Gesichter_der_Stadt

Gesichter_der_Stadt Porträtausstellung in Schaufenstern in Bückeburg über das Zusammenleben von Migranten und Einheimischen.

Umgesetzt von Christa Harms (Koordinatorin), Anett Findeklee (Fotografin ) & Joana Harmening (Journalistin)

Masoud Hasan hat in seiner Heimat in Damaskus den Beruf des Malers gelernt. Auf Basis eines „Minijobs“ hat er angefangen...
01/01/2021

Masoud Hasan hat in seiner Heimat in Damaskus den Beruf des Malers gelernt. Auf Basis eines „Minijobs“ hat er angefangen sämtliche Räume, Wände und Decken des Palais mit einem neuen Anstrich zu versehen. „Seine Arbeit hier ist spürbar, wenn man durch das Haus geht. Vor allem, wenn man die vorher-nachher Bilder im Kopf hat. Besonders beeindruckt hat mich, als er das Treppenhaus gestrichen hat. Seit mehr als zwei Jahrzehnten sollte das schon gemacht werden. Er hat sich aus einer langen Alustange und einem Eckenpinsel das passende Streichgerät dazu gebaut und hat dann akkurat an Stuck und Wandvorsprüngen entlang gemalt - er hat ein solches Feingefühl im Pinsel. Nach einer Woche erstrahlte das Treppenhaus in neuem Glanz. Es gibt hier so viel zu tun. Wir haben außerdem 120 Wohnheimzimmer, die nach jedem Auszug eines Schülers renoviert und neu gestrichen werden müssen“, berichtet Maxin. Inzwischen belaufen sich die Aufgaben von Masoud auf viele weitere Tätigkeiten: Rasen mähen, Möbel reparieren, Botengänge zur Post erledigen und den Schülern beim Ein- und Auszug helfen.
Seit Anfang 2019 ist Masoud Hasan fest angestellt als „zweiter Hausmeister“. Er hat immer so lange gearbeitet, wie seine Frau Unterricht hat. „Nebenbei macht sie noch ihre Fachhochschulreife“, sagt der 28-Jähre ein wenig stolz. Mittlerweile haben die beiden zwei Autos, sodass sie bequem und unabhängig voneinander ihren Tätigkeiten nachgehen können. „Ich bin Herrn Maxin sehr dankbar, dass er mir diese Chance gegeben hat. Er tut viel mehr für mich und uns als er eigentlich müsste. Letzten Winter hatte ich mit meinem Auto einen Unfall bei Glatteis. Es musste verschrottet werden. Herr Maxin hat mir ein neues kleines Auto geschenkt“, sagt Masoud Hasan und Rüdiger Maxin wirft schmunzelnd ein: „Er musste ja schließlich weiter zur Arbeit kommen können.“
Masoud würde gerne unbefristet und auf lange Sicht seiner Tätigkeit im Palais nachgehen. Er möchte viel Arbeiten um Geld zu sparen: „Mein Traum wäre es, für meine Frau und mich eine kleine Wohnung zu kaufen.“

Vor zwei Jahren fuhr ein junger Mann jeden Morgen seine Frau pünktlich zum Palais, verbrachte dort wartend den ganzen T...
01/01/2021

Vor zwei Jahren fuhr ein junger Mann jeden Morgen seine Frau pünktlich zum Palais, verbrachte dort wartend den ganzen Tag und fuhr dann nach Unterrichtsschluss mit seiner Frau wieder nach Hause.
Dieser junge Mann ist Ende 2015 aus Syrien nach Deutschland gekommen und heißt Masoud Hasan. Seine Frau Lorin absolviert im Palais an den Schulen Dr. Kurt Blindow eine Ausbildung zur pharmazeutsch-technischen Assistentin.
Schulleiter Rüdiger Maxin beobachtete diesen Ablauf eine Zeit lang. Schnell war im Palais aufgefallen, dass Maoud Hasan den ganzen Tag im Palais oder auf dem Gelände verbringt. „Nach zwei Wochen sprach ich ihn an und gab ihm den Hinweis, dass Frauen hier in Deutschland auch alleine zur Schule gehen können. Danach habe ich Masoud drei Wochen lang nicht mehr gesehen, bis er schließlich wieder wartend im Eingangsbereich saß. Dann habe ihn ihn zu einem Gespräch in mein Büro gebeten“, erzählt Maxin.
Es stellte sich heraus, dass Masoud Hasan und seine Frau in Bad Salzuflen wohnen und nicht genau Geld hatten, um zwei Mal pro Tag die 50 Kilometer lange Strecke bis nach Bückeburg und zurück zu fahren. Darum wartete Masoud jeden Tag geduldig auf den Unterrichtsschluss.
„Ich habe ihn dann gefragt, was er eigentlich beruflich macht. Mir war klar, dass ich hier eine Lösung für die beiden finden muss“, sagt der Schulleiter.

