01/06/2026
Die alte Bibel
Gedicht von Johann Gottlieb Zeidler, 1708
Ein lauscher Händler
Verkauft sie einem alten Bauer
Da wird sie liederlich zerrissen
Von Fliegen um und um beschissen
Die Mäuse frassen ab die Schal
Die Bretter wurden blos und kal
Und endlich ganz entzweigebrochen
Von Würmern durch und durch gestochen
Und ein halb tausend Esels Ohren
Da eins ins andere war gebogen
Fand man daselbst (hab nicht gelogen)
Es hat manch Blatt wohl zehn Schlitz
Die Vögel hatten ihren Sitz
Gehabt lange auf der armen Bibel
Mit weissem Kot besudelt übel
Ein grosser Ölfleck war in der Mitt
Eine ganze Lampe drauf geschütt
Haupthaare, Stroh und Wollenfasern
Gedörrte Pöppel aus den Nasen
Tote Fliegen und Mücken klein
Gequetschte Spinnen, Kankerbein
Stecknadeln, Schuppen aus dem Kamm
Das alles fand man hier zusamm
Viel Blümlein waren drin verstreut
Violenblätter ausgebreit
Viel Leinwandflecken, Seidenband
Und kleine Zettel man da fand
Gedruckte Lieder, anders meh
Auch breitgeknickte Läus und Flöh
Hab alle Blätter umgewand
Sie ausgebürstet und verglichen
Die Eselohren ausgestrichen
Gebügelt mit dem Eisen heiss
Und überall geflickt mit Fleiss
Geheftet, beschnitten und gebunden
Verkleistert alle alten Wunden
Und sie dermassen zugerichtet
Dass sie nunmehr nicht scheut das Licht
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Wenn mein geschätzter Oberlehrling Daniel Berthoud dann noch das passende Gedicht zu dem kompletten Buchschmuck-Satz liefert, und beides zum Objekt passt, macht es Spass!
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