Zimnik-bibo

Zimnik-bibo Er sucht das große Abenteuer, aber der Weg dahin ist steinig. Eine Website im ständigen Wandel.

Bibo war gewissenhafter Polizist, bis die große Liebe kam und sein Leben auf den Kopf gestellt wurde.

15/03/2022

Kurt Krömer ist einer der beliebtesten Komiker Deutschlands. Doch was viele nicht wissen: Jahrelang litt der alleinerziehende Vater unter Depressionen und einer Alkoholsucht. Nun will er sich nicht länger verstecken. Schonungslos offen spricht er live bei stern TV über seine Lebenskrisen und zeigt, dass er seinen Humor trotz allem nicht verloren hat. Heute Abend, 22:50 Uhr, live bei stern TV.

26/09/2020

Kapitel 1
Alles begann in Amsterdam.
Es begann alles mit dem Oldtimer, den es in Amsterdam für ihn geben sollte.
Er hatte von einer Auktion in Amsterdam gelesen. Dort sollte doch tatsächlich sein Traumauto versteigert werden.
Ein T1, einer der ersten acht, noch handgefertigt, 1950 liefen sie vom Band.
„18,2 PS, mehr brauche ich auch nicht, will ja nur von A nach B kommen,“ denkt er.
Der T1 heißt im Volksmund wie sie vielleicht wissen ‚Bulli’, die Namensfindung ist fast so wie ‚Bibo’ zu seinem Namen gekommen Eine Version besagt, daß die Verbindung der ersten beiden Buchstaben von ‚Bus’ und ‚Lieferwagen’ zu dem Namen führten. Wie bei Bibo, ‚Bipolar’, nur das aus ‚p’ ‚b’ geworden ist.
Eine andere Version schreibt den Namen dem Adjektiv ‚bullig’ zu, schon die VW-Mitarbeiter nannten ihn während der Entwicklung so. Auch Bibo ist nicht gerade schlank.
In England ist ‚Bully’ (englisch für „Tyrann“) negativ behaftet.
‚Bullying’ bedeutet Mobbing.
Bibo ist zwar kein Tyrann aber aus seiner letzten Dienststelle wurde er heraus gemobbt.
Also fuhr er nach Amsterdam, die Stadt liebte er sowieso und sie ist auch nicht weit entfernt von seiner neuen Heimat Osnabrück.
Während er so im Zug sitzt und die Landschaft genießt, denkt er.
„Was die Herrschaften bei der Auktion wohl so bieten?
Bei mobile.de habe ich bisher nur 1954er gefunden und die sollen schon so um die 45.000 € kosten.
Hm, Geld dafür habe ich zwar nicht, aber das bekomme ich schon zusammen.
Ui, das Auto, das wird nicht billig, Mist hätte ich doch meinen Wolf noch.“
Sein ehemaliger Kollege und bester Freund Wolf wollte seit einem Zwischenfall im Dezernat nichts mehr mit ihm zu tun haben.
Damals waren Wolf und er hinter dem bekannten Ganoven Phillip Gossini her gewesen. Sie waren sich hundertprozentig sicher gewesen, daß er schuldig war.
Er hatte seinen Cousin erschossen, alles sprach für Gossinis Schuld, trotzdem sah es so aus, als würde der Kerl davon kommen. Er war sehr raffiniert und dazu noch reich. Seine Rechtsanwälte gehörten zu den Besten und Wolf und Bibo hatten nur eine Augenzeugin und Indizienbeweise.
Alles kam auf die Zeugin an und dann kippte sie um. Bibo wußte der Typ hatte sie bedroht oder gut bezahlt.
Er wollte den Kerl aber ums Verrecken hinter Gitter bekommen. Also mußte er sich etwas einfallen lassen und das tat er.
Er schlug ihn mit seinen eigenen Waffen und kaufte einen neuen Zeugen. Erstmal sah es so aus als wenn alles klappen würde, aber er konnte das Geld für den Zeugen letztendlich nicht auftreiben, so daß er gezwungen war, in der Asservatenkammer lange Finger zu machen.
So skrupellos konnte er nur sein, da er zu der Zeit manisch war und verliebt in die Augenzeugin war.
Sie war die Frau weswegen er nach Osnabrück gezogen war und meinte damals, daß sie die Frau seines Lebens wäre, irrte sich aber gewaltig.
