11/04/2015
Warum sich der Kulturkreis Bad Berka nach 23 Jahren Vereinstätigkeit auflösen will
11.04.2015 - 04:00 Uhr
Bad Berka verliert seinen Kulturverein. Aller Voraussicht nach Ende April wird „sang- und klanglos ein Licht am Himmel der Kulturlandschaft verlöschen“, kündigt Peter Große aus Jena die bevorstehende Auflösung des Kulturkreises Bad Berka an.
Jeder Atemzug Berkaer Luft ist einen Dukaten wert. Dieses Zitat ist Teil der neuen Dauerausstellung zur Kurortgeschichte im Coudrayhaus. Leider reichen die Dukaten, die die Stadt dem Kulturkreis geben will, nicht aus, um die Betreuung der Ausstellung gewährleisten zu können. Foto: Sabine Brandt
„Jeder Atemzug Berkaer Luft ist einen Dukaten wert.“ Dieses Zitat ist Teil der neuen Dauerausstellung zur Kurortgeschichte im Coudrayhaus. Leider reichen die Dukaten, die die Stadt dem Kulturkreis geben will, nicht aus, um die Betreuung der Ausstellung gewährleisten zu können.
Bad Berka. Nicht nur er als Vereinsmitglied verleiht seinem Bedauern über diese Entwicklung Ausdruck. Auch Kerstin Hellberg bekennt: „Ich bin sehr, sehr traurig.“ Als künstlerische Leiterin würde sie alles tun, um ihre Arbeit im Kulturkreis fortzuführen. Als Vorsitzende des Vereins allerdings sieht sie keine Alternative mehr.
Eine Einigung mit der Stadt Bad Berka, die bis vor Kurzem noch darauf gesetzt hatte, den Kulturkreis für die Betreuung der neuen Dauerausstellung im Coudrayhaus gewinnen zu können, scheint ausgeschlossen.
Vorgesehen war, den Verein mit rund 17 000 Euro im Jahr – gut 3000 Euro mehr als bislang – zu unterstützen und im Gegenzug die Öffnungszeiten des Hauses durch Mitglieder des Vereins gewährleisten zu können.
Kerstin Hellberg indes weiß nicht, wie sie innerhalb dieses finanziellen Rahmens sowohl die Kulturarbeit im bisherigen Umfang fortsetzen und zugleich die Öffnungszeiten abdecken sollte. Um beide Aufgaben bewältigen zu können, sei es erforderlich, neben ihr eine weitere Person auf 450-Euro-Basis zu beschäftigen. Den organisatorischen Mehraufwand und vor allem die Verantwortung zu schultern, die mit der Trägerschaft solch einer Stelle einhergehen, übersteigt die Möglichkeiten des Vereins.
Überraschend allerdings kommt dieses Ende nicht. Die atmosphärischen Störungen zwischen Stadt und Verein dauerten bereits eine ganze Weile an (TLZ berichtete). Schon die Umstände der Sanierung des ehemaligen „Hauses des Gastes“ empfand der Vereinsvorstand als Affront. Weil die Stadtverwaltung nicht in der Lage war, dem Kulturkreis ein kostenfreies Ausweichquartier zur Verfügung zu stellen, mussten der Innenausbau quasi „im bewohnten Zustand“ über die Bühne gehen. „Mit unserem Equipment mussten wir achtmal umziehen“, klagt die Vereinschefin – wobei besagtes Material einschließlich Außenbestuhlung, Scheinwerfer, Bilderrahmen et cetera bis dahin auf mehrere Räume des Hauses verteilt war.
Dass dabei zwanzig Asendorpf-Repliken abhanden kamen, hält Kerstin Hellberg für kein Versehen. Sie ist sich sicher, dass die wertvollen Kopien gestohlen worden sind.
Nach Abschluss der Bauarbeiten fühlt sich der Kulturkreis nun beträchtlich in seinem Aktionsradius beschränkt. Die ihm zugewiesenen Räume seien zu klein und als Büros nicht nutzbar.
So gebe es keine Möglichkeiten, einem im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes Beschäftigten einen vernünftigen Arbeitsplatz zuzuweisen. Darüber hinaus klagt der Verein, seine Gäste nicht mehr in gewohntem Umfang kulinarisch versorgen zu können. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten und dem Ausschank von Getränken aber deckten bislang ein Drittel des Jahresbudgets ab.
Die Stadt Bad Berka hingegen will das Haus auch anderen Nutzern – gegen Engelt – zur Verfügung stellen. Daher rührt die nunmehr verwirklichte räumliche Beschränkung des Kulturkreises – und das Gefühl seiner Protagonisten, nicht mehr erwünscht zu sein.
Der Kulturkreis war 1992 von kunstinteressierten Bad Berkaer Bürgern gegründet worden. Im Coudrayhaus bot er Zeit seines Bestehens jungen Künstlern ein Forum ebenso wie etablierten Kulturschaffenden, Malern ebenso wie Musikern und Autoren. Armin Müller wurde hier gewürdigt, Otto Paetz feierte im Coudrayhaus sogar seinen 90. Geburtstag. Gern denkt Kerstin Hellberg auch an den Besuch Klaus-Jürgen Wussows zurück. Sie selbst stieß vor 15 Jahren zum Verein. Heute hat der Kreis noch etwa 40 Mitglieder.
All das, klagt Peter Große, „wird es nun nicht mehr geben“. Der Tag, an dem die Mitgliederversammlung die Auflösung des Vereins beschließen muss, werde ein trauriger Tag sein. „Ob sich Bad Berka dessen bewusst ist ?“
Sabine Brandt / 11.04.15 / TLZ