09/12/2025
Mit seiner Premiere auf der Theaterbühne am 7.12.25 im tanzhaus nrw entfaltet Black Style eine neue künstlerische Tiefe. Durch das präzise und atmosphärisch außergewöhnlich fein abgestimmte Lichtdesign von Martin Wiegner entsteht ein Raum, der weniger Bühnenbild als lebendiges Gegenüber ist. Die Lichtsetzung schafft Zonen von Intimität, Verdichtung und Offenheit, in denen sich sowohl die inhaltliche Ausrichtung des Stücks als auch der überragende tänzerische Ausdruck des Krumpers Solomon Quaynoo noch klarer konturieren können. So entsteht eine durchgängige Atmosphäre, die die Intention des Abends fokussiert und emotional vertieft.
Im Zentrum steht Solomon Quaynoo, dessen Krumping sich hier zu einer nahezu poetischen Erzählform entfaltet. Seine Bewegungen entspringen inneren Landschaften – kraftvoll, verletzlich, widerständig. Jede Geste trägt Geschichte, jedes Aufflammen von Energie wird zu einem Echo gelebter Erfahrung. Black Style erzählt nicht über Worte, sondern über Körper, die Erinnerungen tragen, aus ihnen schöpfen und sie sichtbar machen.
Die Kostüme von Brooklyn Odunsi Ifeacho sind dabei weit mehr als Ausstattung. Sie fungieren als textile Archive, als Träger von Spuren, Schichten und Fragen, die Quaynoo in seinem Tanz aktiviert. Die Klangräume von u.a. Riccardo Barretta und DJ Spoonmann wiederum bilden die akustische Haut des Abends – eine Soundlandschaft, die weniger erklärt als trägt, zieht und tief unter die Haut sinkt.
Besonders eindrucksvoll ist die Integration musikalischer Referenzen, die aus afroamerikanischen Erfahrungskontexten stammen. Elemente des Blues, eines Genres, das aus Schmerz, Überleben und kollektiver Widerständigkeit hervorgegangen ist, entfalten eine besondere erzählerische Kraft. Songs wie „Early in the Morning“ – ein traditioneller Work Song, der körperliche Arbeit, Erschöpfung und Zusammenhalt evoziert – oder „Hard Times“, ein Klassiker über Härte, Verlust und Hoffnung, dienen im Stück nicht als illustrative Zitate. Stattdessen werden sie von Quaynoo mit seinem Krumping körperlich weitergeschrieben. Die Musik wird Resonanzraum, auf dessen Schwingungen der Tänzer seine eigene Erinnerung, Identität und Verletzlichkeit sichtbar macht.
Black Style verwebt textile Vergangenheit und gelebte Gegenwart zu einem feinen Netz aus Identität und Transformation. Ohne Bühnenbild bleibt nur der Körper – roh, wahr, ungeschützt – und genau darin liegt seine Kraft. Jede Bewegung ein Faden. Jede Geste ein Echo.
Eine Performance, die nicht laut werden muss, um tief zu klingen.
Mitwirkende:
Tanz / Konzept / Dramaturgie – Solomon Quaynoo
Sounddesign / Claas Sandbothe
Kostüme – Brooklyn Odunsi Ifeacho
Lichtdesign / Technik – Martin Wiegner
Dramaturgie / Konzept – Joachim Goldschmidt
Social Media – Bettina Henningsen
Video: Philipp Wachowitz
Musik: Early In The Mornin (22, Little Red, Tangle Eye, And Hard Hair), 'No More, My Lawd (Alan Lomax), Skidozer 301 (Senking), Hard Times (Skip James), Chant Album: Worla (Worlasi, Senkulive), Musik-Collage (Riccardo Berretta), Poem. Sound-Collage - DJ Spoonmann
Black Style gefördert durch das Regionale Kultur Programm NRW (RKP) – Kulturregion Münsterland, in Koproduktion mit dem LWL-Museum TextilWerk Bocholt und dem tanzhaus nrw. Eine Produktion von ProArtiSt urban production. Foto: Schesco Nyarwaya