Die Ehrenamtlichen sind aufgefordert, für eine bessere Lesbarkeit, die Briefe mit dem PC zu schreiben. Die Migranten hi...
23/10/2020

Die Ehrenamtlichen sind aufgefordert, für eine bessere Lesbarkeit, die Briefe mit dem PC zu schreiben. Die Migranten hingegen sollen ihre Briefe handschriftlich verfassen und natürlich ohne Hilfe des Google-Übersetzers. „Sheyda schreibt wirklich sehr gut. Beim Lesen ihrer Briefe merke ich außerdem, dass sie ständig kleine Fortschritte macht und neue Worte gelernt hat“, erzählt die Ehrenamtliche Eveline Fenk. Seit April schreiben sich die beiden. Zum Gespräch für diesen Artikel (Ende August) haben sie sich nun zum ersten Mal „live“ getroffen.
Zu dem Briefpapier, das alle Paarungen zur Verfügung gestellt bekommen, werden jedes Mal auch Impulse und Themenvorschläge gegeben, worüber geschrieben werden kann, aber nicht muss. Das Impulspapier entwickelt Christa Harms zusammen mit Susanne Niemeyer, einer Autorin aus Hamburg.
„Unsere letzten Briefe drehten sich um Unterschiede und Gemeinsamkeiten unserer Heimatländer, wir schrieben darüber, was wir uns wünschen, was wir vermissen und der letzte Brief handelte von Sprichwörtern und Lieblingswörtern. Mein deutsches Lieblingswort, das ich letztens auch erst neu gelernt habe, ist „Manieren“. Typisch deutsch“, sagt die junge Iranerin und lacht.
Sobald die Corona-Regularien es zulassen, soll es demnächst ein großes Treffen geben, bei dem alle Brieffreunde sich kennenlernen.

Mit „Wer schreibt, der bleibt“ sollte eine Schreibwerkstatt ins Leben gerufen, die alle vier Wochen in unterschiedlichen...
23/10/2020

Mit „Wer schreibt, der bleibt“ sollte eine Schreibwerkstatt ins Leben gerufen, die alle vier Wochen in unterschiedlichen Orten und Gemeindehäusern mit einem Referenten für Migranten und Ehrenamtlichen stattfindet. „Corona sorgte schließlich dafür, dass das Projekt so nicht gestaltet werden konnte. Mir kam die Idee, dass sich die Beteiligten gegenseitig Briefe schreiben könnten. Die teilnehmenden Migranten erhalten von mir Briefpapier mit frankierten Briefumschlägen. Sie schicken ihren Brief an einen Ehrenamtlichen und erhalten eine Antwort. Die Migranten üben sich so weiterhin in der deutschen Sprache, denn auch Sprachkursangebote haben lange nicht stattgefunden. Außerdem geben sie etwas zurück von dem, was sie in den letzten Jahren durch die Ehrenamtlichen erfahren haben. Zum Abschluss soll dieser einjährige Briefkontakt als Buch veröffentlicht werden, wenn alle Teilnehmer zustimmen“, berichtet Ideengeberin Christa Harms.
Inzwischen schreiben sich 32 Paarungen aus dem ganzen Landkreis Briefe.
Eveline Fenk und Sheyda Einakian sind eines dieser Brieffreundschaftspaarungen. Die 33-jährige Sheyda Einakian ist vor zwei Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen. „Nachdem ich einen Berufsdeutschkurs belegt hatte, konnte ich direkt einen weiteren Deutschkurs auf B2 Niveau belegen“, sagt sie stolz und fügt hinzu: „Mir fällt es aber leichter, zu schreiben als zu sprechen, da habe ich mehr Zeit, über die richtige Formulierung nachzudenken.“

Die beiden Geschäftsführer von Mews Elektrotechnik, Andreas Landfester und Stefan Thürnau, waren von Mohammad sehr an...
09/10/2020

