13/06/2026
Painata beziehungsweise Paiñata aus Bochum
Party Death Metal, Erdbeerkuchen, Bobbycar und aufblasbare Abrissgeräte im Moshpit
Es gibt Bands, die spielen Konzerte.
Und dann gibt es Painata beziehungsweise Paiñata.
Das ist keine normale Band. Das ist eher ein musikalischer Gefahrguttransport aus Bochum, der aus Versehen auf eine Bühne gerollt ist, dort einen Verstärker gefunden hat und seitdem versucht, mit Death Metal, Party Wahnsinn und aufblasbarem Moshpit Spielzeug die Menschheit gleichzeitig zu unterhalten und zu verwirren.
Painata kommen aus Bochum und nennen ihren Stil selbst Party Death Metal. Und ganz ehrlich: Mehr muss man eigentlich fast nicht wissen. Das ist schon die komplette Bedienungsanleitung. Death Metal für den Nacken. Party für den Restkörper. Und irgendwo dazwischen fliegt ein aufblasbarer Kaktus durch den Pit, während jemand auf einem Bobbycar über die Bühne ballert und ein anderer Mensch im Publikum vermutlich gerade denkt: Habe ich das wirklich gesehen oder war der letzte Erdbeerkuchen schlecht?
Gegründet haben sich Painata laut eigener Aussage 2021 aus Corona Langeweile heraus.
Andere Leute haben in dieser Zeit Sauerteig angesetzt, Puzzle gekauft oder angefangen, ihre Gewürzschublade alphabetisch zu sortieren. In Bochum hingegen dachten sich ein paar Menschen offenbar: Komm, wir bauen eine Death Metal Band, aber so, dass am Ende niemand mehr weiß, ob das gerade ein Konzert, ein Kindergeburtstag für Erwachsene oder ein sehr lauter Betriebsausflug in die Klapsmühle war.
Und zack.
Painata war da.
Die Band selbst beschreibt ihre Mission ungefähr so: In der kriegsverseuchten Wüste des Death Metal soll eine Festung der guten Laune entstehen. Befreit von Geschmack, Anstand und Manieren. Ein Lichtblick in trüben Zeiten. Groß. Spritzig. Fesch. Nicht aufzuhalten.
Und wenn eine Band so etwas über sich selbst schreibt, dann weiß man direkt: Diese Menschen haben entweder einen sehr guten Humor oder dürfen in normalen Wartezimmern nicht mehr unbeaufsichtigt sitzen.
Wahrscheinlich beides.
Musikalisch geht es bei Painata trotzdem nicht um Kindergeburtstag mit Blockflöte. Hier wird nicht vorsichtig an der Kuschelgitarre gezupft, während jemand über Gefühle im Sonnenuntergang singt. Nein. Hier gibt es Death Metal, Slam, Brutal Death Metal Druck, Groove, Geballer, Gebrüll und diese herrlich schwerfälligen Abrissmomente, bei denen der Nacken kurz beim Amtsgericht einen Eilantrag auf Schonung einreichen möchte.
Aber genau da kommt der Unterschied.
Painata machen nicht diesen bierernsten Kellerblick Death Metal, bei dem alle so aussehen, als hätten sie gerade erfahren, dass im Backstage nur stilles Wasser steht. Painata bringen Humor rein. Chaos. Publikum. Quatsch. Show. Farbe. Durchgedrehte Energie. Die Band nimmt die Musik ernst genug, damit es ordentlich scheppert. Aber sie nimmt sich selbst nicht so ernst, dass man beim Zuschauen einschläft oder Angst hat, aus Versehen zu freundlich zu gucken.
Und genau das macht diese Band so stark.
Die aktuelle Veröffentlichung von Painata ist The Longplayer EP aus dem Jahr 2023. Und schon beim Blick auf die Songtitel weiß man sofort, dass hier keine normale Death Metal Selbsthilfegruppe am Werk ist.
Die Songs heißen Erdbeerkuchen, Cocktailpower, Mousetache, Painata, Platz da, ich will moshen!, Takeshi Blaster und Warass and Goremit, bei dem Marvin von We Awake noch als Gast mit rein eskaliert.
