02/12/2025
Wo sich die Rundungen der Barmstoana ins Blaue wölben
Wir schreiben das Jahr 2025.
In einer Tennengauer Marktgemeinde sitzt Autorin J. in einem alten Bauernhaus und liest aus ihrem Erstlingswerk.
Hörte man Julia Jost ihren Roman „Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel
hinauf fletscht“ - ein Zungenbrecher, über den sich Moderatorin Conny Seiwald nur einmal
drüber trauen wollte - teilweise auf kärntnerisch vortragen, stellte sich zunehmend Begeisterung ein: dass sie sich ausreichend lange Zeit zum Verfassen gelassen und nur gefühlt zehn Seiten zu Papier gebracht hatte, um hinterher wieder 15 zu löschen. Und dass die Autorin nicht mehr so g´scheid rüberkommen wollte, wie sie zweifelsohne ist. Sehr kurzweilig erklomm man also mit ihr „zum Auslüften“ den Dobratsch im Nebel, beobachtete eine ins Chlorwasser verpflanzte Schleie, stöberte den großväterlichen Ungustl im privaten
Hinterzimmer eines Gasthauses auf und ertränkte eine Barbiepuppe dubioser Herkunft. Vor allem die Figur des Focknhockers amüsierte ungeachtet der Enthüllung, dass es sich um eine Wortschöpfung Josts für „Sauschneider“ handelt. Nur „Lillifee“ - eine vorübergehend ganz und gar terische Dame – überkam ausschließlich Mitleid, denn sie kriegte von der ganzen Darbietung nur mit, dass dem landwirtschaftlichen Kastrator vom grausamen Vater ein Finger abgehackt worden war. Ihr ohnehin nur augenzwinkerndes Bedauern, dass Jost das von der elfjährigen Erzählerin und ihrem Bruder am Berg angestimmte Lied nicht vorgesungen,
sondern lediglich -gesprochen hatte, durfte die Verfasserin dieser Zeilen beim gemütlichen Beisammensein umso eher äußern, als die Autorin dem neugierigen Publikum zuvor beteuert hatte, sie vertrage Kritik von Jedermann. Signieren und Widmen nahm Jost zum eigenen Gaudium so bierernst, als gelte es, ein neues Buch zu schreiben. Selbst die einmal mehr köstliche Jause (Genussdealer Hallein!) vermochte sie zur wachsenden Sorge der Veranstalterinnen um ihr Wohlergehen nicht abzulenken. Zeichnerisch verlieh sie trotz markenschutzrechtlicher Bedenken ihrem (hoffentlich) einzigen Kritikpunkt des Abends, nämlich der Abwesenheit aktiver Mitraucher, Ausdruck. An Passivrauchern, die der
Wahlwienerin in der sie überraschenden Kälte Gesellschaft leisteten, mangelte es hingegen
nicht. Dem Vernehmen nach soll dann aber doch noch Einer aus Solidarität zum
Gelegenheitsraucher mutiert sein.