Die beiden Geschäftsführer von Mews Elektrotechnik, Andreas Landfester und Stefan Thürnau, waren von Mohammad sehr angetan: „Er hat vom ersten Tag an so super mitgearbeitet und sich toll in das Mitarbeiterteam integriert.“ Über das Jobcenter folgte nach dem Praktikum eine einjährige sogenannte „Einstiegsqualifizierungsmaßnahme“, bei der Mohammad schon an dem Berufsschulunterricht der Ausbildung zum „Elektroniker mit Fachrichtung Haus- und Gebäudetechnik“ teilgenommen hat. Die Handwerkskammer entschied, dass er im Anschluss daran direkt in das zweite Ausbildungsjahr einsteigen durfte.
„Herr Schnierl hat uns und damit natürlich auch Mohammad auf diesem Weg sehr viel Koordinatives mit den Behörden und den Ämtern abgenommen“, sagt Andreas Landfester, der sich in dem Unternehmen mit 30 Mitarbeitern auch um acht weitere Auszubildende kümmert.
„Es ist wirklich schwer, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Mohammad jedoch hat uns nicht einen einzigen Tag bereuen lassen, ihn eingestellt zu haben. Er ist so fleißig, sieht immer, wo Arbeit ist und wo er gebraucht wird. Manchmal nimmt er uns regelrecht die Arbeit weg und wir müssen ihn bremsen“, sagt Stefan Thürnau und muss lachen.
Mohammad Abd Alaal fühlt sich sichtlich wohl im Betrieb und geht in seiner Arbeit auf. „Mir gefällt die Arbeit hier sehr. In Syrien beinhaltete die Ausbildung zum Elektroniker fast nur Theorie. Auf den hohen Praxisbezug hier musste ich mich erst einstellen. Das ist ein großer Unterschied“, so Mohammad.
Im Januar 2021 wird er die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. „Wir sind dann die letzten, die sagen, dass er nicht weiter bei uns bleiben kann. Wir würden uns freuen“, sind sich die beiden Geschäftsführer einig.

Im Herbst 2016 vermittelte Klaus Schnierl Mohammad ein zweiwöchiges Praktikum bei der Mews Elektrotechnik GmbH. Bereits...
09/10/2020

Im Herbst 2016 vermittelte Klaus Schnierl Mohammad ein zweiwöchiges Praktikum bei der Mews Elektrotechnik GmbH. Bereits in Syrien hatte er eine Ausbildung in dem Fachbereich Elektrotechnik absolviert.

Zum ersten Mal sind sich Klaus Schnierl und Mohammad Abd Alaal beim informellen Gesprächskreis für Männer, initiiert ...
09/10/2020

Zum ersten Mal sind sich Klaus Schnierl und Mohammad Abd Alaal beim informellen Gesprächskreis für Männer, initiiert von Pastor Zapke, begegnet. „Der Gesprächskreis hat sich jedoch nach einiger Zeit etwas verlaufen, sodass zuletzt Mohammad und ich zu zweit übrig geblieben sind. Seit knapp fünf Jahren treffen wir uns nun immer donnerstags bei Mohammad zuhause oder in einem Café“, berichtet Klaus Schnierl. Als pensionierter Lehrer für Französisch und Englisch konnte er Mohammad natürlich dennoch bei Schwierigkeiten in der deutschen Sprache helfen. „Es dauerte aber nicht lange, da ist aus anfänglicher Deutsch-Nachhilfe ein Austausch über die alltäglichen Dinge des Lebens, unsere Familien, Politik und Religion geworden. Manchmal lesen wir auch gemeinsam die Tageszeitung. Wir sind Freunde geworden“, erzählt Schnierl.
Mohammad Abd Alaal ist vor fünf Jahren mit seinem ältesten Sohn aus Syrien nach Deutschland gekommen. Erst zweieinhalb Jahre später folgte ihm seine Frau mit den anderen beiden Kindern.

Mohammad Abd Alaal und Klaus Schnierl verbindet inzwischen eine feste Freundschaft. Aber auch als engagierter Mitarbeite...
04/10/2020

Mohammad Abd Alaal und Klaus Schnierl verbindet inzwischen eine feste Freundschaft. Aber auch als engagierter Mitarbeiter wird Mohammad vor allem von seinen beiden Chefs geschätzt. Die Porträts der vier sind in der Braustraße, bei „Haus und Grund“, zu sehen.

BÜCKEBURG. Gesichter einer Stadt“, eine monatlich wechselnde Ausstellung von Geflüchteten und ihren Unterstützern in Schaufenstern Bückeburger ...

Im September erzählen wir die Geschichten von zwei Brieffreundinnen, Mohammad, der mit Hilfe eines Freundes eine Lehrst...
21/09/2020

Im September erzählen wir die Geschichten von zwei Brieffreundinnen, Mohammad, der mit Hilfe eines Freundes eine Lehrstelle fand, und Mausoud, dem „guten Geist“ im Palais.

