10/06/2020
Jesus berühre mich. Denn ich weiß nicht, wer ich noch bin.
Bin ich nur eine Zahl, verschwimme in der Masse von fast 8 Milliarden Menschen? Ein irgendjemand ersetzbar durch Technik wie jeder andere? Einer wie alle, der dieser Welt mehr schlecht als guttut? Denn auch ich produziere CO2, denn auch ich kann zum möglichen Krankheitsverbreiter werden, denn auch ich lebe mein Leben gefangen im Netz eines Systems auf Kosten von Anderen.
Wer bin ich schon noch? Meine Väter sind schwarz. Und meine Brüder sind gelb. Und meine Mütter sind rot. Und meine Schwestern sind hell. Aber mit ihnen komme ich mehr schlecht als recht aus. Ich bin über zehntausend Jahre alt. Und mein Name ist Mensch!
Jesus berühre mich…Denn ich kann mich nicht selbst heilen. Ich entdecke in mir zu wenig. Aber tief in mir spüre ich, dass ich viel mehr bin als ein Zellhaufen, der dieser Welt nur zu Last fällt. Jesus berühre mich, dann weiß ich: Ich bin über zehntausend Jahre alt. Und mein Name ist Mensch…nicht nur, sondern ich bin auch Geliebtes Geschöpf Gottes!
Jesus berühre mich… bloß wie möchte ich dich berühren bzw. wie möchte ich, dass du mich berührst?
Will ich dich ganz umarmen wie einen sehr guten Freund? Kann ich das überhaupt?
Sogar Petrus hast du mit einem „Tritt hinter mich, du Satan!“ zurückgestoßen. Und Maria, deine Mutter, musste dich aus ihren Händen ziehen lassen, weil die Kranken, nicht die Gesunden, den Arzt nötig haben. Ich weiß, Jesus, ich wäre ein Egoist, würde ich dich ganz für mich vereinnahmen. Viele brauchen dich mehr als ich. Und ich wüsste auch gar nicht, mit was ich dich berühren dürfte. Alles an mir, selbst meine höchsten Gedanken, meine größte Liebe, ist zu klein für dich, Sohn Gottes, Sohn des Allmächtigen. Dennoch möchte ich wie die blutflüssige Frau zu dir kommen. Ich weiß nicht wie, denn mein Name ist Mensch und eben oft nicht Prophet oder Heiliger. Deshalb nahe ich mich dir mit Respekt und auch ein bisschen Zittern. Du bist eben so anders als ich, allerdings auch wie ich, nur in perfekt.
Mein Name ist Mensch, deiner Mensch und Gott! Jesus berühre mich, lass mich dich berühren…wenigstens den Saum deines göttlichen Antlitzes. Dafür aber lass mich mit all dem, was ich bin, dich berühren: meinen viel zu niedrigen Gedanken, meiner viel zu kleinen Liebe, mit meinem zerbrechlichen Körper lass mich dich berühren. Lass mich wie ein Teil deines Gewandes werden: Immer ganz nah bei dir und Heilbringend für die Menschen.
Jesus berühre mich… Als die Kraft von dir auf die blutflüssige Frau überging, blitzte es nicht vom Himmel, donnerte es nicht laut, nicht einmal die umherstehende Masse bemerkte es. Wenn du mich berührst, geschieht es im Stillen. Du bedienst dich mit deinen Worten der Stimme anderer, wenn deine Diener dein „tut das zu meinem Gedächtnis“ sprechen. Aber wenn du vor mir stehst oder in meinen Händen Platz nimmst in einem kleinen Stück Brot, dann kann ich dich hören: In deinem Leib lausche ich dem ganzen Drama deiner Liebe. Wie deine Mutter dich in jungen Jahren zum Altar in den Tempel brachte, wie dich so viele Menschen wegen deiner Wunder zum König erhoben, aber gleichzeitig höre ich beim Brechen der Hostie den Schlag der Nägel auf dein Kreuz, vernehme beim Erheben der Hostie deinen sterbenden Blick in den Himmel „Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist!“ und fühle mich zugleich ein in die Freude von Ostern.
Herr Jesus, Du stehst jetzt vor mir. Und ich weiß kaum, wer ich bin und wie ich dich berühren soll oder kann. Mein erster Name ist nun mal Mensch und mein zweiter Name sicherlich Angst, Zweifel, Sorge. Zwar bist du in dem kleinen Stück Brot still, aber nicht stumm. Tief in meinem Herzen kann ich deine Stimme erahnen, wie sie mir zuflüstert: Lass dich von mir berühren, ich entführe dich in meine Gegenwart, damit du hingehst in Frieden.
Jesus berühre mich - https://youtu.be/9muoZ8i25w8
Meine Seele preist - https://youtu.be/RK2UxYfqX2U