13/04/2018
INTERVIEW:
Kulturarbeiterin Jenni von Ostfalen spricht mit Helmut Schwickerath über sein sakrales Meisterwerk „Marx-Altar mit heiliger Unterhose“.
Sie stellen in Trier mal wieder Ihren Marx-Altar aus, diesmal in der galerie netzwerk in der Neustraße 10. Was gibt’s denn Neues von der Heiligen Unterhose?
S.: Nur Erfreuliches! Es hat keinen neuen Mottenbefall gegeben; das Beinkleid ist voll funktionsfähig. Auch die gefahrvolle Reise nach Dresden hat es gut überstanden. Über 75.000 Besucher haben die Hose von November 2016 bis Juni 2017 im Deutschen Hygienemuseum bewundern können.
Im Hygienemuseum – das ist ja geil!
S.: Schämen Sie sich! Das war eine unkeusche Sonderausstellung zum Thema „Scham – 100 Gründe rot zu werden“,kuratiert von Daniel Tyradellis Es war noch ein zweites Exponat aus Trier zu sehen: Die römische Venusfigur aus St. Mathias, die von fanatisierten Pilgern wegen ihrer Nackheit durch Steinwürfe so verstümmelt wurde, dass man sie kaum noch erkennen kann.
Da sollten sich die Pilger mal schämen! Aber eine Unterhose verdeckt doch die Teilchen, deretwegen man sich schämen könnte. Wie geht das denn zusammen?
S.: Der Marx-Altar wurde in Dresden präsentiert mit einem Zitat von Marx, das neben dem Schrein rot von der Wand leuchtete. Er definiert darin die Scham als „...eine Art Zorn, der in sich gekehrte. Und wenn eine ganze Nation sich wirklich schämte, so wäre sie der Löwe, der sich zum Sprunge in sich zurückzieht. Ich gebe zu, sogar die Scham ist in Deutschland noch nicht vorhanden; im Gegentheil, diese Elenden sind noch Patrioten.“
Aua! Und ausgerechnet in Dresden! Das ist ja ein Fall fürs Heimatministerium...
S.: ...und für das chinesische Außenministerium! Wir hatten den Altar 2012 im Schaufenster des Zupport neben dem Karl Marx Haus ausgestellt. Ich habe mehrfach erlebt, wie sich chinesische Besucher beim Anblick des Beinkleides mit allen Anzeichen der Scham von dannen machten. Ein Trierer Fremdenführer wurde vom chinesischen Gruppenbetreuer aufgefordert, seine Landsleute nie mehr auf den Altar aufmerksam zu machen.
Na, für unsere chinesischen Besucher gibt’s ja bald den RiesenMarx mit wehendem Mantel. Der ist jugendfrei.
S.: Für das in Trier vorherrschende ästhetische Empfinden wäre der rote Marx-Gartenzwerg die bessere Lösung gewesen! Denn was passiert, wenn der chinesische Riese seinen Mantel wie einen Trenchcoat aufschlägt? Dann schreien alle wieder: „Me too!“
(2.Teil folgt)