15/04/2021
https://youtu.be/ATXlwwAAG3A
Aus dem Leben eines Vollblut-Marionettenspielers
Georg Richter
Ich schwadroniere im Prinzip nie! Meine Reden können wortreich sein, durchaus! Aber ich bin selten laut und trotzdem lebhaft. Niemals aber unbekümmert und wünschte mir oft, dass ich so begriffen werden würde, dass alle verstehen, dass ich diejenigen, die oft aufdringlich reden und von ihren Heldentaten schwadronieren, mit meinen Beiträgen entlarven wollte oder will! Im Gegenteil: ich versuche immer auf den Punkt zu kommen, weil das Leben an sich zu kurz und zu wertvoll ist, um ständig nur zu täuschen, zu tricksen oder sich selbst zu erhöhen, auch wenn diese Vorgehensweisen trefflich geeignet sind, um auf der Leiter der Karrieren in unserer ziemlich außer Rand und Band geratenen Gesellschaft bis ganz nach oben durchzustoßen. Und genau darin liegt die größte Gefahr für die Zukunft dieser Welt. Die folgende Dokumentation ist deshalb auch nur auf den ersten Blick ausschließlich meinem Vater gewidmet! Es ist eine Hommage an das Leben aus der Perspektive eines kleinen Mannes. Vielleicht auch eine Hommage an die Freiheit eines Lebens der landfahrenden Familien, zu denen auch mein Vater gehörte und zu denen auch ich mich noch zugehörig fühle, auch wenn mein individuelles Leben mich auf gänzlich andere Wege führte. Im Prinzip wollte ich über dieses Thema schon immer einmal ein Buch schreiben, doch diese Chance wird sich nicht mehr auftun, zumindest nicht für mich.
Ich gebe oft zu bedenken, dass jeder Mensch seinen Tag so leben sollte, als ob es sein letzter wäre, ohne dabei in eine Spaßorgie abzugleiten und von einem berauschenden Ereignis zum anderen hetzen zu müssen. Den Tag so zu verstehen, als ob es der letzte sei, würde nach meiner Interpretation bedeuten, noch einmal mit allen Sinnen die Schönheit, die Tiefe und die Breite des Lebens zu erfassen und tief in sich aufzusaugen. Noch einmal denen, die einem lieb und teuer sind, die volle Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Das ist es, was ich tun würde. Und dann tauchen die „Top 10“ Dinge, die man noch gerne erledigt hätte, bevor man seine Zeit auf der Welt beendet, vielleicht vor dem geistigen Auge auf. Bei mir sind es auf jeden Fall zu viele Dinge, der Tag mit seinen 24 Stunden würde nicht ausreichen um allem gerecht zu werden. Also fängt man mal damit an, einzelne Gedanken aufzugreifen und zu bearbeiten. Einen Einblick zu geben, in das Leben meines Vaters, der sozusagen „zwischen den Stühlen“ sein Leben meisterte und seine Verbundenheit mit der Welt der „Reisenden“ aufzuzeigen und dabei zu beweisen, dass er auch in seinem „bürgerlichen“ Leben seinen Mann stand und die beiden so grundverschiedenen Lebenswelten miteinander verbinden konnte: zum Wohle aller, wäre so eine Sache, die ich noch gerne „erledigt“ hätte! Eigentlich wollte ich nur ein kurzes Filmchen machen in welchem ich die Marionetten vorstelle, die er in seinem Leben selbst hergestellt hat, damit nicht in späteren Jahren wildes theoretisieren und schwadronieren losbricht wenn es darum geht zu beurteilen, ob sie von ihm ist, die hölzerne Figur, oder von einem anderen. Und da er so eine Schatztruhe voller Erinnerungen in sich trug ist es am Ende eine Dokumentation geworden. Eine die aufgrund der schieren Länge sicher nicht für jede/n verträglich ist?
