22/04/2026
Christa Biederbick – Ein Nachruf
Christa Biederbick ist von uns gegangen. Wir trauern um eine hervorragende Bildhauerin und ein langjähriges Mitglied. Seit den 1990er Jahren lebte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Bildhauer Karlheinz Biederbick, im Künstlerdorf Bahnitz im Milower Land. Ihm und seiner Familie gilt unser aufrichtiges Beileid.
Geboren am 17. Dezember 1940 in Balve in Westfalen, zählt Christa Biederbick zu den bedeutenden Vertreterinnen der figurativen Bildhauerei in Deutschland nach 1945 und war eine prägende Figur des Neuen Realismus. Ihr künstlerischer Werdegang begann mit einem Grafikstudium an Werkkunstschulen in Dortmund und Münster (1958–1962). Anschließend studierte sie Malerei an der Hochschule der Künste in Berlin, wo sie 1969 zur Meisterschülerin von Herrmann Bachmann ernannt wurde. Im selben Jahr nahm sie ihre Tätigkeit als freischaffende Künstlerin auf.
Ein wichtiger Schritt in ihrer Karriere war die Mitgliedschaft in der Künstlergruppe „Zebra“ ab 1976, die sich für eine neue Form des Realismus einsetzte. 1977 erhielt sie ein renommiertes Stipendium der Villa Massimo in Rom. Später übernahm sie eine Professur für Bildhauerei an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, wo sie ab 1991 tätig war und zahlreiche Studierende ausbildete.
Im Zentrum von Biederbicks Werk steht der Mensch. Ihre Skulpturen zeigen häufig Alltagssituationen und zwischenmenschliche Beziehungen und greifen gesellschaftliche und politische Themen auf. Charakteristisch ist eine realistische, lebensnahe Darstellung, die zugleich subtile Verfremdungen enthalten kann. Besonders untersuchte sie Körpersprache und Ausdruck, wodurch ihre Figuren eine starke emotionale Präsenz entwickeln.
Ein wesentliches Merkmal ihrer Kunst ist die Verwendung ungewöhnlicher Materialien. Neben Bronze, Holz oder Terrakotta arbeitete sie häufig mit farbig gefasstem Polyester und wurde damit der Gruppe der „Polyester-Realisten“ zugeordnet.
Zu ihren bekannten Werken im öffentlichen Raum gehören der „Vogelbrunnen“ im Britzer Garten in Berlin, der „Brunnen für den Rosengarten“ sowie der „Große Sitzende“ („Dicker Mann“) in Soest. Darüber hinaus schuf sie zahlreiche weitere Arbeiten wie „Mädchen auf rotem Tuch“, „Rocker“, „Prozession“ oder „Fußball“.
Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit war sie Mitglied im Deutscher Künstlerbund, im Künstlersonderbund sowie in der Freie Akademie der Künste in Hamburg.
Christa Biederbick hat einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössischen Bildhauerei in Deutschland geleistet. Viele Impulse konnte sie durch ihre Werke und Ausstellungen auch in die Künstlerschaft des Künstlersonderbundes hineintragen. Besonders bleiben uns ihre Warmherzigkeit und ihr Humor in Erinnerung – Eigenschaften, die auch ihr Menschenbild prägten. Danke, Christa.
Nina Koch, 20. April 2026
Die Trauerfeier findet am 23. April um 10 Uhr auf dem Friedhof in Bahnitz im Milower Land statt.