Das Ganze flog auf und er hatte den Fall versaut. Er wurde aus dem Dienst entlassen und Wolf war seither sauer auf ihn. Nun haben sie schon 2 Jahre keinen Kontakt mehr, aber damals war ihm das nicht so wichtig denn im Grunde hatte er das was er wollte ‚Hermine Rose’ die Augenzeugin, zumindest für eine Weile.
„Wolf fehlt mir, aber mich wegen einem Fehler abzulehnen, habe ich auch nicht verdient“ denkt er
„naja, das ist Schnee von gestern, nun ist heute und mir fällt schon was ein.“
Nun hält der Zug endlich in Amsterdam und er kann aufhören in Erinnerungen zu schwelgen.
Die Adresse des Auktionshaus hatte er im Handy gespeichert, nun mußte er den Weg nur noch finden.
Der Bulli ist jetzt ganz nah. Ratzfatz mit der S-Bahn zum Auktionshaus und schon sitzt er in dem riesigen barocken Saal. Die Leute um ihn herum scheinen doch sehr reich und fragen sich wahrscheinlich was er dort zu suchen hat oder ob er nur der Hausmeister ist. Endlich hat er einen Sitzplatz und der sehr dicke Auktionator beginnt mit dem ersten Stück.
Nach vielen langweiligen alten Stücken nun endlich, der Bulli.
„Die Konkurrenten des T1 der dreirädrigen Transporter Goliath GD 750 und der Tempo Hanseat, die nur ein Jahr vorher auf den Markt kamen, können sich da nur verstecken,.“
Auf einer Staffelei wird das Notizblock des Konstrukteurs ‚Ben Pon’ hereingetragen. Ob das mit versteigert wird?
„Den Dicken können Sie wohl nicht in diesen edlen Schuppen holen,“ denkt Bibo,
„in meinen Schuppen paßt er allerdings fantastisch. Besonders, da dort das Spezialwerkzeug steht, das ich schon vor Jahren für ihn gekauft habe.“
Ja, er will den Wagen tatsächlich selber reparieren. Er meint das spart Geld und noch mehr spart er, wenn er bei seinen nächtlichen Observationen darin schläft und morgens
den frischen Kaffee selber brüht. „Zeit und Geld, ja, das werde ich sparen!“
Er denkt mit Nichten daran, daß er das Geld für den seltenen T1 nie zusammen bekommt, es sei denn er verschuldet sich wieder total. Aber, mal sehen, ob er das, bei seinem Glück, auch wieder hinbekommt.
Der Auktionator bittet um Ruhe und eröffnet das erste Gebot,
„5.000,-€“ ... „puh, aber egal, den bekomme ich schon.“ Er hebt die Hand. „5000, 5000 sind geboten,
10.000, höre ich 10?“
Eine fremde Hand hebt sich. „Mist“ ärgert Bibo sich und dann klingelt plötzlich auch noch Bibos Handy. Er errötet und drückt das Klingeln weg. Die Leute schauen Ihn erbost an. Er stellt das Handy auf lautlos. Da, schon wieder, es vibriert. Er schaut auf das Display und erkennt die Nummer von Wolf.
„Nein, auch wenn es der Kaiser von China wäre, da kann ich jetzt nicht rangehen,“ aber es hört nicht auf zu vibrieren.
Da es in dem Raum so ruhig ist, daß man eine Stecknadel fallen hören könnte, hört man natürlich auch das Vibrieren des Telefons.
„Mißt, nun muß ich doch etwas tun. Wenn Wolf anruft, brennt es und aufhören wird er auch nicht.“
Nun entschließt er sich doch nach draußen zu gehen. Hastig eilt er durch die Reihe. Die Leute sind wieder empört, einer schreit sogar
„aua“ nachdem Bibo im auf den Fuß getreten war. Im Gang hört er erneut „15.000 höre ich 15?“
An der Tür sieht er wie neben ihm ein dicklicher Typ die Hand hebt und ruft 15.000.
Der sah etwas schmuddelig aus und hatte bestimmt im Lotto gewonnen.
„15.000,-€ wie ist es höre ich mehr.“
Bibo öffnet die Tür, im Flur nimmt er endlich ab, aber das Handy hatte längst aufgehört zu vibrieren.
Auch gut, denkt er, dann rufe ich halt später zurück.
Er geht wieder in den Saal und hört den Hammerschlag.

