05/10/2026
Rivers of Sulawesi – mehr als nur ein neues Zuhause für unsere Hirscheber
In unserer neuen, vom Zoo-Verein Wuppertal aus Patenschaftsgeldern finanzierten Anlage „Rivers of Sulawesi“ haben unsere Sulawesi-Hirscheber einen neuen Lebensraum erhalten. Gleichzeitig ist die Anlage ein wichtiger Baustein für den Schutz dieser bedrohten Tierart.
Hirscheber gehören zur Familie der Echten Schweine und kommen nur auf der indonesischen Insel Sulawesi sowie einigen vorgelagerten Inseln vor. Unterschieden werden drei Arten: der Sulawesi-Hirscheber, der Molukken-Hirscheber und der Togian-Hirscheber.
Neben Bedrohungen wie Lebensraumzerstörung und Wilderei, sind Hirscheber heute auch von der sich rasant ausbreitenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) bedroht. Seit 2018 hat sich die Viruserkrankung rasch in Asien ausgebreitet. Die dort heimischen Wildschweinarten haben keine Abwehrkräfte gegen das Virus. Im Oktober 2023 gab es erste bestätigte Fälle beim Sulawesi-Hirscheber. Inzwischen wurden Ausbrüche aus allen sechs Provinzen Sulawesis gemeldet.
Eine aktuelle Veröffentlichung von 31 internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zeigt, dass die Afrikanische Schweinepest bereits zu massiven Bestandseinbrüchen bei mehreren in Asien heimischen Wildschweinarten geführt hat. Bei einigen Populationen gingen die Bestände innerhalb weniger Monate nach Auftreten des Virus um mehr als 80 Prozent zurück. Das zeigt wie schnell eine Tierart an den Rand der Ausrottung gebracht werden kann.
Die Studie ist aktuell in der Fachzeitschrift Nature Reviews Biodiversity erschienen und legt zugleich erstmals einen umfassenden Notfallaktionsplan vor, um die drohende Ausrottung betroffener Wildschweinarten zu verhindern.
Für die Hirscheber ist die Situation besonders kritisch, denn sie haben eine vergleichsweise langsame Fortpflanzungsrate. Sie bringen meist nur ein bis zwei, gelegentlich drei Jungtiere zur Welt. Nach einem starken Einbruch der Population kann sich der Bestand deshalb nur langsam wieder erholen.
Im Rahmen der IUCN-Neubewertungen wird der Sulawesi-Hirscheber daher auf der Roten Liste von „gefährdet“ auf „vom Aussterben bedroht“ hochgestuft.
Für die beiden anderen Hirscheberarten sind bislang keine bestätigten ASP-Fälle bekannt. Aufgrund der zunehmenden Bedrohungssituation werden jedoch auch sie vorsorglich als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft.
Der von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vorgestellte Fahrplan umfasst acht Maßnahmen, von denen drei besonders dringend umgesetzt werden müssen. Dazu gehören Frühwarnsysteme für ASP-Ausbrüche, die Einrichtung von Notfallfonds sowie insbesondere der Ex-situ-Artenschutz – also der Aufbau und die Erhaltung von Reservepopulationen außerhalb des natürlichen Lebensraums. Zoos spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die Nachzucht in menschlicher Obhut kann maßgeblich dazu beitragen, dass bedrohte Arten überleben.
Auch der Grüne Zoo Wuppertal leistet hierzu einen wichtigen Beitrag. Bereits fünf Hirscheber-Jungtiere wurden bei uns in den letzten Jahren erfolgreich aufgezogen. Unsere Weibchen werden in Kürze wieder Gesellschaft von einem Männchen bekommen, damit die Zucht fortgesetzt wird.
Der Zoo-Verein Wuppertal e.V. und der Grüne Zoo unterstützen zudem ein Schutzprojekt für Togian-Hirscheber in ihrem natürlichem Lebensraum. Das Projekt wird gemeinsam mit der Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. - ZGAP und der indonesischen Naturschutzorganisation KASI Foundation umgesetzt.
Damit verbindet „Rivers of Sulawesi“ zwei wichtige Säulen des Artenschutzes: den Schutz bedrohter Arten in ihrem natürlichen Lebensraum und die Erhaltung von Reservepopulationen in menschlicher Obhut.