08/09/2020
Juhu! Das Stadtkind hat sich unsere Premiere angeschaut und einen Text geschrieben! Wir freuen uns!
Die nächste Vorstellung findet am 20. September statt, und zwar nicht nur als Stream sondern auch im Literaturhaus Hannover und im Hafven Cafve in der Nordstadt als Public Viewing! Karten wie immer auf unserer Website (www.collektifcapslok.com) und bei der Abendkasse erhältlich.
PROTOTYP
Wenn die vernetzte Küche streikt
Am 15. August feierte das neue Theaterkollektiv collektif:capslok mit PROTOTYP Premiere. Das Kollektiv (oder: collektif?) arbeitet an technologischen Utopien. Es positioniert sich mit den hervorgebrachten theatralen Räumen als intersektional; feministisch und q***r, anti-rassistisch und zukunftsgewandt.
In ihrem wortwörtlichen PROTOTYP beschäftigen sich die Theaterleute mit wichtigen Fragen um KI und Alltagstransformationen durch Technik, ohne dabei dystopisch zu werden. Wie sähe das friedliche Zusammenleben zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz aus? Wer ist eigentlich die Maschine? Wer spielt wem etwas vor? Wie funktioniert Kommunikation, wie Emotion? Was bedeutet ein Körper, was nicht? Ist der Mensch für immer ein Fleischklops oder ist die Existenzform als fluide Cyborg* anzustreben? Und eine Frage, die sich aufdrängt: Was sind eigentlich die Würstchen der Wahrheit, die hier nicht mehr gegessen werden wollen? Denn das Projekt ist in einer Küche mit Holz-Wänden und einem Sitzbereich angesiedelt, in der sich die von der KI selbst so benannte Schauspielerin eigentlich eine Lasagne gönnen will. Nur streiken Kaffeemaschine und Ofen seit dem neuen Update der den Wohnraum größtenteils kontrollierenden KI, wobei letzterer in diesem utopischen Aufbau sowieso nicht mehr im herkömmlichen Sinne funktioniert. The Internet of Things in noch viel radikalerer Form ist hier angenommene Wirklichkeit. Doch der Konflikt zwischen Bedienen und Bedient-Werden zwischen den KI-Bildschirmen und Performerin (Lea Taaker) ist bereits in vollem Gange...
PROTOTYP unter der Regie von Antonia Kritzer pendelt zwischen uncanny valley, Kontrollverlust, Zuneigung, theoretischen Konzepten, Metahumor und Gedankenexperimenten. Als intermediale Konstellation ist das Projekt im Livestream von zu Hause aus oder, wer wieder ein bisschen mehr Theatergefühl haben möchte, als Livestream-Event mit anderen zusammen zu sehen.
Der Livestream sei für PROTOTYP die logische Konsequenz der Symbiose aus dem erzeugten Kurzschluss zwischen Gegenwart und Zukunft: „Zwischen dem Bühnenraum und dem Zuschauer*innenraum entsteht ein dritter, virtueller Raum, und damit neue Möglichkeiten der Bildgestaltung und Interaktion. Der Livestream hat sich als Corona-Lösung begonnen zu etablieren – wir glauben: da geht noch mehr!“, schreibt das collektif. Wir können also gespannt sein.
-> Luka*s Friedland
Streaming-Event im Literaturhaus und parallel im Hafven Cafve ist am 20.09. ab 19:30 Uhr, weitere Vorstellungen sollen folgen. Alle Informationen, das Manifest, Tickets und Termine für die Streams und Stream-Events gibt es unter www.collektifcapslok.com.