Tristan Tzara und seine Zeit

Tristan Tzara und seine Zeit Tristan Tzara inmitten eines großen Freundeskreises und umrahmt von einer Zeit- und Kulturepoche

14/12/2017
14/12/2017

Hannah HöchDie Dame unter den Dada-Künstlern
Sie war eine der wenigen Frauen im Kreis der Dada-Künstler: Hannah Höch. Ihre Collagen wurden im Museum of Modern Art in New York ausgestellt - nachdem sie den Nationalsozialismus trotz kritischer Kunst unbeschadet überstanden hatte. Heute wäre sie 125 Jahre alt geworden.
Von Rainer B. Schossig

(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 07.07.2011)
"Meine erste Collage, die fällt also auf 1904: Eine kleine Landschaft - in dem Fall unser Garten mit einem Figürchen, mein Schwesterchen, das lehnt da an einem Baum. Habe ich schön munter geklebt, ganz hübsch so ausgeschnitten, die Bäume und alles farbig sehr hübsch. Und das ist meine erste Collage!"
Lange bevor sie Dada-Künstlerin war, klebte Hanna Höch schon Blätter aus bunten Papieren zusammen. Als das Bild "Nitte unterm Baum" entstand, war sie gerade 15 Jahre alt. "Meine erste Collage" - das war ihr wichtig, weil sie Streit hatte mit ihrem Lebensgefährten, Raoul Hausmann, über die Urheberschaft der Collage.
Hannah Höch wird am 1. November 1889 als älteste Tochter einer gutbürgerlichen Familie in Gotha geboren. Sie besucht die Kunstgewerbeschule in Berlin-Charlottenburg. Die legendäre Futurismus-Ausstellung in Herwarth Waldens Galerie "Der Sturm" beeindruckt sie tief. Als der Psychoanalytiker und Schriftsteller Richard Huelsenbeck vom Zürcher "Cabaret Voltaire" mitten im Ersten Weltkrieg die verrückten Ideen der Dada-Bewegung von Zürich nach Berlin bringt, macht sie schon feminine Collagen aus feiner Brüsseler Spitze und banalen Schnittmusterbögen. Zeitgleich mit der Weimarer Republik gründen Johannes Baader, George Grosz und John Heartfield den Berliner "Club Dada". Hannah Höch erinnerte sich später gut, wie sie und Hausmann Fotos montierten.
"Hausmann und ich, wir haben ein ulkiges Soldatenbild gefunden, was in den Familien aufgehängt wurde: Embleme, Fahnen usw. drumherum; und da war aber hineingeklebt der Kopf des jeweiligen Sohnes. Diese Kombination von Collage und Fotomontage."
Lebenslange Freundschaft mit Kurt Schwitters
In der ersten Berliner Dada-Ausstellung 1919 im Graphischen Kabinett bei I.B. Neumann zeigt Hannah Höch noch abstrakte Aquarelle und expressionistische Zeichnungen. Sie studiert bei dem Prager Künstler Emil Orlik und engagiert sich in der "Novembergruppe". Dann lernt sie den hannoverschen "merz"-Künstler Kurt Schwitters kennen, und eine lebenslange Freundschaft beginnt.
"Schwitters war ein sehr fantasievoller Mensch, er war auch ein guter Mensch. Aber maßgeblich ist auch die armselige Zeit, unser Material, weil: Wir hatten ja nix. Jede Verlobungskarte war Luxussache, edles Papier waren alles Kostbarkeiten. Schwitters hatte gefunden, dass man das auch verwerten könne, wie man alles machen kann, wenn man's kann."
Schwitters' skurrile Material-Collagen inspirieren sie zu ihrer berühmten Foto-Collage "Schnitt mit dem Küchenmesser Dada durch die letzte Weimarer Bierbauchkulturepoche Deutschlands", zusammengesetzt aus einem Wirbelsturm ausgeschnittener Künstler- und Politikerporträts, technischer und Alltagsgegenstände und plakativer Wörter aus Schlagzeilen. 1922 trennt sie sich von Hausmann; sie freundet sich mit Hans und Sophie Arp an, mit Tristan Tszara, Nelly van Doesburg sowie dem Sonderling Piet Mondrian. Auf einer Reise nach Holland lernt sie die Lyrikerin Til Brugmann kennen. Bis 1935 wird sie - zunächst in Holland, später in Berlin - mit ihr zusammenleben.
Zweiten Weltkrieg zurückgezogen überstanden
Auch auf Hannah Höch wirft die Nazi-Diktatur ihre Schatten. Ihre Kunst wird engagierter, ihre Gemälde spielen nun auf Repression und Judenverfolgung der Nationalsozialisten an, NS-Kampfschriften bezeichnen sie als deutsche "Kulturbolschewistin". Doch auf der Propaganda-Schau "Entartete Kunst" ist sie nicht vertreten. Den Zweiten Weltkrieg übersteht Hannah Höch zurückgezogen in einem Häuschen mit Garten in Heiligensee, nördlich von Berlin.
"Das ist nun das einzige, was ich zu meiner Freude mache, zu sehen, wie in wenigen Monaten das da hoch wächst. Und die Düfte, ich liebe sehr die Düfte, weil das schön ist."
1946 werden ihre Fotomontagen in Berlin wieder gezeigt. Zwei Jahre später beteiligt sie sich an der "DADA-Retrospektive" im Museum of Modern Art in New York. Zahlreiche internationale Ausstellungen ehren sie als die Dame im Gruppenbild der Dada-Künstler. 1978 ist Hannah Höch in ihrem Haus in Heiligensee im Alter von 88 Jahren gestorben.

