Beigesetzt auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte, ruht der „König der Reklame“ von einst. Seine Anschlags- oder Annonciersäulen sind uns geblieben. Werbeplakate kleiden deren Rundungen.
2019 verstummten die einst sonst so geschwätzigen Türme. Entblößt bis auf den nackten Untergrund oder mit einfarbigen Plakaten überklebt, standen sie auf wackligem Fundament. Grund dafür war der Wec
hsel bei den Außenwerbern. Die alten Säulen wurden durch Neuere ersetzt. Bis dahin war es untersagt, die Litfaßsäulen mit Werbeplakaten zu bekleben. Das weckte unser Interesse: Am 5. April 2019 begannen wir mit der Aktion LITFASS GOES URBAN ART und okkupierten mit einigen Künstlern 10 der freistehenden Litfaßsäulen entlang der Boxhagener Straße. Weitere Aktionen folgten. Parallel wurden Stimmen laut, die ältesten Säulen zu erhalten. Heute sind 24 Litfaßsäulen im innerstädtischen Bereich Berlins unter Denkmalschutz gestellt. Die wahrscheinlich Älteste steht auf dem Hackeschen Markt und wurde um 1900 aufgestellt. Die Projektidee LITFASS GOES URBAN ART knüpft an den bestehenden Bedarf an, temporäre Kunst im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. Im Zuge des innerstädtischen Wandels, bei dem die Innenstädte immer mehr ihre Attraktivität als urbanen Lebensraum einbüßen, verschafft Kunst im öffentlichen Raum eine wiederbelebende und anziehende Komponente. LITFASS GOES URBAN ART gibt Flächen, die eigentlich zur Bewerbung genutzt werden, interimsweise eine neue Gestalt und verwandelt die denkmalgeschützte Litfaßsäule zu einer Säule der Kunst. Für viele Künstler*innen schafft die kreative Arbeit an den denkmalgeschützten Säulen außerdem eine temporär begrenzte Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen. Ihre Werke werden so für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit Sommer 2021 werden die denkmalgeschützten Litfaßsäulen wieder von der Firma ILG Außenwerbung mit herkömmlicher Werbung beklebt. Wir stehen mit dem Berliner Kultursenator Klaus Lederer in Kontakt und setzen uns weiterhin für die denkmalgeschützten Litfaßsäulen und dem Ende einer kommerziellen Werbebespielung ein. Auf denkmalgeschützte Litfaßsäulen gehört keine Werbung!
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