09/04/2025
DAS WEGKREUZ AM HOFHAUS ODENHOVEN
Erste Weg- oder Flurkreuze sind seit dem 14.Jhd belegt. Aufgestellt wurden sie stets an öffentlichen Wegen, besonders an Wegkreuzungen oder -gabelungen, häufig am Ortsausgang, wo man auf dem Weg zur Feldarbeit kurz innehalten und um einen guten Tag bitten konnte.
Das Kreuz am Ortsausgang von Odenhoven (Bild 1), wo sich die Wege nach Tromborn und Brettnach trennen, ist nicht das erste an dieser Stelle. Vor dem letzten Krieg stand hier ein deutlich größeres Exemplar (Bild 2), auch dieses schon aus Gusseisen, mit einer Madonna im Zentrum und einer Figurengruppe am Fuß. Es ist anzunehmen, dass auch dieses Kreuz seine Vorgänger hatte, vermutlich aus Stein und sicherlich älter als das 1827 dahinter errichtete Hofhaus.
1988: Auf dem gemauerten Sockel, heute integrativer Bestandteil der hofeigenen Küchengartenmauer, ist nur noch ein ca. 16 cm hoher Stumpf des Kreuzes vorhanden.
1989: Der Hauptteil des Kreuzes wird bei Räumarbeiten im alten Hofhaus unter einer Ansammlung von Schutt entdeckt. In der Lehrwerkstatt der Dillinger Hütte werden die Komponenten wieder zusammengefügt und fehlende Elemente nachgeschmiedet und ergänzt. (Bild 3 + 4)
1990: Das restaurierte Kreuz wird am ursprünglichen Standort wieder aufgestellt. (Bild 5)
2001: Aufgrund am Original erkennbarer, ältester Farbreste erhält es seine endgültige Lackierung samt partieller Vergoldung. (Bild 6)
2025: Lackierung und Vergoldung, ein Vierteljahrhundet der Witterung ausgesetzt, erfahren eine nötig gewordene Auffrischung.
HERKUNFT
Kreuze aus Gusseisen findet man ab dem Anfang des 19. Jahrhunderts, als durch die rasante Entwicklung der technischen Möglichkeiten auf dem Gebiet des Eisengusses für immer mehr Dinge
des täglichen Lebens, der darstellenden Kunst und des Baugewerbes auf den relativ
billigen und doch äußerst stabilen Rohstoff Gusseisen zugegriffen wurde. Schon um 1800 hatte jede größere Gießerei, aber auch eine Vielzahl heute nicht mehr bekannter kleinerer Betriebe, dieses Produkt im Angebot.
Unser Kreuz stammt aus der Gießerei TUSEY bei Vaucouleurs an der Meuse, erkennbar an der Inschrift auf seinem Fuß „GASNE TUSEY MEUS(E)“ (Bild 7). Der Name Gasne verweist auf den „maitre de forge“ Louis Gasne, von 1874 bis 1896 Inhaber des Betriebs (Bild 8 ). Das Modell für das Kreuz könnte von L. Thiriot stammen, einem Modelleigentümer aus Paris, mit dem Gasne, wie schon sein Vorgänger Ed. Zégut einen Vertrag geschlossen hatte. Der 1890 von Gasne herausgegebene Katalg enthält auch alle Modelle aus dem Thiriot-Katalog (1887).
IKONOGRAFIE + BEDEUTUNG
Die sehr spezielle und eindeutige ikonographische Aussage dieses Exemplars – die Darstellung und Lobpreisung des Hl.Sakramentes der Eucharistie - und seine direkte Nachbarschaft zur Pfarrkirche, legen nahe, dass dieses Kreuz als ein Bestandteil des liturgischen Gemeindelebens aufgestellt und genutzt wurde.
Hier versammelten sich, bis in die jüngste Vergangenheit, am Weißen Sonntag die Kommunionskinder der Pfarrei, wo sie vom Pfarrer begrüßt und dann in einer feierlichen Prozession zur Kirche geführt wurden. (Bild 9)
Im Zentrum des Kreuzes steht in einem offenen Kreis der Kelch mit der Hostie, Symbole für das Blut und den Leib Christi, sein Opfer für die Menschheit, und für deren immer wiederkehrende Anwesenheit in der Hl. Eucharistie. Die Hostie selbst, verziert mit den Strahlen der Sonne, erscheint hinter dem Rand des Kelches wie die aufgehende Sonne am Horizont. Gleichzeitig dient sie dem daraufstehenden kleinen Kreuz als Basis und erinnert mit ihrem sichtbaren Halbkreis an bekannte stilisierte Darstellungen des Golgatha-Hügels, auf dem das Kreuz errichtet war. Dieses kleine Kreuz weist noch einmal auf den Opfertod Jesu Christi hin und die Art und Weise, wie er stattgefunden hat. (Bild 10a + b)
Ummantelt wird die Darstellung von einem flatternden Spruchband mit der Inschrift :
„O salutaris hostia“ (O heilbringende Opfergabe/Hostie) Hierbei handelt es sich um die erste Zeile der letzten beiden Verse des lateinischen Kirchenliedes „Verbum supernum prodiens“, eines Hymnus, den Thomas von Aquin für das Morgengebet am Fronleichnamsfest schrieb. Diese letzten beiden Verse sind oft für sich als Gesang zum Eucharistischen Segen oder zur Kommunion verwendet worden.