Es ist nicht die erste Dokumentation, die ich erstellt habe! Als selbständiger Reisejournalist habe ich monatelang an Präsentationen über fremde Kulturen, andere Völker und Kontinente getüftelt und diese – teils mit umfangreicher Präsentationstechnik – der Öffentlichkeit vorgeführt. Aber das dabei verwendete Material war stets das „stehende Bild“, Photographien in Form von Dias oder später digitalem Basismaterial. Dass ich mich überhaupt diesem Thema widmen konnte liegt unbestritten an der Tatsache, dass die gesetzlich beschlossenen Einschränkungen der Corona-Zeit mir sämtliche Standbeine weggezogen haben und ich meine Zeit nun mit Kreativität füllen kann. Und um unseren psychologisch geschulten Leserinnen & Lesern gleich einmal den Wind aus den Segeln zu nehmen: in der Beziehung zwischen meinem Vater und mir gab es zu keiner Zeit eine wechselseitige Identifizierung! Wenn mein Vater eventuell einmal stolz auf mich als seinen Sohn war, hat er es mich nicht spüren lassen. Als Sohn war ich nur stolz auf meinen Vater, wenn ich mir seine Güte und seine tiefe innere Ruhe vergegenwärtigte. Trotzdem wollte ich meinen Mitmenschen nicht einmal ansatzweise so viel durchgehen lassen wie er es über viele Jahrzehnte hinweg zugelassen hat. Unsere engere Bindung entstand im Prinzip erst in den letzten Wochen seines Lebens, wobei mir meine Erfahrungen, die ich mit der Lebenswelt anderer Völker gemacht hatte, durch ihn bestätigt wurden.
Ich denke, dass es nicht vielen Personen gelingen wird, einen „hausgemachten“ Film über die Welt der „landfahrenden“ Marionettenspieler-Familien anzuschauen, der fast zwei Stunden dauert? Dabei waren die Einsätze vor laufender Kamera, mitten unter den Marionetten oben in unserer Dachkammer die leichteste Übung für mich! Bremst man mich nicht aus, kann ich aus meinem reichen Fundus der Erinnerungen stundenlang oder gar über Tage hinweg referieren. Aufwändig war eher das zusammenschneiden des Films. Etliche Male versagte mir der Computer ob der schieren Menge des Materials den Dienst. Ich habe das ganze Projekt hinter dem Rücken aller anderen gemacht – niemand wusste davon, auch nicht meine Frau. Warum ich diesen Streifen überhaupt erstellt habe? Böse Zungen werden nun wieder davon reden, dass er sich doch nur einen Wettbewerbsvorteil verschaffen will, der böse Bube und geben damit viel mehr von ihrem eigenen Denken und Streben preis, als sie sich es eingestehen würden. Mir persönlich wurde durch den Tod meines Vaters in meiner Hand und mit seinen Augen in meinen Augen eine Bestätigung erteilt: nämlich dass ich es besser weiß! Besser als all diejenigen, die blind vor Angst vor der eigenen Endlichkeit einem imaginären Gott hinterher laufen oder sich in wilder Selbstzerstreuung verlieren um der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen zu müssen.
Und da er als Mensch anderen so viel Gutes hat zukommen lassen (gewollt oder ungewollt) und nun schon eine ganze Weile unter der Erde liegt, dachte ich mir, dass ich ihm posthum die Ehre erweise und mit dieser dokumentarischen Erzählung alle die ihm etwas zu verdanken haben, noch einmal sanft daran erinnere. Schaut euch den Streifen an – ihr werdet verstehen. Wer die entsprechende YouTube App mit dem Fernseher verwenden kann, sollte den Film dort anschauen! Er ist in HD-Qualität abgefilmt und eignet sich vortrefflich, um auf großen Bildschirmen angeschaut zu werden.
Roland Richter
Bad Nauheim
14. April 2021
Heute haben wir bereits den 15ten April! Die Menge des Materials scheint offensichtlich sogar den Server im Internet zu überfordern. Wenn der heutige Download Versuch klappt, kann es losgehen......
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