09/06/2022
Weil sich der Baubeginn wetterbedingt verzögert, schreib ich inzwischen (nein, nicht meine Memoiren, so lang wird's doch nicht regnen!), ein paar G'schichtln, die hintaus passiert sind.
Hintaus-Kommunikation:
Freitag, 6:20 in der Früh hält hintaus der Lastwagen geräuschvoll. Ich laufe raus und mache mich beim Fahrer bemerkbar. Der lässt das Fenster runter und nickt mir einen Gruß zu oder die Frage, wo denn die Baumulde hin soll. Ich überschreie den Motorlärm und informiere ihn, wie ich es in solchen Situationen gewohnheitsmäßig mache, im Hackler-Deutsch, meiner Muttersprache, über den Aufstellungsort der Baumulde: Foans do meglichst noo zuwe und stöns de Muidn gaunz dichd zu de zwa Fensta zuwe!
Er nickt, schiebt ein paarmal mit dem Laster hin und her und hievt die Mulde dann mit seiner Vorrichtung herunter. Sie steht 1½m von den Fenstern entfernt und bereits mehr auf der Straße, als am vorgesehen und amtlich bewilligten Gehsteig.
Ich schüttle den Kopf, der Fahrer sieht mich fragend an. Ged des ned weida zuwe? So kaun des ned steebleim! rufe ich durch den Motorlärm. Er sieht mich ratlos an, beugt sich aus dem Seitenfenster und ruft in bestem Bundesdeutsch: Mann, sagten Sie nicht, ich solle möglichst hier wegbleiben von den Fenstern?
Alles klar, er ist ein Deutscher und hat meinen Dialekt nicht verstanden! Ich entschuldige mich und wiederhole meinen Aufstellungswunsch für die Mulde auf Hochdeutsch und schon steht sie an ihrem vorgesehenen Platz.
Ein paar Stunden später wird von einer Firma aus dem Waldviertel Material für's Dach geliefert. Blöderweise hält der Lastwagen aber vorne, an meiner Postadresse und nicht hintaus, wo ich das Material brauche. Ich laufe raus und will schon anfangen: Foans umadum, de Baustöh is hintaus, duad wo de Muidn sted. Aber halt, da fällt mir rechtzeitig mein Fauxpas vom Morgen ein. Auch dieser Fahrer könnte meinen Dialekt nicht verstehen, könnte ja auch ein Tscheche sein. Ich erkläre ihm also auf Hochdeutsch, was er tun soll. Er antwortet in einem ungelenken Deutsch, den Akzent kann ich nicht zuordnen, dass er verstanden hat. Na gut, dass ich ihn auf Hochdeutsch angeredet habe.
Nachdem er das Material abgeladen hat, frage ich ihn, ob er etwas trinken will, vielleicht einen Kaffee? Ja, dass wärre serr gutt, sagt er in seinem seltsamen Deutsch. Wir trinken also im Hof im Schatten Kaffee und essen Mannerschnitten. Er wird jetzt gesprächiger, obwohl ich den Eindruck habe, dass er immer genau überlegen muss, wie man was sagt und ich seinen Akzent nach wie vor nicht zuordnen kann. Er erzählt, dass seine Firma in Schrems daheim sei, dass er zwei Kinder habe, zeigt mir Fotos der beiden, die ich, natürlich auch auf Hochdeutsch, damit er mich versteht, bewundere. Er ist sichtlich froh, dass er hier im Schatten ein wenig ausrasten kann und will die Zeit noch ein wenig ausdehnen.
Und so erfahre ich schließlich von ihm in holprigem Deutsch, dass er aus einer Bauernfamilie aus Großpertholz kommt und mit seiner Familie in Weitra wohnt! Soll ich das sprachliche Missverständnis jetzt aufklären und im Dialekt weiterreden? Aber dann besteht die Gefahr, dass er sich noch wohler fühlt hier im Schatten und ich meine Nachmittagspläne vergessen kann. Deshalb fange ich an, die leeren Kaffeehäferl ineinander zu stellen und sage: Jetzt hab ich Sie aber lange genug aufgehalten, Sie haben ja noch einen langen Weg!
Genauso schwerfällig, wie er sich erhebt, ist sein Hochdeutsch mit, jetzt weiß ich es ja, Großpertholzer Akzent, als er sich für den Kaffee bedankt und verabschiedet.
Er wird sich denken: Nau des san Gspreitzte in Lois! Wauni mid dera ned Hochdeitsch gred hed, hedsmi goa ned vastaundn. Owa wuaschd, an guadn Kaffee howe griagd, des is dHauptsoch!