09/09/2019
Ich hatte einen Traum...und am 01.09.2019, nach 12:18.47 ist er Wirklichkeit geworden. Aber der Reihe nach. Am 29.08. gings Richtung Sölden, vollbepackt für das Abenteuer Ötztaler Radmarathon. Als Motivation auch dabei meine Liebsten, meine Frau, mein Sohn und meine Mutter. Da kann ja fast nix mehr schiefgehen :-)
In Sölden angekommen, eingecheckt, gings für mich noch auf`s Rad. Knapp 47 km Einrollen für den großen Tag. Und es rollte gut.
Freitag/Samstag ging ich dann meiner Lieblingsbeschäftigung nach. Ich machte BikeFittings in der Sporthütte Fiegl. 08:30 bis 19:00. Normal sagt man das des ned gscheid ist. Mich hat es motiviert mich noch mit Gleichgesinnten auszutauschen :-)
Samstag gings dann totmüde ins Zimmer. Noch alles kontrollieren, Pasta essen und ab ins Bett.
01.09., 04:30...der Wecker schepperte unerbittlich und erinnerte mich daran was ich heute vorhabe. Also raus aus den Federn. Das erste mal Frühstück ohne Kaffee. Dafür gab es Pasta und Wasser. Während dem Essen nochmal Marschrute durchgehen. Wo nehm ich am Jaufen nur die fehlenden 25 min. her? In Schönau wäre ich ja wieder 35 min. vorne. Hmmm....aber der Jaufen...noch hab ich keinen Plan.
Anziehen, es ist kalt. Und es wird am Timmelsjoch regnen. Also Funktionsshirt, Armlinge, Beinlinge, Dress, Windjacke. Regenjacke muss auf jeden Fall mit. Für die ersten Kilometer noch 2 Riegel und 4 Gel`s + mein Isofit Pulver von Natural Power für 4 Flaschen. Reifen checken und aufpumpen. Noch eine Banane für vor den Start. Passt.
Um 06:15 war vor der Sporthütte Fiegl Treffpunkt mit den anderen Green Devils. Brrrr....es ist wirklich frisch. 06:15 ist keine gute Zeit. Wir stehen viel zu weit hinten. Nur noch etwa 400-500 stehen hinter uns. 15 min. früher und wir stehen 500 m weiter vorne --- nächstes mal :-) Banane essen, was trinken und Austretten bevor es los geht.
06:45...war jetzt schon der Startschuß? Nix passiert. Nach ca. 7 min. kommen wir in Bewegung und aus Sölden raus fängt es an zu rollen. Da war doch noch was? -25 min. am Jaufen! Also Kette rechts und Gas. Es läuft super, schneller als gewollt aber super. Geil mit so einem Speed nach Ötz zu brettern. Meine Beine kommen perfekt in Tritt. Hinterher sollte sich herausstellen das ich als 2396igster in den Anstieg zum Kühtai gefahren bin. Nach Adam Riese müsste ich dann über 1500 auf den 32 km überholt haben. Und ich hab über 15 min. auf meine Marschrute gutgemacht. Geil!!
Also rauf auf`s Kühtai.Ich bin gut im Tritt. Trotzdem überholen mich wieder ca. 1300....hahaha. Da ich bishierhin 1 Riegel und 2 Gel`s zu mir genommen, noch etwas mehr wie 1 Trinkflasche zur Verfügung habe, lass ich die Labe aus. War auch viel zuviel los. Und da war ja noch der Jaufen mit seinen unerbittlichen 14:45. Auf der Abfahrt überhol ich wieder knapp 400. Abfahrt ist halt meins, aber aufpassen musst. Ich fahr trotz hohem Speed sehr konzentriert und aufmerksam. Bei einer Galerie hat`s welche zerlegt. Sieht nicht gut aus. Hoffentlich ist nicht`s schlimmes passiert.
Von Kematen Richtung Innsbruck erwisch ich eine sehr gute Gruppe. Kurz vor Innsbruck muss ich bei einer Welle reißen lassen. Rein in den Anstieg zum Brenner. Cool wieviel Leute dich an der Strecke anfeuern. Danke dafür!! Brenner rollt. Und da mir wieder der Jaufen in Sinn kommt drück ich etwas mehr als geplant. Von 2 Gruppen lass ich mich auf den Brenner ziehen. Jeweils solange bis ich reißen lassen muss. Auf den letzten Höhenmetern zum Brennerpaß brennen die Oberschenkel. Wenn das mal gut geht. Bei der Labe begegne ich Gerald. Er hat leider Krämpfe. "Fahr locker weiter ich muss mich verpflegen. Ich hol dich ein dann schauen wir." Rasch Trinkflaschen füllen, Riegel und Gel ausfassen und weiter.
