01/06/2026
Nachruf Theodor Gentner
Mit Theodor Gentner, von uns allen einfach Theo genannt, ist am 20. Mai in Berlin ein Mensch von außergewöhnlicher Tatkraft, großer Herzlichkeit, feinem Humor und unerschütterlicher Verlässlichkeit im Alter von 98 Jahren verstorben – er war uns Vater, Freund, Weggefährte und Familienmensch.
Theo wurde 1927 im beschaulichen Herrenberg bei Stuttgart als eines von zwölf Kindern geboren. Seine Eltern, insbesondere seine willensstarke Mutter, sorgten trotz schwieriger Zeiten dafür, dass alle Kinder eine gute Ausbildung erhielten. In dieser großen Familie entstanden früh jene Werte, die Theo sein Leben lang prägten: Zusammenhalt, Verantwortung und Fürsorge füreinander. Später war er es, der die Familie über Generationen hinweg verband und den familiären Zusammenhalt als einen der wichtigsten Werte lebte.
Noch im letzten Kriegsjahr wurde er mit sechzehn Jahren als Flakhelfer eingezogen. Die Erfahrungen jener Zeit hinterließen tiefe Spuren. „Nie wieder Krieg“ und die Ablehnung von Faschismus waren für Theo Ausdruck einer tiefen persönlichen Überzeugung, die er mit vielen seiner Generation und besonders mit seiner Frau, der Künstlerin Margot Trierweiler, teilte.
Nach einer Lehre als Werkzeugmacher studierte Theo Maschinenbau und begann seine berufliche Laufbahn bei Borsig, die ihn später zu Babcock-Borsig führte. Dank seines Fachwissens, seiner Fähigkeit ein Team zu motivieren und seines großen Verantwortungsgefühls arbeitete er sich bis in den Vorstand des Unternehmens hoch. Auch als Präsident der venezolanischen Niederlassung in Caracas leitete er über viele Jahre internationale Projekte. Menschen zu verbinden und Vertrauen zu schaffen, gehörte zu seinen besonderen Stärken – beruflich wie privat.
Gemeinsam mit seiner Frau Margot baute er in seiner Wahlheimat Berlin ein Zuhause für die Familie und die drei Töchter Paula Anke, Kerstin und Katja auf. Für die über hundertköpfige Großfamilie aus Geschwistern, Kindern, Nichten, Neffen, Enkelinnen und Enkeln war Theo eine verbindende Kraft.
Auch nach seiner Pensionierung dachte er nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. Mit ungebrochener Energie widmete er sich im Familienteam dem Umbau einer verfallenen ehemaligen Seidenspinnerei in Südfrankreich. Über ein Jahrzehnt hinweg arbeitete er mit Planungsgeschick und Beharrlichkeit an einem heute aktiven Ort der Kunst und der Gastfreundschaft.
Ein weiteres Herzensprojekt wurde die Alexander und Renata Camaro Stiftung, die er gemeinsam mit seiner jüngsten Schwester Renata Camaro 2009 in Berlin gründete. Als langjähriger Vorsitzender widmete er sich mit großer Hingabe der Sanierung des heutigen Camaro Hauses in der Potsdamer Straße und schuf zugleich die finanziellen Grundlagen für die nachhaltige Arbeit der Stiftung. Dank seines Engagements und eines gewachsenen Stiftungsteams wirbt die Alexander und Renata Camaro Stiftung bis heute mit Ausstellungen und Projekten für die Auseinandersetzung mit Kunst und dem Werk von Alexander und Renata Camaro.
Die letzten Jahre seines Lebens wurden durch die Pflege seiner Frau Margot und seine fortschreitende Taubheit erschwert. Dennoch blieb Theo bis zuletzt aufmerksam und innerlich zugewandt. Noch vor wenigen Wochen nahm er im Kreis seiner Familie an der ersten Hochzeit eines Enkels teil. Dabei konnte er noch einmal das Glück erleben, der jungen Generation Mut für die aktive Gestaltung ihrer Zukunft zu geben.
Es war ihm ein letztes Anliegen, noch einmal die Stiftung zu sehen und sich von seinem Team zu verabschieden. Theo hat Menschen und Orte geprägt. Seine Tatkraft und Hingabe für die Stiftung sowie seine Großzügigkeit im Umgang mit Menschen leiten und begleiten uns weiterhin.
Im Namen des Vorstandes, des Stiftungsrates und des Teams der Alexander und Renata Camaro Stiftung