Allein diese Titel klingen, als hätte jemand eine Death Metal Setlist geschrieben, während im Hintergrund ein Grill explodiert, ein Planschbecken ausläuft und jemand mit einem Cocktail Schirmchen versucht, einen Circle Pit zu eröffnen.
Erdbeerkuchen?
Ja, natürlich.
Warum auch nicht?
Im Death Metal wurde schon über alles gesungen. Eingeweide, Dunkelheit, Verfall, Dämonen, Weltuntergang, Blut, Schmerz und sonstige Dinge, die man nicht unbedingt auf eine Hochzeitseinladung drucken würde. Da darf Bochum auch mal Erdbeerkuchen in den Ring werfen. Und wenn Painata Erdbeerkuchen sagen, klingt das eben nicht nach Oma Hildegard am Sonntagnachmittag. Es klingt eher nach: Jemand hat Sahne, Blastbeats und einen Betonmischer in denselben Proberaum gestellt.
The Longplayer EP zeigt genau diese Mischung: brutal genug für die Death Metal Fraktion, bekloppt genug für alle, die bei einem Konzert nicht nur nicken, sondern auch leben wollen. Das Ding hat Druck, es hat Witz, es hat Groove und es hat diesen Charme von: Wir wissen ganz genau, was wir tun. Aber wir tun trotzdem so, als hätte uns niemand aufgehalten.
Und live wird das Ganze offenbar noch eine ganze Schippe bescheuerter.
Bei Painata fliegt alles durch die Gegend, was man aufblasen kann und was nicht bei drei vom Sicherheitsdienst einkassiert wurde. Aufblasbare Gummiknüppel, aufblasbare Kakteen, aufblasbare Regenbogeneinhörner, aufblasbare Bälle, aufblasbare Morgensterne, aufblasbare Knüppel und vermutlich irgendwann auch ein aufblasbarer TÜV Prüfer, der nach drei Songs freiwillig kündigt.
Das Publikum wird nicht nur beschallt. Das Publikum wird eingebunden. Oder sagen wir es klarer: Das Publikum wird Teil des kontrollierten Kontrollverlusts.
Da wird nicht einfach nur ein Song gespielt. Da wird eine Stimmung gezündet. Da wird der Moshpit zum Spielplatz für Erwachsene, die ihre innere Vernunft am Eingang abgegeben haben. Da ballert ein Bobbycar über die Bühne, während irgendwo ein Riff einschlägt und man sich fragt, ob man gerade bei einem Death Metal Konzert ist oder bei der gefährlichsten Version von Wetten, dass..? aus dem Ruhrpott.
Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, an dem AbiTV, Night of Evil und Diese Abi’s ins Spiel kommen.
Denn wenn irgendwo eine Band existiert, die Death Metal mit kompletter Live Eskalation, aufblasbarem Chaosmaterial, Bobbycar Energie und Ruhrpott Humor mischt, dann ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Carsten Abi und Abi Denis irgendwo aus einem Gebüsch fallen und rufen: Moment mal, das ist doch genau unser Schwachsinnsgebiet!
Und genau so fühlt es sich an.
Painata und Diese Abis sind nicht dieselbe Band. Aber sie wohnen offensichtlich im selben geistigen Abrisscontainer. Beide haben diesen Hang dazu, Metal nicht nur als Musik, sondern als komplette Realitätsstörung auf zwei Beinen zu verstehen. Bei Painata heißt das Party Death Metal mit aufblasbarem Moshpit Unfug. Bei Diese Abi’s heißt das Extrem Comedy Metal, Festivalwahnsinn, Bier, Grill, Panda, Affe und Situationen, bei denen normale Menschen sofort den Gruppenchat verlassen würden.
Kurz gesagt: Das passt viel zu gut zusammen, um ungefährlich zu sein.
Letztes Wochenende auf dem RAGE AGAINST RACISM Festival kam es dann zum ersten größeren Zusammentreffen. AbiTV und Night of Evil waren vor Ort und einige Leute von Painata liefen uns über den Weg. Was zunächst wie ein normales Gespräch unter Musikmenschen hätte beginnen können, entwickelte sich natürlich sehr schnell in eine Richtung, bei der man im Nachhinein froh ist, wenn niemand eine Schadensmeldung ausfüllen musste.