Er hatte ihn nicht bekommen und daß wo er für schlappe 15.000,-€ weggegangen war. So ein Schnäppchen würde er nie wieder machen.
Er entschloß sich den Herrn der den Bulli ersteigert hatte nach der Auktion ausfindig zu machen. Es stellte sich heraus, daß das nicht schwierig war.
Der schmuddelige Typ prahlte mit seinem besten Stück.
Aber was war das? Alle sprachen nur von dem kostbaren Notizbuch, keiner vom Bulli. Als er nachfragte, kam nur die Antwort, „ein Bulli wurde hier nie versteigert.“

Er versteht gar nichts mehr, hatte er die Annonce mit seinem schlechten Niederländisch falsch interpretiert, dort stand wahrscheinlich nur, daß das Notizbuch von dem Konstrukteur des Bullis versteigert würde.
Wolf übersetzte ihm später die Anzeige richtig:
‚Auktion über die original Skizze von dem ersten 1950iger VW T1, gezeichnet von Bon Pen.’

Erleichtert darüber, daß er nicht das Schnäppchen des Jahrhunderts verpaßt hatte, ging er Richtung Ausgang, wo ihn eine Dame im Rollstuhl ansprach. Er hatte Sie schon im Saal gesehen und sich ins Geheim gefragt, was eine Frau im Rollstuhl mit dem Bulli wollte.
Sollte wohl ein Geschenk werden oder sie hätte ihn umbauen lassen.
Sie stellte sich als Frau Dunemann vor. „Na, sie waren ja ziemlich stürmisch. Hatten wohl ein wichtiges Telefonat? Wollten sie das Buch unbedingt haben?“ Sie prasselte ihre Fragen herunter und stoppte dann „ach, entschuldigen sie, sie waren mir aufgefallen, da sie so enttäuscht schienen, als das Buch versteigert wurde.“
Er war verdutzt und antwortete etwas beschämt,
„eigentlich wollte ich nicht das Buch, sonder nur einen Bulli, aber mein Niederländisch ist mies und so habe ich die Annonce in der Zeitung falsch gedeutet.“
„Oh, sie suchen also einen T1 aus der ersten Reihe?? Ich habe einen in Göttingen stehen.“ „ Göttingen?“
„Wie sieht er den aus? Ist er noch in Schuß und fahrbar?“
Er ist sehr gut gepflegt, hat die Farbe rot und fährt natürlich auch, wenn auch nicht sehr schnell. Aber sie können da doch bestimmt etwas machen.“
„Ok, wann kann ich mir ihn anschauen, Geld spielt keine Rolle.“
„Wie wäre es mit nächster Woche?“
„Am Mittwoch würde mir passen.“
„Ok, am Mittwoch 1400“. Sie verabschiedeten sich und er ging weiter Richtung Ausgang.
Vor dem Auktionshaus ruft er Wolf zurück.
„Was willst Du?“ Brüllt Bibo in den Hörer.
„Ruhig Blonder, ruhig,“ besänftigt Wolf ihn. „Ich habe einen irren Fall für Dich, paßt doch zu Dir.“
„Super,“ denkt Bibo, „kaum hört er Wolfs Stimme und schon reitet der Kerl wieder auf meiner Krankheit herum“.
Bibo war bekanntlich bipolar und das wußten mittlerweile alle seine Kollegen. Das bedeutet er war manisch und depressiv im Wechsel. Meist war er aber manisch oder hypoman, was soviel bedeutet wie ein wenig manisch oder einfach nur gut drauf. Was ihm dabei half knifflige Fälle zu lösen und ihn zu einem großen Ideenreichtum brachte. Im wahren Leben, gibt es diese Form von Bipolarität leider nicht, es gehören auch immer depressive Phasen dazu.
Wolf spricht weiter, „also, der Fall sieht wie folgt aus. Da gibt es einen verschwundenen Chefarzt und eine verzweifelte, schöne Frau.“ „ Na, was Wolf so als schön empfindet“ denkt Bibo.
„Der Mann ist definitiv weg und keine Spur von ihm. Wir haben den Fall jetzt auf Eis gelegt, aber die Frau läßt nicht locker und sucht einen Privatdetektiv. Ich habe Dich vorgeschlagen.
Kannst Du morgen im Zinnober sein? So gegen 1700 Uhr? Sie kommt um 1730 Uhr, in der halben Stunde können wir den Fall noch im Detail besprechen.“
„Ok, 1700 Uhr schaffe ich, muß nur fix zurück nach Osnabrück. „
„Hast Du den Bus in Amsterdam bekommen?“ fragt Wolf.
„Woher weißt Du?“ „Denkst du etwa ich hätte Dich nach dem Vorfall aus den Augen gelassen? Aber laß uns das morgen besprechen.“
„Ok, dann bis morgen.“
Bibo legt auf und hastet eilig zur Bahn.
Zu spät, nicht nur bei der Annonce hatte er sich vertan, auch die Bahnzeiten hatte er falsch gedeutet. Der Zug mit dem er fahren wollte war längst weg und der nächste fuhr erst am nächsten Morgen um 1000. Er war mehr als genervt, aber denkt „was soll es, dann warte ich hier halt.“ Ein Zimmer konnte er sich hier nicht mehr leisten, so macht er es sich auf einer Bank am Gleis gemütlich. Wie er da so liegt, findet er die Situation sogar lustig und denkt über Wolf nach.
