statt auf Vorurteile.