Es wurde gelacht.
Es wurde gequatscht.
Es wurde sich gegenseitig mit irgendwelchen lustigen Sachen beklebt.
Es wurde Festival Unsinn betrieben.
Und irgendwann war da eine Kinderrollenrutschebahn.
Natürlich war da eine Kinderrollenrutschebahn.
Denn wenn Diese Abi’s und Painata auf einem Festivalgelände denselben Quadratmeter betreten, ist es völlig logisch, dass kurze Zeit später erwachsene Männer auf Spielplatzgerät herumeskalieren, während irgendwo im Hintergrund vermutlich jemand denkt: Dafür haben wir keine Versicherungskategorie.
Die Rutsche wurde dann auch nicht einfach benutzt. Nein. Sie wurde offiziell in den Bereich Metal Sportgerät aufgenommen. Disziplin: betreutes Runterbrettern mit Restwürdeverlust. Wertungskriterien: Geschwindigkeit, Blödsinnsfaktor, Gesichtsausdruck und ob danach noch jemand weiß, warum man ursprünglich überhaupt dort hingegangen ist.
Und genau solche Momente sind es, die zeigen, warum Painata so gut funktionieren.
Diese Band wirkt nicht aufgesetzt. Nicht künstlich. Nicht wie ein Marketing Gag, der in einer Agentur mit zu viel Mate Tee erfunden wurde. Painata wirken wie echte Menschen mit echtem Bock auf Musik, Publikum, Quatsch und Abriss. Menschen, die harte Musik lieben, aber trotzdem verstanden haben, dass ein Konzert auch Spaß machen darf. Und zwar nicht so ein bisschen netter Spaß mit höflichem Klatschen. Sondern richtig. Mit Lachen, Bewegung, Unsinn, Moshpit, Chaos und dem Gefühl, dass man gerade etwas erlebt, was man nicht erklären kann, ohne dabei selbst bescheuert auszusehen.
Und genau das ist für die Szene wichtig.
Denn natürlich brauchen wir harte Bands. Wir brauchen finstere Bands. Wir brauchen technische Bands. Wir brauchen Bands, die klingen, als würde eine Abrissbirne einen Kühlschrank heiraten. Aber wir brauchen eben auch Bands wie Painata. Bands, die Farbe in den Abend bringen. Bands, die das Line Up auflockern, ohne musikalisch weich zu werden. Bands, die das Publikum wachrütteln und sagen: So, genug ernst geguckt. Jetzt kreist erstmal der aufblasbare Morgenstern.
Painata sind nicht einfach nur ein weiterer Name auf einem Flyer.
Painata sind dieser Moment im Line Up, bei dem die Leute hinterher sagen: Was war das denn bitte? Und warum war das so unfassbar geil?
Genau solche Bands bleiben hängen.
Nicht, weil sie versuchen, möglichst angepasst zu sein. Sondern weil sie ihr eigenes Ding machen. Schmerzfrei, sympathisch, laut, bunt, bescheuert und trotzdem mit genug musikalischem Druck, dass man danach weiß, wo der Nacken sitzt.
Und es geht weiter.
Painata sind aktuell wieder im Studio und arbeiten an einer neuen EP. Konkrete Details dazu gibt es noch nicht, aber allein diese Information reicht schon, damit irgendwo in Bochum ein Bobbycar nervös in der Ecke steht und auf seinen nächsten Einsatz wartet. Wenn The Longplayer EP schon so viel Party Death Metal Irrsinn geliefert hat, darf man gespannt sein, was als Nächstes aus dieser Ruhrpott Abrissküche serviert wird.
Vielleicht mehr Erdbeerkuchen.
Vielleicht mehr Cocktailpower.
Vielleicht etwas, das man erst versteht, wenn man von einem aufblasbaren Kaktus getroffen wurde.
Wir wissen es noch nicht.
Aber AbiTV bleibt dran.
Und wir freuen uns jetzt schon komplett auf das kommende Interview mit Painata. Wobei das Wort Interview vielleicht ein bisschen optimistisch ist. Ein Interview klingt nach Stühlen, Fragen, Antworten und einer halbwegs stabilen Gesprächsstruktur. Bei Painata und AbiTV kann daraus aber auch sehr schnell eine audiovisuelle Gefahrenlage werden.
