20/05/2026
Konferenz in Wiesbaden beleuchtet Pavlo Skoropadskyj und die ukrainische Diaspora in Deutschland
Die Konferenz „Ein Ukrainer aus Wiesbaden: Pavlo Skoropadskyj und die ukrainische Diaspora in Deutschland“ rückte am 16. Mai 2026 in Wiesbaden eine wenig bekannte, aber bedeutende Verbindung zwischen der Landeshauptstadt, der ukrainischen Geschichte und der ukrainischen Diaspora in Deutschland in den Mittelpunkt. Im Zentrum stand der in Wiesbaden geborene Pavlo Skoropadskyj, der als letzter Hetman der Ukraine gilt – ein historischer Titel für einen politischen und militärischen Anführer. 1918 stand er für kurze Zeit an der Spitze des ukrainischen Staates.
Mehr als 100 Teilnehmende und Gäste aus verschiedenen Regionen Deutschlands diskutierten über seine Biografie, ukrainische Geschichte, dekoloniales Denken, migrantisches Erbe und die Zukunft ukrainischer Initiativen in Deutschland. Neben einem wissenschaftlichen Hauptvortrag, einer Projektpräsentation, einer Filmvorführung und der Vorstellung einer historischen Route wurde auch ein offener Appell für mehr Zusammenarbeit ukrainischer Gemeinschaften in der Rhein-Main-Region verabschiedet.
Wiesbaden, 20. Mai 2026 – Am 16. Mai 2026 wurde Wiesbaden zu einem Ort des europäisch-ukrainischen Dialogs. Die Konferenz „Ein Ukrainer aus Wiesbaden: Pavlo Skoropadskyj und die ukrainische Diaspora in Deutschland“, organisiert von Dialogkraft Europa e.V. in Zusammenarbeit mit der Dunstan gemeinnützige UG, brachte mehr als 100 Teilnehmende und Gäste aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands zusammen.
Im Mittelpunkt der Konferenz stand die Persönlichkeit Pavlo Skoropadskyjs, einer der bedeutendsten Figuren der ukrainischen Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Von besonderem Interesse war dabei die Verbindung von lokaler und europäischer Geschichte: Skoropadskyj wurde in Wiesbaden geboren und verbrachte einen Teil seines Lebens im Exil in Deutschland.
Pavlo Skoropadskyj: Eine historische Brücke zwischen Deutschland und der Ukraine
Den Hauptvortrag hielt Veronika Weisheimer von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Ihre Forschung gilt als erste umfassende wissenschaftliche Arbeit in deutscher Sprache über Pavlo Skoropadskyj in Berlin und wurde bereits 2019 mit dem Nachwuchspreis der Historischen Kommission zu Berlin ausgezeichnet.
„Pavlo Skoropadskyj ist eine wenig bekannte, jedoch sehr wichtige Figur in der Geschichte der deutsch-ukrainischer Beziehungen. Sowohl als Staatsoberhaupt der Ukraine 1918 als auch während seiner Emigrationszeit in Berlin wirkte er als Brückenbauer zwischen den beiden Nationen. Dass Skoropadskyj 1873 in Wiesbaden geboren wurde, ist ein guter Beweis für die jahrhundertelange Geschichte der deutsch-ukrainischen Verflechtung und der Rolle der Stadt Wiesbaden darin, die bis heute wenig bekannt und erforscht bleibt.“, erklärte die Historikerin.
Großes Interesse fand außerdem die Vorführung des Kurzfilms „Der letzte Hetman. Eine unvollendete Reise…“ mit anschließender Diskussion unter Beteiligung des Regisseurs Ihor Chaika. Der Film erzählt die Geschichte der Familie Skoropadskyj und verbindet persönliche Erinnerungen mit den großen Erschütterungen des 20. Jahrhunderts.
Im Rahmen der Konferenz wurde zudem der neue historische Spaziergang durch die Stadt vorgestellt, der ganz unter dem Motto steht: „Wiesbaden: Stadt des letzten Hetmans des ukrainischen Staates“. Präsentiert wurde er von Olena Skvortsova.