Am 13. September 2020 waren wir im Rahmen des Diakoniesonntags zu Gast in der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Seggebruch zu Ga...
16/09/2020

Am 13. September 2020 waren wir im Rahmen des Diakoniesonntags zu Gast in der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Seggebruch zu Gast, um unser Projekt vorzustellen.

Claudia Reinhardt ist im Autohaus die Assistentin der Geschäftsführung und hat Jafari und Allahrami von Anfang an bei An...
01/09/2020

Claudia Reinhardt ist im Autohaus die Assistentin der Geschäftsführung und hat Jafari und Allahrami von Anfang an bei Anträgen und Ämtergängen unterstützt und begleitet: „Ich habe auch die Vollmacht der beiden, um mit den Anwälten kommunizieren zu können und Akteneinsicht zu haben. Bei all den Anträgen und rechtlichen Vorgängen, ist es gar nicht leicht, den Überblick zu behalten. Auch bei der Wohnungssuche, den Anträgen auf Arbeitserlaubnis beim Asylamt oder bei der Bezuschussung zu Habibs Führerschein haben wir unterstützt. Wir sind ein kleiner Familienbetrieb - wir helfen uns auch außerhalb der Arbeit.“ Habib Allahrami und Soltan Jafari nicken zustimmend: „ Unsere Zukunft ist ungewiss. Aber wir sind sehr, sehr dankbar für die Unterstützung, die wir hier erfahren. Wir werden hier gut behandelt. Wir würden gerne bleiben.“

Soltan Jafari und Habib Allahrami sind beide 21 Jahre alt und sind beide Ende 2015 aus Afghanistan nach Deutschland geko...
01/09/2020

Soltan Jafari und Habib Allahrami sind beide 21 Jahre alt und sind beide Ende 2015 aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Ihre Wege kreuzten sich schon, bevor sie in der Werkstatt vom Autohaus Schöttelndreier ein einjähriges Praktikum als „Einstiegsqualifizierungsmaßnahme“ absolvierten. Soltan Jafari hatte seinem Freund Habib von der Arbeit erzählt und ihm die Stelle empfohlen.
„Unsere Firma ist bekannt dafür, Praktika zu vergeben. Wir bekommen hier auf diese Weise einen guten Querschnitt der Gesellschaft mit. Das Engagement der beiden Jungs war deutlich höher, als wir das sonst bei Praktikanten gewohnt sind. Sie waren sehr interessiert, waren immer pünktlich und auch die sprachliche Barriere war recht schnell überwunden. Die täglichen Gespräche in der Werkstatt mit den anderen Mitarbeitern waren ein gutes Training“, berichtet Christian Hasper, Werkstattleiter und Betreuer von Soltan Jafari und Habib Allahrami.
Nach dem erfolgreich absolvierten Praktikum, bekamen die beiden ein tolles Angebot: Habib Allahrami ist inzwischen im zweiten Jahr seiner Kfz-Mechatronikerausbildung und auch Soltan Jafari hat das Angebot angenommen, weiter in der Werkstatt zu arbeiten und das Mitarbeiterteam der Mechatroniker zu unterstützen. „Wir freuen uns jeden Tag, hier zur Arbeit kommen zu dürfen. Alle sind hier so nett zu uns, haben Verständnis und sind hilfsbereit - auch bei Problemen außerhalb der Arbeit. Hier habe ich das Gefühl ‚gleich‘ zu sein“, erzählt Habib Allahrami. Seit seiner Flucht nach Deutschland hat er seine Familie weder gesehen noch gesprochen. „Ich komme aus einem kleinen Dorf in den Bergen Afghanistans, es hat keine Adresse, wie man das hier kennt. Auch Telefon und Internet gibt es dort nicht“, sagt der junge Mann mit wankender Stimme. Sein Freund Soltan hat da mehr Glück: „Ich kann Kontakt mit meiner Familie halten. Natürlich würde ich mir wünschen, dass sie auch hier her kommen könnten. Aber es ist ja noch nicht einmal sicher, ob ich überhaupt hier bleiben kann.“ Afghanistan gilt als „sicheres Herkunftsland“. Auch ein Arbeits- und Ausbildungsplatz sichert den „Anspruch auf Duldung“ hier in Deutschland für die beiden nicht. „Die Angst, wieder zurück zu müssen, schwebt die ganze Zeit wie eine dunkle Wolke über uns. Ein Freund von mir ist erst letztens abgeholt und wieder abgeschoben worden. Auch er hat eine Ausbildung gemacht. Er war schon im dritten Lehrjahr“, berichtet Soltan Jafari.

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