02/04/2013
Musikkapitel "Lichterloh" ist zu Ende
Die letzte der insgesamt 32 Vorstellungen strotzte nur so vor Gags / Freude und Trauer beim anschließenden Abschiedsfest.
02. April 2013, Badische Zeitung
BAD SÄCKINGEN. Zum Abschied gab es noch mal ein volles Haus und stehende Ovationen für "Lichterloh". Als am Ostersonntag der letzte Vorhang für das Musical fiel, wollten die Beifallsstürme für das Ensemble im Gloria-Theater schier nicht enden. "Das ist euer Applaus, Leute!" sagte Komponist und Intendant Jochen Frank Schmidt und lobte seine Musicaltruppe als "das beste Team, das wir jemals hatten".
Als nach 32 Vorstellungen, die von 17 000 Besuchern gesehen wurden, das Licht für "Lichterloh" ausging, war das für Akteure wie Zuschauer ein sehr emotionaler Moment. Das Lampenfieber und die Anspannung waren spürbar vor dem großen Finale. Ebenso die Wehmut, dass das glanzvolle Musicalkapitel "Lichterloh" nun zu Ende ist. Da flossen Tränen bei den Darstellern auf und hinter der Bühne. Den Musicalmachern Jochen Frank Schmidt und Alexander Dieterle und Choreografin Vanessa Vario fiel es ebenfalls sichtlich schwer, sich von ihrem "Lichterloh"-Ensemble zu trennen, das in den fünf Monaten Spielzeit zu einer großen Familie geworden ist und sich nun wieder in alle Winde verstreut. Sie hatten, sagte Schmidt beim Schlussapplaus, sehr hohe Erwartungen an die Truppe. "Und Ihr habt alles in den Schatten gestellt", lobte er seine Musicaldarsteller nach der erfolgreichen Saison, die zwei Mal in die Verlängerung ging und 80 Prozent Auslastung hatte, "und heute Abend habt Ihr dem noch die Krone aufgesetzt".Zuletzt hatte es noch einmal einen Run auf die Karten gegeben. Alle Musicalfans, die "Lichterloh" noch nicht gesehen hatten, nutzten die letzte Chance, sich diese hinreißende romantische Fantasy-Liebesgeschichte anzusehen, bevor sie im Dunkel des Archivs verschwindet.
Schmidt hatte für das Finale viele Gags angekündigt, denn jeder aus dem Ensemble durfte sich einen kleinen Gag ausdenken und in die Inszenierung einbauen – ohne den Handlungsablauf zu tangieren. So war am Ostersonntag manche kleine humorvolle Oster-Überraschung in der Show versteckt, nicht nur für das Publikum, sondern auch für Komponist und Regisseur Schmidt, der die eingeschmuggelten Gags vorher nicht kannte. Das fing schon witzig an, als Komiker Jörg Bruckner in der Rolle des Chef-Elektrikers in der ersten Reihe ein "lecker Mädsche" entdeckte, es kurzerhand in die Arme nahm und schwungvoll küsste – die hübsche Blondine entpuppte sich als seine eigene Frau! Ein witziger Einfall war auch, dass sich der Schlagzeuger der Band auf einem Kinderfahrrädchen an die Motorrad-Rocker hängte, als diese mit ihren dröhnenden Harley Davidsons auf die Bühne fuhren. Ex-Bürgermeister Martin Weissbrodt, der als Rockertyp Viktor mit einem Hauch von Easy Rider die schwere Maschine durchs Gloria lenkte, erlaubte sich einen Spaß. Er mischte sich mit seinem Rocker-Kumpel in einer Szene unter die Tänzer – ganz graziös in heißer Lederkluft!
Auch Bandleader Klaus Siebold hatte sich etwas Originelles einfallen lassen und gesellte sich in der turbulenten Stadt-Szene lässig mit schwarzer Punkerperücke und Klarinette zu der Punkerin an der Rampe. Getoppt wurden die Gags von der gesamten Band, die bei der fetzigen Schlussnummer "Liebe, Lampen, Leidenschaft" mit nackten Oberkörpern und Hasenohren das Hasen-Orchester gab und per Schild "Frohe Ostern" wünschte.
Neben solchen spaßigen Einfällen, die diese "Dernière" zusätzlich mit Humor würzten, war es vor allem das Traumpaar Lukas Baßler und Stephanie Weissenberger, dem alle Herzen zuflogen. Das Publikum fieberte mit, bis sich die verliebte Straßenlaterne Paul in einen Menschen verwandelt hat und die bezaubernde Claire in die Arme schließen kann. Das war Romantik pur, wenn die verträumte Claire den schüchternen Paul becirct und er nach der ersten Liebesnacht über den Dächern der Stadt ein wunderschönes Liebeslied für seine Claire singt. Wow! Da schmolzen die Damen im Publikum richtig dahin. Riesenbeifall bekam auch Patrick von Castelberg, der den Titelsong "Lichterloh" derart gefühlvoll sang, dass es unter die Haut ging. Das gesamte Ensemble gab noch mal sein Bestes, tanzte, sang, spielte so hoch motiviert, professionell und leidenschaftlich, dass es die Zuschauer mitriss.
Entsprechend gemischt zwischen Lachen und Weinen waren die Gefühle nach der letzten Vorstellung: einerseits Freude über den Erfolg, andererseits Wehmut, weil sich die Wege der Darsteller nun trennen. "Es ist ein komisches Gefühl, dass wir uns jetzt nicht mehr sehen, nachdem wir vorher so eng zusammengewachsen sind", meinten die "Lichterloh"-Stars Lukas Baßler und Stephanie Weissenberger beim Abschiedsfest. Bis zur nächsten großen Produktion der Hochrhein-Musicals müssen sich die Musicalfans eineinhalb Jahre gedulden. Schmidt verriet, dass die Premiere für die neue Show am 18. Oktober 2014 ist...