Die Tankstelle wird dabei zum sozialen Ort und Treffpunkt für ein Fest des (letzten) Autos. Andrea Visotschnig, Cosima Terrasse und Veronika Hackl arbeiten seit 2017 im Kollektiv. Ihr Interesse liegt in kollaborativen Prozessen im städtisch-gemeinschaftlichen Raum und langfristigen künstlerischen Strategien außerhalb klassischer Institutionen. Juli 2020 ist an einer Tankstelle an der Triester Str
aße ein Radiosender zu empfangen, der nicht ganz ohne Störung ausgestrahlt wird. Während die Stammkund*innen wie gewohnt ihre Autos putzen und polieren, erklingt aus den Autoradios ein Chor aus Geschichten. Von Zeit zu Zeit erscheint ein Auto zwischen den Zapfsäulen, dessen Motor schon lange kalt ist. Es wird umsorgt, gepflegt und bearbeitet. Am Ende des Tages kommt es für ein neuartiges Wettrennen noch ein letztes Mal auf Touren. Ich höre gerne Radio beim Autofahren. Ist das da die Tankanzeige? Wo ist denn hier, mitten in der Pampa,
überhaupt eine Tankstelle? Wo ist denn hier bitte mal jemand,
den wir fragen können? Was heißt eigentlich „Tankstelle" auf Griechisch? Oder wenigstens auf Englisch? MEIN LETZTES AUTO ist ein Projekt, das in der Debatte um den Klimawandel Fronten lockert und Gespräche ermöglicht, die zukunftsgerichtet sind, ohne die Geschichte des Autos zu leugnen. Der Traum vom Familienauto, das den ersten gemeinsamen Urlaub ermöglicht, unabhängig in die Natur fahren zu können, die Faszination für das schöne Gebrauchsobjekt, das man sich endlich leisten kann... Technologie oder Prestige sind nur einige der Aspekte, die mit der Idee Auto verbunden sind. Was wäre, wenn das Auto, das wir heute besitzen, unser letztes wäre? Und was würden wir vermissen, wenn wir keine Autos mehr hätten? Bleibt die Tankstelle Treffpunkt, wenn die Autopflege wegfällt? MEIN LETZTES AUTO basiert auf 50 Erinnerungsalben, in denen Geschichten und Assoziationen zum Auto weitergegeben wurden. Sie erzählen vom Auftauchen neuer Autos nach dem Fall des Eisernen Vorhangs oder von Jugendlichen, die noch nicht einmal einen Führerschein besitzen, aber in Videospielen ihre „need for speed” ausleben. Das Auto wird zur Reliquie der Klimakrise. Geschichten, Fakten und Erinnerungen rund um das Kulturgut Auto verdichten sich in den Zitaten des Radiostücks und vermischen sich mit der Realität des Geschehens an der Tankstelle. ADMIRABEL - was kostet ist eine mobile Wettperformance, die dazu anregt, kreative Wetten mit alternativen Einsätzen – weder Geld noch Güter – abzuschließen. Wert und Gegenwert der Einsätze sind dabei die Grundpfeiler jener erfolgreichen Wette, die es miteinander zu verhandeln gilt. Hinter jeder Wette steckt die Hoffnung auf ein besseres Leben. Ein Verlangen, das auf einen Ausweg aus dem Alltäglichen abzielt. Ein Mechanismus, um Menschen miteinander in Kontakt zu bringen und einen sozialen Wandel anzuregen. Für das Projekt ADMIRABEL – WAS KOSTET erhielten sie 2017 den Erste Bank Mehr WERT-Designpreis.