„Da streicht mich der Lump mir nix dir nix aus seinem Leben und nun meldet er sich wegen einem dusseligen Fall. Merkwürdig! Und woher wußte er, daß ich in Amsterdam bin. Wir hier der Detektiv vom Polizisten beschattet?“
Bei diesem Gedanken schläft er ein und träumt von einer besseren Welt, wo sich alle bei ihm entschuldigen. Kollegen und Exfreunde stehen bei ihm Schlange und wollen nur seine Freundschaft wieder. Gerade als Hermine in seinem Traum auftaucht wird er abrupt geweckt ....
Zwei junge Kerle wollen seine Brieftasche. Da haben sie sich mit dem Falschen angelegt.
„Hey Alter, rück die Kohle raus“ lallt der eine, während der andere mit einem Minimesser vor Bibo herumfuchtelt. Bibo springt kurzer Hand auf und tritt dem einen sein Messer aus der Hand. „Was wollt ihr?“ Brüllt er zurück, wobei das nicht wirklich eine Frage war. Die beiden starren ihn wortlos an. Dann wollen sie wegrennen, wobei der eine über seine eigenen Füße stolpert und hinab auf das Gleis fällt. Bibo stürmt an die Bahnsteigkante und reicht dem Jüngling seine Hand, der sich erschrocken wieder aufgerappelt hatte. Er greift nach seiner Hand und läßt sich von Bibo hochhieven, wobei er Bibos Hemd zerreißt. Bibo hätte ihn erschlagen können, läßt die beiden dummen Jungs aber fliehen.
„So ein Mist“ denkt er, „ich hatte gerade so schön geträumt und das Hemd ist auch hin.“ Der einzige Laden der nun noch auf hat ist McDonald und er beschließt dort eine Kleinigkeit zu essen und ein Bier mitzunehmen. Wieder auf seiner Bank angekommen, trinkt er genüßlich das Bier und denkt über die alten Zeiten nach. Wolf und er waren ein tolles Team. Es gab keinen Ganoven der sich nicht vor ihnen in Acht genommen hat. Bis auf diesen Gossini, der hatte es wirklich Faust dick hinter den Ohren.
Als Bibo damals erfuhr, daß er auch noch etwas mit Hermine angefangen hatte, wenn auch angeblich nur platonisch, hätte er aus der Haut fahren können. ‚Platonisch’ von wegen, ha ha.
Bibo dachte noch eine ganze Weile darüber nach, was alles schief gelaufen war, dann schlief er nochmals ein. Am nächsten Morgen wird er von einem durchfahrenden Güterzug unsanft geweckt. Er berappelt sich und geht zum Frühstücken nochmals in sein neues Lieblingslokal McDonald.
Um 1000 kann er dann endlich in seinen Zug Richtung Osnabrück steigen. Er hat sogar Glück und bekommt einen Sitzplatz. Zeitlich müßte jetzt alles noch passen. Um ca. 1300 sollte der Zug in Osnabrück halten. Genug um noch zu duschen und sich umzuziehen, bevor er um 1700 im Zinnober sein muß.
Aber was ist jetzt los? Gerade ’ne dreiviertel Stunde gefahren und nun hält der Zug mit einem lauten Quietschen. „Wir sind kurz vor Amersfoort ....“ spricht jemand durch die Lautsprecher „ und
müssen hier leider eine längere Pause machen.“ „Pause?“ ruft Bibo,
„was für eine Pause?“ Die anderen Fahrgäste schauen ihn verdutzt an, fangen dann aber an untereinander zu Murmeln. Keiner weiß was hier passiert und ein Schaffner ist weit und breit nicht zu sehen. Einige Fahrgäste steigen sogar hier im Nichts aus. Er nutzt auch die Gelegenheit, um sich eine Kippe anzustecken. Ist sowieso verrückt, so ein Rauchverbot im Zug. Neben ihm entdeckt er nun endlich einen Angestellten der Bahn. „Entschuldigen Sie,“ sagt er,
„was ist hier los und wann geht es weiter?“ „Das kann ich ihnen nicht genau sagen, mein Herr. Der Bahnhof von Amersfoort ist gesperrt worden, angeblich eine Bombendrohung.“ „Kann man diesen Bahnhof nicht umfahren?“ „Nein, leider nicht.“ Wie sich später herausstellte, war diese Bombendrohung nur ein dummer Jungenstreich. Von dummen Jungs hat er jetzt so langsam die Nase voll, dieser Streich kostet ihn 3 Stunden in denen er gelangweilt im Nirwana hockt. Endlich um 1630 Uhr
erreicht er den Osnabrücker Bahnhof. Nun ist keine Zeit mehr fürs Hübschmachen. Auf zum Zinnober.