Die Route beleuchtet wenig bekannte Kapitel der ukrainischen Präsenz in Wiesbaden und die Geschichte der Familie Skoropadskyj in der Stadt. „Nur wenige wissen, dass die Verbindung Wiesbadens zur Familie Skoropadskyj mehr als 40 Jahre bestand und dass es hier bereits 1946 eine große ukrainische Gemeinschaft gab. Die Geschichte migrantischer Gemeinschaften ist ein wichtiger Teil der Geschichte Wiesbadens selbst. Dieses Erbe sollte bewahrt und an kommende Generationen weitergegeben werden“, betonte Serhii Desiak, Geschäftsführer des gastgebenden Dunstan-Zentrums.
Neue Perspektiven auf ukrainische Geschichte und dekoloniales Denken
Ein weiterer Programmpunkt war die Präsentation des Projekts „KARTA: Ukrainisches dekoloniales Denken“. Das Projekt widmet sich zentralen Texten und Ideen des zeitgenössischen ukrainischen dekolonialen Diskurses und eröffnet neue Perspektiven auf die ukrainische Geschichte, Kultur sowie auf die historischen Hintergründe der russischen Aggression gegen die Ukraine. Die Publikation ist in deutscher Sprache verfasst und auf der Website von Dialogkraft Europa e.V. frei zugänglich. Das Projekt ist Teil des RHIZOM/RAZOM-Programms des Ukrainischen Instituts in Deutschland. Das Programm wird vom Auswärtigen Amt finanziert und in Zusammenarbeit mit Insha Osvita, einer in Kyjiw ansässigen Organisation für Bildung, Kultur und Kunst, umgesetzt.
Austausch über die Zukunft ukrainischer Initiativen in Deutschland
Besonders lebendig wurde die Konferenz während der abschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern ukrainischer Diaspora-Organisationen aus Wiesbaden, Frankfurt am Main, Taunusstein und Oberursel sowie mit Teilnehmenden und Gästen aus vielen weiteren Regionen Deutschlands. Zu den Diskussionsgästen gehörten unter anderem Serhij Desiak, Jana Klyzhenko, Olena Opanasenko und Natalija Semenova.
Im Zentrum der Diskussion standen Fragen, die derzeit viele ukrainische Initiativen in Deutschland beschäftigen: Wie kann die nachhaltige Entwicklung neuer Diaspora-Organisationen gesichert werden? Wie lassen sich langfristige Kooperationen aufbauen? Und welche Rolle können ukrainische Initiativen künftig in der deutschen und europäischen Gesellschaft spielen?
Offener Appell für mehr Zusammenarbeit
Während der Konferenz verabschiedeten die Teilnehmenden einen offenen Appell, in dem sie die Notwendigkeit einer stärkeren Zusammenarbeit und gemeinsamer Initiativen ukrainischer Gemeinschaften betonten. Dazu gehören unter anderem die Koordinierung gemeinsamer Anstrengungen zur Organisation eines Forums ukrainischer Initiativen der Rhein-Main-Region sowie die Entwicklung kultureller, bildungsbezogener und integrativer Projekte.
Die Offenheit und Tiefe der Gespräche machten deutlich, dass die Konferenz weit mehr war als eine Informationsveranstaltung. Sie wurde zu einem Raum für Begegnungen, gemeinsame Ideen und zukünftige Partnerschaften.
Dank an Unterstützende, Partner und Freiwillige
Die Veranstaltung fand mit Unterstützung der Nassauischen Sparkasse, der ukrainisch-deutschen Organisation Nord Haus UA e.V., von Oksana Schorlemmer, der Initiative GURT sowie weiterer Förderer und Partner der Konferenz statt.
Das Organisationskomitee der Konferenz „Ein Ukrainer aus Wiesbaden: Pavlo Skoropadskyj und die ukrainische Diaspora in Deutschland“ dankt allen Teilnehmenden, Referierenden, Partnern und Freiwilligen herzlich für ihre Unterstützung, die Zusammenarbeit und das gemeinsame Engagement für die Entwicklung ukrainischer Gemeinschaften in Deutschland.