13/06/2026
Die stille Wagner
WAGNER-URENKELIN IRIS VOR 84 JAHREN IN BAYREUTH GEBOREN
Blickt man auf ihr Grab, kann man vielleicht verstehen, warum die private Iris Wagner nicht so sehr das Licht der Öffentlichkeit suchte. Toleranz war nie eine Stärke in Deutschland, von Anhalt oder Preußen einmal abgesehen. Aber auch dort hatte sie Grenzen.
Die älteste Tochter des ältesten Bayreuther Enkels von Richard Wagner wurde am 12. Juni 1942 in Bayreuth geboen, als der anglo-amerikanische Bombenterror noch längst nicht alle Großstädte, geschweige denn Klein- und Mittelstädte im Zweiten Weltkrieg erreichte. Iris Wagner war das erste Kind von Wieland Wagner und Gertrud Reissinger, auf die 1943 Wolf-Siegfried, 1945 Nike und 1946 Daphne folgten.
Iris Wagner wuchs mit ihren Geschwistern in Bayreuth auf. Sie studierte Germanistik, arbeitete auch als Filmemacherin, Fotografin und Malerin, später dann als Übersetzerin aus dem Englischen.
Lange vertrat sie den Wieland-Stamm der Familie im Stiftungsrat der Richard Wagner-Stiftung Bayreuth. Die zurückgezogen Lebende trat selten aus dem Hintergrund und erst als die Streitereien um Richard Wagners Kompositionsklavier von der Ebene Stadt Leipzig gegen Stadt Bayreuth auf die Familienebene gezogen wurden, tauchte ihr Name verstärkt in den Medien auf. Auch bei den Streitereien um den Neubau im Garten des Hauses Wahnfried, Baumfällungen und die Neugestaltung des Gartens sah man sie für ihren Familienstamm auf der Seite der öffentlich wahrnehmbaren Kritiker. Der bekannteste Rechtsvertreter des Wieland-Stamms war der umtriebige wie prominente Polititiker der Linkspartei, früher PDS, Gregor Gysi.
Erlebt hat Iris Wagner die Fertigstellung und Einweihung des kulturhistorisch so wertvollen Areals mit zwei Jahren Verspätung 2015 nicht mehr. Sie starb am 9. Januar 2014 in Berlin und wurde auf dem Bayreuther Stadtfriedhof beigesetzt.
Heute wäre ihr 84 Geburtstag gewesen.