Kapitel 2
Im Zinnober
Völlig übernächtigt kommt er nun kurz vor fünf im Zinnober an. Wolf ist schon da.
Bibos Hemd ist zerrissen von der Schlägerei am Gleis und daß er nicht geduscht ist merkt man leider auch. Überdreht wie er gerade
ist, ist im das im Moment ziemlich egal. Man konnte auch sagen, daß er wieder mal manisch ist. Das erkennt man daran wie ehrgeizig er hinter dem Bulli her ist, obwohl er kein Cent auf der Bank hat, geschweige denn im Portemonnaie. Er selbst merkt daß leider nicht, ist nur froh nicht depressiv zu sein.
Nur leider folgt nach einer Manie immer eine Depression. Wie tief die Depression wird, hängt davon ab wie hoch seine Manie war.
Depressionsphasen sind schlimm und nur schwer auszuhalten, deshalb wünscht sich der Betroffene ganz stark eine normale Phase herbei und man katapultiert sich selbst in eine Manie. Auch wenn das eine Krankheit ist und keinem zu wünschen, ist der Körper doch ein Wunderwerk.
„Oh Mann Bibo, wie siehst Du denn aus?“
„Naja, wenn Du mich schon ausspionierst solltest Du wissen, daß meine Zugfahrt sich stark verlängert hat und keine Zeit mehr blieb, mich für dich hübsch zu machen. Es war eine lange und harte Nacht.
Aber trotzdem, schön Dich zu sehen. Ich habe Dich vermißt. Erzähl von dem Fall und warum Du mich ausspionierst.“
„Also zum Ersten, ich habe Dich nicht ausspioniert, sondern auf Dich aufgepaßt. Und zwar, weil Du mein bester Freund bist und ich mir immer Sorgen um Dich machen muß. „Bester Freund?“ denkt Bibo, bleibt aber still.
Zweites der Fall, vor einigen Wochen kam eine Frau zu uns, die ihren Ehemann vermißt. Fremdgehen haben wir ausgeschlossen, sein Leben und seine Frau sind praktisch perfekt: Die beiden haben ein tolles Haus, haben Geld und scheinen glücklich, ist das auch so? Entführer haben sich auch nicht gemeldet. Getötet worden, kann er auch nicht sein, denn es fehlt die Leiche. Daß er sich selbst aus dem Staub gemacht hat scheint auch unwahrscheinlich. Wie gesagt, der Fall ist für uns nicht lösbar und da bin ich auf Dich gekommen.“
„Wieso bist Du auf mich gekommen?“
„Bist doch immer in Geldnöten.“
„Ok, der Fall interessiert mich, hast Du die Polizeiakte?“ “Ja, hier,“ Wolf reicht im eine graue Akte. Bibo studiert sie eine Weile, sagt dann „Der Typ ist also 42 Jahre alt, ganz schön jung für einen Chefarzt,“ murmelt Bibo in sich hinein.
„Wo bleibt die Dame? Es ist jetzt genau 1730 Uhr.“
„Nur nicht so ungeduldig,“ sagt Wolf und zeigt durch den Raucherraum zur Hintertür.
Da ist sie, es verschlägt ihm den Atem. Mondän, aber so richtig. Nicht nur hübsch, nein, nach seinem Geschmack wunderschön! Lange dunkelrote Haare, passend zu dem Café Zinnober. Man sagt doch zinnoberrot, paßt zum Schuppen hier.
Zirka 1,70 groß und schlank wie ein Reh, ein niedliches feines Gesicht, leuchtend grüne Augen, feuerrote Lippen und von dem wohlgeformten Busen gar nicht zu sprechen. „Wahnsinn“, denkt er,
„die Frau meiner Träume. „Und die ist mit einem ollen Arzt zusammen? Wie geht das? Sie hat wirklich nichts damit zu tun? Die kann doch nur auf sein Geld aus sein, bei dem Altersunterschied.“ “Warte es ab, auf dem Foto, daß ich von Ihrem Mann gesehen habe, ist er für sein Alter sehr attraktiv, jedenfalls gepflegter als Du.“
„Ach ja, Scheiße, ich sehe aus wie ein Penner. Entschuldige mich, ich muß aufs Clo“ Bibo rennt in Richtung Toilette in der Hoffnung noch etwas an sich richten zu können. Im Spiegel erblickt er das Grauen der letzten Nacht, ein zerrissenes Hemd, ungekämmte Haare und womöglich hat er auch noch Mundgeruch, insgesamt wird er nicht gerade duften. Er zieht sein Hemd und das Unterzieh-T- Shirt aus und benutzt das kaputte Hemd. Die Handwaschseife aus dem Spender an der Wand riecht etwas feminin, aber besser als nichts. Dann zieht er sein T-Shirt wieder an und wirft das Hemd in den Müll. Er kommt sich vor wie ein Täter der seine Spuren vertuscht. Er nutzt seine Hände als Kamm und bei dem Blick in den Spiegel befindet er sich als ok. Noch schnell ein Kaugummi aus der Hosentasche und dann wieder zu Wolf puh.
Nebenan im Raucherraum begrüßen sich Wolf und Frau Perez bereits. „Hallo die Herr Schreiber“, sagt sie in einem leicht spanischen Akzent und setzt sich neben Wolf.
„Wo ist ihr Detektiv? Ich dachte ich hätte ihn eben schon neben ihnen gesehen.“ „Der hatte eine lange Nacht und macht sich noch kurz frisch.“ Irritiert sagt sie, „hier, auf der Toilette?“
„Ja, er hatte keine Möglichkeit mehr, es zu Hause zu erledigen, aber da kommt er auch schon, darf ich vorstellen, Nik Mizke, oder auch Bibo genannt.“ Den Spitznamen hatte er übrigens von ehemaligen Kollegen. Als seine Bipolarität an die Öffentlichkeit kam, nannte man Ihn nur noch scherzhaft Bibo.
Erst fand er es nicht so lustig, aber mittlerweile steht er dazu und findet den Namen sogar ganz ok.

