Das schikaneder gibt es als Kino bereits seit 1906. Damit ist es neben den Breitenseer Lichtspielen das älteste Kino Wiens. Neues Leben wurde den alten Gemäuern allerdings 1997 mit der Übernahme durch Johannes Wegenstein eingehaucht. Die Umwidmung des benachbarten Möbelgeschäftes in eine Club-Bar samt der Verbindung mit dem Kino war eines der ersten HYBRID-Konzepte Wiens und sollte sich zu einem F
ixstern der Wiener Clubkultur entwickeln. Schnell wurde das schikaneder mit seiner 'ungemütlichen' aber Aufriss-technisch höchst erfolgreichen Hochbank neben der langgestreckten, engen Bar über die Grenzen Wiens und Österreichs hinaus bekannt - zu einer Zeit da in Wien die Gehsteige noch um zehn Uhr hochgeklappt wurden. Als Treffpunkt für Studierende, Künstler*innen, Hackler und Büro-Stuten hält sich das schikaneder bis heute trotz oder gerade wegen seiner Wandelbarkeit und bleibt hoffentlich weiterhin Heimat von Diskurs- und Tanzwütigen, Cineasten und Clubbern, DJs und Rausschmeißern. Prekär und zugleich hochkarätig zu sein, ist nicht nur für uns, sondern die Kunst im Allgemeinen ein unfreiwilliges Qualitätssiegel. Zu vermitteln zwischen Mainstream und Underground passiert nicht nur in der Darbietung selbst, sondern vor allem im regen Austausch darüber. Genau hierfür bietet das schikaneder einen sich stets wandelnden Rahmen. Es zeichnet sich seit seiner Gründung 1997 durch die Verschmelzung von BAR, CLUB und KINO aus und stellt ein niederschwelliges, weil seit jeher für Besucher*innen kostenlos erlebbares und damit alternatives Angebot zu größeren Clubs mit teils hohen Eintrittspreisen dar. Das schikaneder hat sich als offenes Experimentierfeld für Newcomer-Künstler*innen im Wiener Nachtleben etabliert. Häufig in Vinyl gehalten, spinnt sich der Sound vom kratzigen 7-Inch Soul bis hin zu Minimal, Elektro und Techno. Visuals werden im schikaneder nicht nur auf der Kinoleinwand kultiviert, sondern direkt im Club. VJs verwirklichen in einer Wohnzimmer-productions-Atmosphäre ihre
Visionen. Das schikaneder ist Heimat von Diskussion, Austausch, Performancekunst, Galerie. Interdisziplinär und vielseitig. Der schikaneder Club ermöglicht verbilligten Kunstgenuss. Bei uns wurden Djs groß, die später Clubgeschichte geschrieben haben. Bei uns tanzten Regisseur*Innen, aller Jahrgänge und das wollen wir auch weiterhin pflegen. Ein Sammelsurium der Zufälligkeiten. Nicht nur der geografisch zentral gelegenen Location wegen. Sondern auch der Belegschaft, der Aussteller, der Künstler, ihrer Booker und Verleger wegen. Eine große, bunte Familie, die im Moment auf der Straße steht. Das schikaneder ist Sprungbrett für erste Gigs an Turntables, als auch Bezugs- und Orientierungsraum für Resident-DJs, deren monatliche Auflegerei im schikaneder zu einem Bestandteil ihres Lebens (und ihrer Bilanz), wie jener ihrer Crowd geworden ist.