17/12/2020
Wir freuen uns sehr über die wunderbare Rezension unseres Weihnachtskonzert-Streamings von Klaus Ackermann!
WEIHNACHTEN IN SCHÖNEN TÖNEN
Konzertfilm des Capitol Symphonie Orchester hatte Premiere – Ab Heiligabend jedermann zugänglich
Von Klaus Ackermann | Offenbach Post
Offenbach – Aus der Not eine Tugend zu machen, darin hat das Capitol Symphonie Orchester mittlerweile Übung. Traten die Offenbach-Sinfoniker dem vermaledeiten Corona-Virus schon im Sommer mit einer umjubelten Parkplatz-Serenade entgegen, so hebelten sie jetzt das Auftrittsverbot mit einem Konzertfilm aus. Das beliebte Offenbacher Weihnachtskonzert hatte als wahrlich gelungenes Streaming am Sonntag Premiere für Abonnenten, Karteninhaber und Freunde des Capitol Theater Offenbach. Ab Heiligabend ist es für jedermann freischaltbar.
Altes und Neues, Vertrautes und Ungewöhnliches in stringenter musikalischer Dramaturgie: Der Konzertfilm trägt glasklar die Handschrift des Offenbacher Kulturchefs Ralph Philipp Ziegler, Mitgründer des Capitol Symphonie Orchesters. Im Programm ist der musikalische Allrounder sogar als Weihnachtslied-Arrangeur vertreten.
Zum festlichen Entree wird hier das Vorspiel zu „Hänsel und Gretel“, der Märchenoper schlechthin von Engelbert Humperdinck. Dabei schaut der Kameramann aus dem perfekt arbeitenden Aufnahmeteam um Tim Seger und Jochen Röth (Ton) gleichsam mit den Augen des Konzertbesuchers. Vom Dirigenten, dem international erfahrenen Wahl-Offenbacher Roland Boer, der die Capitol-Sinfoniker mühelos auf Betriebstemperatur bringt, schwenkt die Kamera aufs Orchester und zu den einzelnen Solisten.
Spannend auch, wie die Komponisten bei den sattsam bekannten Weihnachtsliedern romantischer Süße gegensteuern. Unverdächtig ist hier der Choral „Macht hoch die Tür“ im Orchesterarrangement des Steven Lloyd-Gonzalez, bei dem man unwillkürlich innerlich mitsingt. Frank Heckel etwa inszeniert bei „Kommet, ihr Hirten“ einen herrlichen orchestralen Auftrieb. Während die Arrangeure beim Friedrich-Silcher-Titel „Alle Jahre wieder“ auch mit Kontrapunkten jonglieren.
Erst im wundersamen Glitzersound von Streichern und Celesta, dann als raffiniert klanglich ummanteltes Holzbläser-Solo wertet Frank Heckel einen weiteren Bestseller auf – „Süßer die Glocken nie klingen“. Merke: Beim Weihnachtslied werden auch harte Modernisten weich. Zieglers Arrangement von „Leise rieselt der Schnee“ kommt mit ausgeklügelter Harmonik daher. Lieder von Peter Cornelius, mit weihnachtlichem Hintergrund und von Marco Jovic orchestriert, singt Bariton Hans Christoph Begemann mit ausdrucksstarker Stimme. Zudem die anrührende „Weihnachtslegende“, ein typisches Ziegler-Fundstück. Stammt sie doch von Alexander Friedrich Landgraf von Hessen (1863-1945).
Zu den auffälligen Programmpunkten zählt Rolf Rudins „Rosa Mystica“, klangliche Meditation über „Es ist ein Ros‘ entsprungen, eine wundersame Impression mit reizvollen harmonischen Wendungen. Ebenfalls ein zeitgenössischer Komponist ist Patrik Bishay, der „Die Geschichte vom Weihnachtsstern“ des Offenbacher Schriftkünstlers Rudolf Koch vertonte. Koch hat diese Weltreise der Heiligen Drei Könige mit Ziel im eisigen Norden auch im Scherenschnitt verewigt, dessen scharfe Kontraste die Musik des Neutöners bestimmen. Sinfonische Prosa also, zwischen erlesener klanglicher Chemie und hartem orchestralen Einsatz, mit der Schauspielerin Andrea Kathrin Loewig als eindrücklicher Sprecherin.
Weitere klingende Geschenke sind die drei Stücke aus Tschaikowskys Nussknacker-Suite. Beim beschwingt abgezogenen Blumenwalzer des abendfüllend perfekt intonierenden Capitol Symphonie Orchesters fiel der Übergang zum daheim final kredenzten Pausenwein nicht schwer.
Ab Heiligabend für alle unter www.offenbach.de/kultur
Tausend Dank unserer HeimatStadt Offenbach, dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain und der Kulturstiftung der Sparkasse Offenbach