29/04/2026
MARKIERUNG
Kramsacher Marmor, Seilsägeschnitte und Fräsung.
Ein Text-Zitat aus der Ansprache von Frau Dr. Maria Schuchter, Kunsthistorikerin, zur Enthüllung der Skulptur MARKIERUNG am 26. April 2026.
Bildhauerei berücksichtigt zwei Aspekte besonders: den Raum und das Material.
Beginnen wir mit ersterem, dem Raum, der Drei-Dimensionalität. Zwischen einer bildhauerischen Arbeit und dem Raum besteht eine fundamentale Beziehung: Die Arbeit nimmt Raum ein, sie verdrängt Raum, befindet sich im gleichen Raum wie die Betrachter:innen, sie gestaltet/akzentuiert den umgebenden Raum.
Helmut nennt die Arbeit Markierung, sie ist als Symbol in den Raum gesetzt. Markieren heißt etwas kennzeichnen, ein Zeichen setzen, das auf etwas verweist. Wir markieren also konkret in der Welt und metaphorisch in unserem Kopf.
Neben dem Stein an sich, der so aufgestellt, bereits eine Markierung darstellt, setzte Helmut Schnitte in das Material. Er nimmt Teile heraus, verschieden gestaffelt, konisch zulaufend, auf beiden Seiten (vorne und hinten) und erzeugt so im Objekt zusätzliche Raumverhältnisse.
Und auf einer Seite (vorne) sehen wir, durch einen Schnitt gesetzt, ein abstrakt sich windende Linie – Symbol für einen Weg, für ein Gehirn? Markierung spielt in beiden Fällen eine Rolle. Symbole haben häufig mehrdimensionale Bedeutungen, sie müssen nicht eindeutig lesbar sein.
Nun zum Material: Helmut Nindl verwendet für seine Markierung Kramsacher Marmor, der eigentlich kein Marmor, sondern ein Kalkstein ist. Es geht aber nicht um Heimatgefühle, sondern um ein Material, das jahrhundertelang im ganzen Inntal hochgeschätzt war und für besondere Bauaufgaben, ich nenne nur die Hofkirche in Innsbruck, die Annasäule, die Kirche in Rattenberg, verwendet wurde. Ein Material also, das Träger von Geschichte und Identität ist.
Helmut Nindl versteht es hier, seine zeitgemäße, dem 21. Jahrhundert verpflichtete Formensprache mit einem traditionsreichen Material in eine spannende Beziehung zu setzen. So entsteht ein Objekt, das seine praktische Funktion (Orientierungshilfe) verändert und eine repräsentative Funktion einnimmt, die den öffentlichen Raum prägt.