31/01/2021
Ich freue mich über das Erscheinen meines Buches working on art – Interviews mit bildenden Künstlerinnen.
Künstler*innen sind Menschen, die ihre Arbeit selbst erfinden. Welchen Bedarf sehen sie an Kunst in der Gesellschaft? Wie denken sie über die Wirksamkeit von Kunst? In wieweit fließen aktuelle gesellschaftliche und globale Entwicklungen in die Themen ein, mit denen sich Künstler*innen 2020 auseinandersetzen? Diese Fragen bewogen mich als bildende Künstlerin dazu, ein Projekt wieder aufzugreifen, das 1997 begonnen hatte und Künstlerinnen mit Begriffen aus dem Wirtschafts- und Arbeitsleben nach den Hintergründen ihres künstlerischen Arbeitens (Inhalte, Motivation, Ziele) und nach ganz konkreten Aspekten (Produkte, Arbeitsprozesse, Leistung, Qualität, Effizienz) befragt.
„Welche Leistung bieten Sie mit Ihrer künstlerischen Arbeit an?“ ist vielleicht die zentrale Frage dieser Interviews, denn sie führt dazu, über die Funktion von Kunst in der Gesellschaft zu sprechen. Welche Rolle spielt Kunst in der Gesellschaft und wieso brauchen wir überhaupt Kunst? Wo sind die Grenzen der Wirksamkeit von bildender Kunst?
Für Künstlerinnen habe ich mich entschieden, da es, wenngleich sich die Situation auf dem Kunstmarkt für Künstlerinnen begonnen hat zu verändern, immer noch ein Defizit an Information über Kunst von Künstlerinnen gibt. Dabei war mein Ansinnen, ein breites Spektrum an Künstlerinnen aus unterschiedlichen Sparten der Bildenden Kunst auszuwählen. Von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördert, habe ich Künstlerinnen interviewt, die in Sachsen, sowie Halle und Erfurt leben oder einen Arbeitsbezug zu Sachsen haben.
„In erster Linie ist Gabriele Lucie Freudenreichs Ziel …, ein möglichst umfassendes und zugleich detailliertes Bild von „Kunst als Arbeit“ zu zeichnen. Mit Hilfe ihrer Fragen und der Antworten der Künstlerinnen unternimmt sie den Versuch, das Arbeiten an Kunst … möglichst umfassend und zugleich detailreich abzubilden und aus vielen … Perspektiven zu erfassen. Wie eine Bildhauerin modelliert sie an einer „Begriffsskulptur“, nur dass ihre Werkzeuge nicht Hammer und Meißel, sondern Fragen sind. Sie steckt ab, fragt nach, arbeitet heraus, modelliert, verfeinert, feilt, schleift. Es ist der Versuch, etwas, über das nie alles gesagt werden kann, das nie eine endgültige, abgeschlossene Form haben wird, zumindest für einen Moment zu erfassen, bevor es wieder entwischt und sich verändert. Man könnte das immaterielle Produkt von Freudenreichs Arbeit als ein multiperspektivisches, intrasubjektives Gedankenkonstrukt bezeichnen, als eine immaterielle, abstrakte Skulptur des „Kunstschaffens“, die ständig ihre Form wechselt, erweitert, verändert und sich im Geist jedes einzelnen Lesers individuell materialisiert, nur um sich im nächsten Satz wieder aufzulösen und in anderer Form zu rematerialisieren.“ (Clara Kaufmann, 2020)
Das Buch wird vom Künstlergut Prösitz herausgegeben und konnte mit der Förderung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen 2019/2020 realisiert werden.