10/04/2026
Hinter der Wand
Einige Gedanken zur Ausstellung von Andreas Hoffer
Was für ein starker Titel für eine Ausstellung! Er bietet unendlich viele Möglichkeiten des Nachdenkens über die Welt, unsere Beziehungen zur Gesellschaft, aber auch über uns selbst. Eine Wand kann beschützen, trennen, kann durchlässig oder kompakt sein. Sie kann real oder auch fiktiv sein, oder kann als Metapher für menschliche Zustände stehen. Unsere Psyche kann sie selbst errichten und, was schwieriger scheint, auch einreißen. Ohne eine durchlässige Wand um uns, ob in Form der Haut, einer Wohnung, oder eines Hauses können wir uns unser Leben kaum vorstellen. Sie schützt uns vor Kälte und Gefahr, kann aber auch eine Trennung vom sozialen Leben bedeuten, eine (unsichtbare) Mauer der Einsamkeit. Das ist das Motiv des Romans Die Wand von Marlen Haushofer,
in dem eine unsichtbare Mauer um die Protagonistin errichtet wurde. Haushofer legt den Fokus dabei auf die Introspektion der Protagonistin.
Was aber erwartet uns hinter der Wand, was hat das mit uns zu tun?
In ihrem Einladungstext an Künstler:innen hat Susanne Schober den existentialistischen, gesellschaftspolitischen Aspekt des Themas als Ausgangspunkt für die Ausstellung herausgestellt. Dazu gab Schober auch den Bezug zum epochalen Album von Pink Floyd als Anregung. Darin heißt es:
„All in all, you ‘re just another brick in the wall“ (Roger Walters)
Dabei wird die Wand, deren Teil wir sind, ein Ort der Selbstreflexion.
Die Wand wird in dem Opus spektakulär eingerissen, um Veränderung zu ermöglichen.
Über 30 Künstler:innen sind der Einladung gefolgt. Das Spektrum der Herangehensweisen und Medien ist groß, so divers wie die Assoziationsmöglichkeiten des Themas. Viele haben sich mehr oder weniger explizit mit dem Grauen der Welt um uns auseinandergesetzt, aber auch damit, dass die Wand uns Menschen nicht von den großen Problemen unserer Zeit
trennen sollte. Manche haben das Thema in eine explizit künstlerische Sprache transformiert, die wir uns erst erschließen müssen - ein nicht enden wollender Versuch die Wand zwischen Werk und Betrachter:innen zum Verschwinden zu bringen.
„Die Hölle, das sind die anderen“ Jean Paul Sartre