Bibo reicht ihr unsicher die Hand und sie sagt freundlich mit leicht spanischen Akzent, „man sieht gar nicht, daß sie eine lange Nacht hinter sich haben.“
Man merkt schnell, daß Wolf und Bibo hin und weg sind von der Dame und sie, die das wohl schon häufiger erlebt hat, genießt es angehimmelt zu werden.
Rachel Peres hat israelische Vorfahren, ist aber in Spanien aufgewachsen und hat dort den jungen deutschen Chirurgen Christoph Möllmann kennengelernt. Allerdings ist er, wie Bibo schon erwähnte etwas älter, nämlich ganze zwölf Jahre.
Er hat dort in Barcelona sein freies Jahr genommen und sich in die schöne, blutjunge Rachel verliebt. Später sind sie zusammen nach Osnabrück gegangen. Dort hat er dann seinen Doktor gemacht und ist vom Oberarzt schnell zum Chefarzt der Neurochirurgie geworden.
Rachel selbst ist Archäologin. Sie arbeitet bei der Stadt- und Kreisarchäologie in Osnabrück und war schon an einigen Funden beteiligt.
„Dies ist also Rachel Perez, wow“ denkt Bibo
sie hatte den Namen ihres Mannes nicht angenommen, da das aus traditionellen Gründen nicht ging, die Familie halt.
„Hallo Frau Perez. Ich habe gehört, ich kann Ihnen vielleicht behilflich sein?“ sagt Bibo.
„Ja, vielleicht,“ antwortet sie höflich.
„Mein Mann ist seit 6 Wochen nicht mehr auffindbar und die Möglichkeiten der Polizei sind ausgeschöpft.“
Sie schaut ihn mit ihren smaragd-grünen Augen hilfesuchend an und spricht wie einstudiert und traumatisiert weiter.
„Er wollte am 1. August zu einer zweitägigen Tagung, wo er einen Vortrag halten sollte. Er ist um 800 aus dem Haus und um ca. 1800 Uhr versuchte ich ihn anzurufen, aber sein Handy war aus. Ich versuchte es noch tausend Mal, aber seit her habe ich nichts von ihm gehört.
Am nächsten Tag ging ich zur Polizei, die mich erst gar nicht wahrgenommen hat, da er ja erst ein Tag weg war. Als sie sich dann doch auf die Suche nach ihm machten, fanden sie kaum etwas heraus, geschweige denn daß sie ihn fanden.
Nun sind lange 6 Wochen verstrichen, die Polizei hat die Akte beiseite gelegt und mein Christoph ist immer noch wie vom Erdboden verschluckt.“
Jetzt weiß Bibo warum es wie einstudiert kling, sie wird den Text schon hundert Mal bei der Polizei wiederholt haben.
„Herr Schreiber erzählte mir schon die Eckdaten, aber einige Fragen habe ich doch noch. Entschuldigen Sie, aber wahrscheinlich mußten Sie diese Fragen schon oft beantworten und vielleicht sind sie auch unangenehm, aber es macht Sinn vieles zu wiederholen, vielleicht fällt Ihnen dabei doch noch eine Kleinigkeit ein. Das menschliche Gehirn ist ein Universum, um so öfter man etwas wiederholt, um so mehr Erinnerungen kommen zurück.“
Ok Herr Mizke, oder darf ich Mark sagen?“
Wie Sie mögen, antwortet er mit einem Lächeln, sie können auch Bibo zu mir sagen, mein Pseudonym.
Hatten Sie vor seiner Abreise Streit?“
„Nein wirklich nicht, wir waren ein sehr harmonisches Paar und haben eher diskutiert, als gestritten. Ich wollte zwar nicht daß er fährt, weil am Freitag den 2. August, hatte ich eine Ausstellung in der Dominikanerkirche.
Es war mir wichtig, daß er dabei ist, aber er meinte es ginge nicht anders, er hätte es seinem alten Freund in Göttingen versprochen. Aber ein Streit gab es nicht.“
Bibo macht sich Notizen und fragt weiter.
„Also, er ist um 800 Uhr gefahren. In welche Stadt?“
„Göttingen, antwortet Sie. Mein Mann hat dort studiert und noch einige Freunde und sein Doktorväter leben dort.“
Na wenn das nicht ein Zufall ist ... schon wieder Göttingen. Seine alte Heimat. Eigentlich kommt er ja aus Northeim, aber in Göttingen hat er gefeiert und gearbeitet.
Erst vor mehreren Jahren, ist er dann wegen der Liebe nach Osnabrück gezogen.
„Göttingen, ach was für eine schöne Stadt. Wo wollte er wohnen und wo war die Tagung.“
„Die Tagung war in der Uni dort. Gewohnt hat er im Best Western Hotel am Papenberg.“
„Ah ja! Wie ist der Name seines Freundes dort, dem er das Kommen versprochen hat?
Professor Schank ehemaliger Chefarzt des ev. Krankenhaus in der Stadt, sein Doktorvater.“
„Na dann werde ich mich wohl als erstes nach Göttingen auf machen.“ Insgeheim denkt er „wie praktisch, nun kann ich die Fahrt nach Göttingen sogar auf die Spesenliste setzen.“
„Fürs Erste habe ich genug Fakten, ich komme wieder auf sie zu,“ sagt Bibo und verabschiedet sich hastig. Ihm ist nämlich eingefallen, daß er schnellstens seine Bahncard verlängern sollte und das Ticket nach Göttingen buchen muß.
Er reicht ihr Zum Abschied seine Visitenkarte.