Richtung Sterzing wird es wärmer. Das tut meinen Beinen gut. Sie erholen sich. Super. Gerald hol ich nicht ein. Später erfahr ich das er ausgestiegen ist. Schade! Ist ein echter Hero. Er hat 2018 gefinisht!! Während der Abfahrt einen Riegel essen, wichtig.
Meno was für Pfosten. Jetzt schneidet der mich schon das 2. mal beim Ausfahren aus dem Kreisverkehr. Ich mach ihm ne Ansage. Jetzt hält er Abstand ;-)
Anstieg zum Jaufen erreicht. 15,5 km, und die Beine fühlen sich gut an. Also einen Gang höher schalten und durchziehen. Banane essen nicht vergessen. Um 14:25.59 Uhr bin ich oben. 19 min vor der Karenzzeit...yeeesss :-) Und die Beine fühlen sich super an. Jetzt wird`s entspannt. Verpflegen, Trinkflaschen füllen und weiter gehts. Abfahrt ist ja meins ;-) Nach 25 min. passiere ich St. Leonhard.
Jetzt geht es auf ihre Majestät das Timmelsjoch. 29 km. 1800 hm. Ich freu mich auf den Anstieg, genieße jeden Meter. Über 1 Stunde vor der Karenzzeit erreiche ich Schönau. Zeit genug für eine etwas längere Pause. Verpflegen mit Suppe, Kuchen, Banane, Kornspitz und einen RedBull hab ich mir auch gegönnt ;-) Leute beobachten...faszinierend was man alles sieht. Radler motivieren..."Du hast jetzt noch 2 1/2 h Stunden Zeit bis auf`s Timmelsjoch! Du schaffst das!" Nach ca. 15 min. fahr ich wieder los. Meter für Meter meinem Traum, welcher langsam Realität wird, entgegen :-)
Ca. 3 km vor der Paßhöhe wird ihre Majestät zickig. Was mit etwas tröpfeln anfängt artet mit Starkregen und Sturm aus. Nass und kalt. Und es soll noch kälter werden. Mit einem Fingerzeig und den Worten "Gib`s mir...du schaffst mich heute nicht!" drück ich die letzten Kilometer durch. Ich hab bei dem Sauwetter keine Lust stehen zu bleiben und stürz mich gleich in die Abfahrt. Ich will so schnell wie möglich runter von dem Berg. Jetzt wird es kalt, saukalt. Ich klemm das Oberrohr zwischen den Beinen ein damit sich das Rad nicht aufschauckelt, so schlotter ich. Hätt die Regenjacke doch anziehen sollen. Highspeed 82 km/h, schneller ging`s nicht.
In der Gegensteigung wurde es wieder etwas wärmer, aber auch nur damit es dann bei der letzten Abfahrt wieder kalt werden kann :-p Unten angekommen bin ich so durchnässt und abgekühlt das ich kaum pedalieren kann.Erst in der kleinen Welle bei Zwieselstein zwing ich mich meine Beine zu bewegen. Der Rest läuft wie von selbst. Die letzten Kilometer vor Augen geht alles wieder leichter. So viele Leute feuern dich an. Auch meine Freunde Kerstin und Toni pushen mich für die letzten Meter.
Dann die letzte Kurve...da ist das Ziel, da meine Schätze...ich hab`s geschafft. Nach 12:18.47 hab ich mir meinen Traum erfüllt. Meine Freunde warten schon, gratulieren mir. Ich suche meine Frau, meinen Sohn und meine Mutter. Ich will das mit ihnen genießen! Ein ganzes Jahr haben sie mich dabei unterstützt mir diesen Traum zu erfüllen :-)
Nach meinem schweren Unfall 2015 hab ich nicht mehr daran geglaubt so einen Event überhaupt fahren zu können. Mein Sohn und meine Frau haben mich motiviert es doch zu probieren. Danke dafür! Ich Liebe euch!!