Sie hat die Premiere des Dramas RUTHLESS im Mai 2025 in London durchgeführt und ist in Vorbereitung von www.OUT-OF-ORDER.Theater. Publiziert in ‘THEATER ZYTIG’, November 2020
Von Hollywood in die Schweiz:
Das Making der brandaktuellen Theater-Farce «WIN=WIN»
Was macht ein Film-Regisseur/Produzent/Drehbuchautor waehrend des Covid-19-Lockdowns? Er kann sich überlegen, wie er eine ‘Message’ in a
nderer Form zum Publikum bringt, wie im Theater. Denn Dreharbeiten sind seit Frühling 2020 restriktiert, überall, und vor allem in USA’s Hollywood. Wenn man überhaupt drehen kann, wird es mit den vorgeschrieben benötigten Medizinern teuer (boese Zungen behaupten, dass es von denen mehr am Set hat als Schauspieler). Nun genauso ging es dem Zürcher Roger Steinmann (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Steinmann) im letzten Frühling. Die Dreharbeiten an Steinmann’s internationalem Kino-Spielfilm ‘PhonY’ (siehe www.PhonY.Film) wurden von der Corona-Panik überrollt. Der Dreh des abschliessenden Segmentes war bereits in Hollywood vorbereitet; Arnold Schwarzenegger war als Ersatz für den überraschend verstorbenen Burt Reynolds für die männliche Hauptrolle, sowie Elke Sommer und Barbara Carrera für die weiblichen, vorgesehen. Aber Ende Februar kam ja bekanntlich sehr schnell anders – und die Dreharbeiten mussten jäh abgesagt werden. Roger Steinmann hat nach vorne geschaut und initiativ den Lockdown seines Filmes mit der Kreation eines Theaterstückes überbrückt. Er wollte jedoch etwas aktuelles als Thema – bei ‘Phony’ war es ja auch so, da wird die alltägliche Handy-Phon(y)’ Manie auf die Schippe genommen. Ist das Thema des neuen Theater-Stücks ‘Corona’? Nun, da urplötzlich die gesamte Menschheit den Namen des bekannten Bieres kennt, ist dieses Thema doch eine Schnapsidee – und mittlerweile ist die Welt davonschon so vollgetrunken, dass es etwas Subtileres brauchte. Das psychologisch aufwuehlendere Alltags-Thema, von dem das alltaegliche Leben eines jeden betroffen sind, ist doch Social Distancing. Roger Steinmann hat seit vergangenen April diverseste weltweit verstreute Freunde ueber dieses Thema befragt. Ergebnis: Das Misstrauen zum Gegenueber hat sich ungemein verstaerkt. Wir alle kennen Beispiele von vernuenftiger Handhabung von Social Distancing, dann aber sicher auch von missbräuchlichen und übertriebenen - die Farce-Komoedie betitelt ‘WIN=WIN’ war geboren. Um was geht es in diesem Stück? Es geht um die psychischen Auswirkungen des durch die Pandemie-Panik angefeuerten zwischenmenschlichen Misstrauens. Dieser Aspekt im sozialen Leben ist zweifellos ein zeitloses Thema. Der Autor denkt auch, dass nach der Corona-Panik von einer anhaltenden Verstärkung des allgemeinen Misstrauens sowie Zurückhaltung im Zwischenmenschlichen auszugehen ist. Entsprechend kann von einer länger anhaltenden Aktualität des Social Distancing ausgegangen werden. Und genau darum sollte dieses auch naeher angeschaut werden, verpackt in einer unterhaltsamen Komoedie, oder genauer, Farce. Hatte der Autor Vorbilder zum Thema? Exakte inhaltliche Vorbilder gibt es ja wegen der Aktualitaet kaum. Aber Vorbilder des Stils schon. Hier war Steinmann sehr dezidiert. Als Vorbilder hat er nicht weniger als die Qualitaet der beiden quirlig-überbordenden, klassischen Screwball-Komödien «The Seven Year Itch» («Das verflixte siebente Jahr»; verfilmt 1955), sowie «Le Diner de Cons» («Dinner für Spinner»; verfilmt 1998) im Auge. Dies waren ja ursprünglich beides personell recht limitierte Theaterstücke. Sehr erfolgreiche Stücke, welche landauf landab immer noch gespielt werden. Das erstere wurde uebrigens vom Mentor und persoenlichen Bekannten Steinmann’s, von Billy Wilder, inszeniert. Wie wurde das Thema des Social Distancings angepackt? Social Distancing wird anhand zweier extremer Lebensweisen behandelt: die eines lebensfrohen, offenen, spontanen, und extrovertierten, sowie im strengen Kontrast dazu die eines verklemmten, bedachten, geregelten, und introvertierten Charakters. Die beiden Hauptpersonen sind die unbekümmerte, liberale, hedonistische Physiotherapeutin, und der über-regulierte, risikoaverse, eigenbrötlerische, konservative Verfassungs-Jurist. Diese beiden starken Figuren reagieren ganz unterschiedlich auf die heutigen Einschränkungen im Leben, vorab der des Social Distancings. Wie ist WIN=WIN konzipiert? Das Stueck spielt mit der unüblichen Konzeption einer zweigeteilten Bühne. Da beide Haupt-Protagonisten als Nachbarn auf der zweigeteilten Buehne zeitgleich sichtbar sind, werden deren unterschiedliche Ansichten zum denselben Handlungspunkt auf komische Weise kontrastiert. Die hälftige Trennung in der Mitte ist jedoch, wegen der besserer Sichtbarkeit des Zuschauers, nicht vorhanden. Die Regie soll bewusst mit dieser Raumanordnung spielen. So zum Beispiel, wenn beide Protagonisten jeweils über den anderen sprechen: Wegen der nicht vorhandenen Raumtrennung agieren sie, wie wenn sie sich praktisch in die Augen blickten – was sie ja effektiv wegen der nichtigen Trennwand auch tun. Ist WIN=WIN ein zwei Personen-Stueck? Jein. Es geht hauptsaechlich um die beiden Hauptfiguren. Aber fuenf andere Personen spielen auch mit – diese kurzen Rollen koennen die beiden Haupt-Personen auf der Buehne aktiv unterstuezten; jedoch denkbar waeren diese auch nur als ‘Off‘-Stimmen. WIN=WIN eignet sich fuer eine Theatergruppe mit mindestens zwei starken Schauspielern. Diese beiden Rollen sind jedoch so ausgelegt, dass alle sie fuer alle Altersstufen, zwischen Ende Zwanzig und rüstiges Alter, und in verschiedenen Variationen, funktionieren; ein beträchtlicher Altersunterschied zwischen den Beiden wäre sogar noch von komischem Vorteil. Was ist der aktuelle Status von WIN=WIN? Durch Steinmann’s Filmkontakte hat Didi Hallervorden (Schlosspark Theater Berlin) schon frueh Wind vom Stueck gekriegt und es gerade nach Fertigstellung zum Lesen gewuenscht (bei Redaktionschluss ist seine Stellungsnahme noch nicht vorliegend). Steinmann hat das Stueck gleich selbst ins Englische adaptiert – seine Filmkontakte laesst er auch fuer’s Theater spielen. Dann ist auch die franzoesische Adaption fuer die Theater-Szene in Paris in der Pipeline. Mehr zu finden ist auf: Wikipedia / Roger Steinmann / PhonY.Film