26/09/2020

Kapitel 3
Auf nach Göttingen
So, da stand er nun. Mit Wolf hatte er kein intensives Gespräch über die alten Zeiten mehr geführt.
Er hatte heute auch keine Lust mehr über seine Unzulänglichkeiten zu sprechen.
Ja, er hatte diese Krankheit und auch schon einige Fehler gemacht, aber mußte man es ihm immer wieder aus Butterbrot schmieren?
Das war jetzt egal er mußte nach Göttingen, die Stadt in der
er mehr oder weniger aufgewachsen und gern mit Freunden um die Häuser gezogen ist.
Bis Mittwoch konnte er nicht warten, er mußte recherchieren. Außerdem gab es dort ja auch noch einen Bulli der auf ihn wartet. Also ging er zum Bahnhof und verlängerte erstmal seine Bahncard. Die Zugfahrt nach Göttingen sollte ihn mit der Karte jetzt 50,-€ kosten, das erschien ihm günstig. Allerdings zahlte er für die Bahncard über 200,-€, was nicht gerade seinem Portemonnaie zu Gute kam. Egal, er kaufte sie und fuhr los.
In Göttingen angekommen, ging er sogleich ins Café Alfredo und trank dort ein Bier.
„Wow, ist das schön wieder hier zu sein. Sollte gleich meine Kollegen im alten Dezernat besuchen.
Aber erstmal suche ich den Laden von der Dame im Rollstuhl auf und dann den Professor Schank.“
Der Laden von Frau Dunemann war im Industriegebiet in der Nähe der Blitzampel mit der er schon einige Male Schwierigkeiten hatte. Auch seine Schwester wurde dort schon zweimal geblitzt, erinnert er sich, man hat die getobt, denn der Lappen war auch weg.
Er dachte jetzt zum ersten mal darüber nach, wie er das Geld für den Bulli zusammen bekomme sollte. Sollte er sich etwa Sorgen machen? Quatsch, dachte er, dazu komme ich später und zur Not halt mal wieder was bei Ebay verhökern.
Ebay, reicht da wohl nicht aus und eigentlich habe ich auch nichts mehr zu verkaufen. Einen Kredit bekomme ich bei keiner Bank, meine Bonität ist ja ausgeschöpft. Wolf kann ich jetzt leider erstmal ausschließen, oder?
Wer nicht fragt, der nicht gewinnt.
„Wolf?“ Fragte er am Telefon. „Ich bin jetzt hier in Göttingen und komme noch nicht wirklich weiter. Könntest Du mir Geld leihen?“
„Nein, auf keinen Fall für Deine Spinnereien. Klär den Fall und Du hast das Geld verdient. Außerdem brauchst Du mehr als ich auf der hohen Kante habe, ist doch bestimmt für den dusseligen Bulli, oder?“
Oje, Wolf ist immer so vernünftig.
„Also nein?“
„Nein!“
„Na, vielen Dank aber ok, ich bleibe an dem Fall dran.“