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Henry Charles Bukowski jr. (1920-1994)

Ein umstrittener Schriftsteller.
Geliebt und verdammt.

Für manche nur Säufer und Hurenbock. Für andere ein großartiger, düsterer Dichter: Ein Autor der harten, direkten Zeile ohne schmückendes Beiwerk. Ein entlarvender Autor. Man verglich ihn mit Dostojewski und Rimbaud, Hemingway und Miller.

Er hing in Bars herum, aber liebte klassische Musik. Er war vernarrt in die Pferderennbahn und verwettete manches Hemd. Er las aber auch Schopenhauer und Céline, Hamsun und Nietzsche. Er war zweimal verheiratet und hatte eine Tochter (mit deren Mutter er nicht verheiratet war). Er wohnte den Großteil seines Lebens in den Armenvierteln von East-Hollywood, aber in den letzten 16 Jahren in einem hübschen Haus in San Pedro.

Er schrieb Tausende Gedichte, Hunderte Short-Stories, sechs Romane, ein Drehbuch und ganze Regalmeter voll Briefe. Seine erste Veröffentlichung war 1944 - und noch heute werden Bände mit Unveröffentlichtem aus dem Nachlass zusammengestellt. Übersetzt wurde Bukowski in annähernd 20 Sprachen.

Arno Schmidt Kühe in Halbtrauer. Radierung von Jens Rusch zu Arno Schmidts Erzählung Kühe in HalbtrauerArno Otto Schmidt...
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Arno Schmidt Kühe in Halbtrauer. Radierung von Jens Rusch zu Arno Schmidts Erzählung Kühe in Halbtrauer

Arno Otto Schmidt (* 18. Januar 1914 in Hamburg-Hamm; † 3. Juni 1979 in Celle) war ein deutscher Schriftsteller.

Schmidt wuchs in Hamburg und Lauban bei Görlitz auf. Seit 1938 lebte er in Greiffenberg. Von 1946 an lebte er als freier Schriftsteller zunächst in Cordingen, dann in Gau-Bickelheim, Kastel an der Saar und in Darmstadt und seit 1958 schließlich im Heidedorf Bargfeld bei Celle. Sein erster Band mit Erzählungen, Leviathan, erschien 1949. Dieser und seine Werke der 1950er Jahre sind sprachlich von einer ungewöhnlichen, sich oft am Expressionismus orientierenden Wortwahl geprägt. Formal kennzeichnet sie das Bemühen um neue Prosaformen, inhaltlich sind sie von einer kulturpessimistischen Weltsicht und einer angriffslustigen Gegnerschaft gegen das Westdeutschland der Adenauer-Ära geprägt. Seine theoretischen Überlegungen zu Prosa und Sprache entwickelte Schmidt in den 1960er Jahren in Auseinandersetzung vor allem mit James Joyce und Sigmund Freud weiter und suchte seine Ergebnisse in den in dieser Zeit entstandenen Werken (Ländliche Erzählungen im Band Kühe in Halbtrauer, KAFF auch Mare Crisium) umzusetzen. Als Summe dieser Entwicklung erschien 1970 das monumentale Hauptwerk Zettel’s Traum. Sein Spätwerk (Die Schule der Atheisten, Abend mit Goldrand und das Fragment gebliebene Werk Julia, oder die Gemälde) erschien wie Zettel’s Traum in großformatigen Typoskriptbänden. Außer den für den Autor wichtigen Prosaarbeiten entstanden zahlreiche Übersetzungen aus dem Englischen, Kurzgeschichten, literaturgeschichtliche und -theoretische (Radio-) Essays

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Vor Den Klippen 34
Bad Karlshafen
34385

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