02/10/2026
TRANSFORMATION GESTALTEN
WERT DER PLANUNG
Fachsymposium in Erfurt. Eingeladen hatte der Bundesverband Deutscher Architekten.
Im Einladungstext hieß es:
„Deutschland ist gebaut. Die zentrale Aufgabe kommunaler Planung besteht heute darin, den Bestand weiterzuentwickeln – unter Bedingungen, die anspruchsvoller denn je sind: knappe finanzielle und personelle Ressourcen, eine stagnierende Bevölkerungsentwicklung und die Notwendigkeit, natürliche Ressourcen zu schonen.
Zielgerichtete Planung und Steuerung kommunaler Entwicklungsaufgaben, insbesondere bei interkommunalen, regionalen Kooperationen werden zu einer strategischen Notwendigkeit, um die Handlungsfähigkeit von Städten und Gemeinden zu sichern.“
Neben Planungs- und Architekturbüros, Vertreter der LEG Thüringen, aus Kommunal- und Landespolitik und Verwaltung sowie Investoren wurde unter anderem das ISEK von Bad Liebenstein vorgestellt – aus planerischer Sicht durch Dr. Wilke und aus politischer Sicht durch Staatssekretär Marcus Malsch aus dem Thüringer Wirtschaftsministerium.
Das Maßstabwerk war eingeladen, über seine Entstehung und die aktuelle Entwicklung zu berichten.
Das Maßstabwerk trägt zwar den Namen eines ganzen Hauses, tatsächlich befindet es sich jedoch auf einer Etage des ehemaligen Industriegebäudes. Diese Etage wurde als kulturelle Infrastruktur für die Entwicklung des gesamten Pfeifen- und Holzgeländes konzipiert und saniert.
Die Idee dahinter war von Anfang an größer als die Etage selbst: Das Maßstabwerk sollte ein Impulsgeber für das Gesamtareal sein. Ein Ort, der Menschen auf das Gelände aufmerksam macht, Begegnung ermöglicht und zeigt, welches Potenzial hier steckt. Ein Ort, der Unternehmen, Investoren und weitere Akteure anzieht und dazu beiträgt, aus einem ehemaligen Industrieareal Schritt für Schritt ein neues Quartier im ländlichen Raum entstehen zu lassen.
Das Maßstabwerk selbst ist aus bürgerschaftlichem Engagement entstanden. Es gab keinen öffentlichen Auftrag, diese Etage zu entwickeln, kein bereitgestelltes Budget für Personal und keine fertige Struktur, die nur umgesetzt werden musste. Die Fördermittel wurden aus einem Kulturverein heraus akquiriert und die Etage anschließend Schritt für Schritt saniert und entwickelt.
Warum?
Weil die Überzeugung dahinterstand, dass der ländliche Raum Orte braucht, an denen Menschen bleiben, zurückkehren und neue Ideen entwickeln können. Orte, die zeigen: Auch hier kann etwas entstehen. Auch hier kann man wachsen.
Seit 2024 ist das Maßstabwerk dabei nicht mehr nur kultureller Akteur, sondern ein Social Business mit unternehmerischer Verantwortung. Das bedeutet auch: Das Maßstabwerk muss wirtschaftlich funktionieren.
Und genau deshalb ist die Entwicklung des Gesamtareals keine Nebensache.
Ein lebendiges Quartier schafft Synergien: zwischen Kultur und Wirtschaft, zwischen Veranstaltungen und Gastronomie, zwischen Bildung, Arbeiten, Wohnen und Begegnung. Unternehmen, Investoren und weitere Akteure auf dem Gelände würden neue Möglichkeiten schaffen – für Kooperationen, für Besucher und letztlich auch für die wirtschaftliche Entwicklung des Maßstabwerks.
Das Maßstabwerk profitiert von einem entwickelten Areal – und gleichzeitig kann das Maßstabwerk einen Beitrag dazu leisten, dass dieses Areal attraktiv wird.
Von 2021 bis 2024 wurde die Entwicklung des Gesamtgeländes massiv vorangetrieben. Seit Sommer 2024 ist diese Entwicklung jedoch weitgehend zum Stillstand gekommen.
Das Maßstabwerk ist weiterhin aktiv. Mit Kultur, Veranstaltungen, Bildungsprojekten und Begegnungsformaten hält es den Ort sichtbar und bringt Menschen auf das Gelände.
Aber es kann und soll nicht die Entwicklung des Gesamtareals übernehmen. Seine Aufgabe liegt in der kulturellen Nutzung und der Bereitstellung von Infrastruktur.
Das Gelände gehört der Stadt Bad Liebenstein. Einige der Gebäude befinden sich im Eigentum der aus der Stadt heraus gegründeten Stiftung LandCampus, die mit dem Ziel angetreten ist, das Areal zu entwickeln.
Wenn die bisherige Entwicklungsstruktur nicht mehr funktioniert, müssen deshalb neue Lösungen gesucht werden.
Aus unserer Sicht könnte eine solche Lösung darin liegen, das Gelände gezielt für einen Investor vorzubereiten: planerisch, rechtlich und infrastrukturell. Einen Investor, der das Potenzial des Areals erkennt, Verantwortung übernimmt und die Entwicklung zu einem neuen Quartier tatsächlich vorantreibt.
Dafür braucht es zunächst einen Eigentümer bzw. die öffentliche Hand, die die Voraussetzungen schafft: klare Entwicklungsziele, belastbare Planungen, geklärte Rahmenbedingungen und eine aktive Ansprache potenzieller Investoren und weiterer Partner.
Genau diese Frage stand für mich deshalb auch im Mittelpunkt meines Beitrags in Erfurt:
Was braucht es, damit aus einem guten Masterplan wieder konkrete Entwicklung wird?
Bürgerschaftliches Engagement kann den ersten Impuls geben. Es kann Räume schaffen, Fördermittel akquirieren, Menschen zusammenbringen und zeigen, dass Veränderung möglich ist.
Aber ein Social Business kann auf Dauer nicht allein die Entwicklung eines gesamten Quartiers tragen.
Der Ort braucht jetzt eine neue Perspektive.
Der Masterplan ist da.
Das Potenzial des Geländes ist da.
Das Maßstabwerk ist da.
Jetzt braucht es eine Entscheidung darüber, wie dieses Potenzial wieder in Bewegung gebracht werden kann.