Carsten Abi stellt eine Frage.
Abi Denis versucht, seriös zu wirken.
Irgendwer erwähnt Erdbeerkuchen.
Ein Bobbycar rollt durchs Bild.
Ein aufblasbares Einhorn wird zum journalistischen Hilfsmittel erklärt.
Und am Ende weiß keiner mehr, ob gerade eine Bandvorstellung, ein Festivalbericht oder eine neue Sportart entstanden ist.
Also eigentlich genau richtig.
Und jetzt mal ganz klar an alle Veranstalterinnen und Veranstalter:
Wenn ihr eine Band sucht, die Death Metal kann, aber nicht aussieht, als hätte sie den Humor im Proberaum eingeschlossen, dann bucht Painata.
Wenn ihr eine Party Death Metal Band sucht, die mit Druck, Spaß, Publikumskontakt und völlig bekloppter Live Energie euer Line Up auf links dreht, dann bucht Painata.
Wenn euer Festival noch diesen einen Programmpunkt braucht, bei dem alle danach mit leuchtenden Augen und leichter Verwirrung sagen: Ich weiß nicht, was passiert ist, aber ich will das nochmal sehen, dann bucht Painata.
Diese Band gehört auf Bühnen. Auf Festivals. In Clubs. In Line Ups, die nicht nur brutal, sondern auch unvergesslich sein wollen. Painata heben sich von vielen anderen Death Metal Bands ab, weil sie nicht nur hart sind, sondern auch diese absurde, sympathische, bunte Eskalation mitbringen, die einen Abend besonders macht.
Und ganz ehrlich: Genau sowas braucht die Szene.
Mehr Bands, die sich trauen, anders zu sein.
Mehr Death Metal mit Charakter.
Mehr Ruhrpott Wahnsinn.
Mehr aufblasbare Kakteen.
Mehr Bobbycar.
Mehr Erdbeerkuchen im Moshpit.
Böse Zungen behaupten übrigens, dass Diese Abi’s und Painata irgendwann mal gemeinsam etwas auf die Beine stellen sollten. Konzertmäßig. Festivalmäßig. Bühnenabrissmäßig.
Wir sagen dazu nur: Ja. Aber danach bitte keine Garantie mehr auf Ordnung, Bühnenstatik, normale Erinnerungsfotos, funktionierende Rutschenbahnen oder Menschen, die noch erklären können, was sie da gerade gesehen haben.
Denn wenn Diese Abi’s und Painata an einem Abend aufeinandertreffen, dann ist das nicht einfach ein Konzert.
Das ist ein kultureller Ausnahmezustand mit Verstärkern.
Das ist ein Festivalmoment, bei dem sogar der Bierstand kurz fragt, ob alles noch legal ist.
Das ist eine Mischung aus Party Death Metal, Extrem Comedy Metal, Ruhrpott, Bobbycar, Einhorn, Grillgeruch, Moshpit und der leisen Ahnung, dass irgendein Veranstalter gerade nervös in seine Versicherungsunterlagen schaut.
Painata beziehungsweise Paiñata aus Bochum sind laut, brutal, sympathisch, bekloppt und genau deshalb so verdammt interessant.
Eine Band für alle, die Death Metal lieben, aber zwischendurch auch mal lachen wollen.
Eine Band für alle, die beim Konzert nicht nur die Arme verschränken, sondern mit reingezogen werden wollen.
Eine Band für alle, die wissen: Manchmal ist der beste Moment des Abends genau der, den man vorher unmöglich planen konnte.
Painata findet ihr hier:
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https://linktr.ee/painata
Bandcamp:
https://painata.bandcamp.com
Instagram:
painata_deathparty
Facebook:
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AbiTV und Night of Evil sagen:
Mehr davon.
Mehr Chaos.
Mehr Party Death Metal.
Mehr Bochum.
Mehr Erdbeerkuchen.
Mehr aufblasbare Abrissgeräte im Moshpit.
Painata, wir sehen uns bald im Interview.
Und diesmal bringen wir vorsichtshalber Knieschoner, Warnweste, Rutschenbahn Führerschein und einen Ersatzkaktus mit.