Nun leiht sich Bibo erstmal ein Stadtauto, bringt ja nichts hier dauern mit dem Taxi durch die ganze Stadt zu düsen.
Er überlegt sich kurzer Hand nach Northeim zu fahren, um dort seine Schwester zu besuchen.
An der Tür erstarrt seine Schwester fast.
„Na, Schwesterherz? Wie geht es Dir, wir haben uns ja lange nicht gesehen?
Wie geht es Anton? Ist bei Euch alles gut?“
„Spinnst Du? Komm erstmal rein,“ antwortet sie. „Jahrelang meldest Du Dich nicht und dann stehst du mir nichts dir nichts vor der Tür und fragst mich schwallartig wie es mir geht?“
„Ja!“
„Lieber Bruder, mir geht es gut, das sieht man doch wohl. Du bist es der mir Sorgen bereitet.“
„Wieso das denn? Ich habe mein Leben im Griff! Alles läuft super und ich habe sogar gerade einen Fall in Göttingen.“
„Ach ja, warst Du nicht gerade in Amsterdam, um einen Bulli zu kaufen?“
„Woher weißt Du denn das schon wieder?“
„Von Wolf.“
„Wolf ist echt eine Labertasche.“
„ Aber ich bin mal froh überhaupt etwas von Dir zu hören und wenn auch über Dritte,“ zischt sie zurück.
„Oh, mach doch nicht wieder alles so kompliziert, ich bin hier und nun laß uns reden.
Noch mal, wie geht es Dir Liselotte? Normalerweise nannte er sie liebevoll Issy.“
„Mir geht es gut Nik. Anton und ich führen ein unbeschwertes Leben. Das weißt Du doch!“
„Ok, mehr will sie im Moment nicht preis geben.“
„Du sagst Du hast einen Fall hier. Worum handelt es sich?“
„Um einen verschwundenen Chefarzt. Seine Frau und die Polizei kommen nicht weiter und da brauchen sie jetzt mich.
Was hat Wolf noch so zu Dir gesagt? Fragt er neugierig und auch verärgert.“
„Naja, daß Du aus Deinem Dienst nicht gerade ehrenhaft entlassen wurdest, daß du bipolar sein sollst und daß Du auf Biegen und Brechen auf der Suche nach einem alten schrottreifen Bulli bist.“
„Mein Gott, Wolf hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Du bist echt bestens informiert. Aber nicht ganz, der Bulli wurde 1950 gebaut, ist ein Oldtimer und somit total gut in Schuß.“
„Da hat mich Wolf doch tatsächlich nicht ganz abgeschrieben,“ freut er sich.
Bibo ist der Meinung, daß sein Schwesterherz sich keine Sorgen machen soll, also sagt er, „bei mir läuft es mittlerweile wirklich prima. Ich bin jetzt Privatdetektiv und die Fälle strömen nur so bei mir herein.“ (ein bißchen geschummelt, aber wenn er diesen Fall erst gelöst hat, werden die nächsten großen Fälle schon kommen, träumt er)

Nur seinen Bulli im Kopf, versucht Bibo etwas über die Verkäuferin des Bullis zu erfahren. Vielleicht bekommt er ja etwas Unangenehmes über sie heraus und kann den Preis etwas drücken.
„Du ich habe mal ein paar Fragen, Du kennst Dich hier doch aus. Hast Du schon mal von einer Frau Ursula Dunemann gehört?
Sie sitzt im Rollstuhl und muß in Göttingen ein Autohaus oder ähnliches besitzen.“
„Dunemann? Ich kannte mal eine, die hieß so. Das war eine Patientin von mir in der Zeit in Tiefenbrunn.
Die hatte so eine Gangstörung.
Aber ob die Ursula hieß, weiß ich nicht mehr. Die war sehr unangenehm, daran kann ich mich noch erinnern.“
„Wieso unangenehm? Und wie sah die aus?“
„Sie war wie eine graue Maus, graue Haare, hageres Gesicht, aber einige auf den Hüften. Sie saß im Rollstuhl und hat ewig nur eine Schnauze gezogen. Ins Detail kann ich leider nicht gehen. Will mich auch gar nicht mehr an diese Schnepfe zurückerinnern.“
„Aber das kann sie nicht sein. Die Frau die ich kennengelernt habe, war sehr freundlich. Das mit dem Aussehen könnte passen.“
„Naja Nik, wenn Frauen was von Männern wollen, können sie immer nett sein.
Hat sie was mit dem Fall zu tun? Nein, da handelt es sich um einen Bulli.“
Issy verzieht das Gesicht, sagt aber weiter nichts.
„Sagt Dir Dr. Professor Schank etwas, der muß irgendwo in Göttingen arbeiten?“ Fragt er
„Na klar, der Chefarzt aus dem Weender Krankenhaus... da habe ich doch meine Ausbildung gemacht.
Hat der was mit dem Fall zu tun?
Der kann doch keiner Fliege was zu leibe tun. Oder, oh Gott, ist er das Opfer? Nun sprich doch.“
„Nein, beruhige dich, das Opfer ist er nicht. Er ist der Doktorvater und Freund des Verschwundenen, weshalb er nach Göttingen gefahren ist. Ein Opfer gibt es noch gar nicht. Erstmal ist nur dieser Arzt aus Osnabrück verschwunden. Seit 6 Wochen keine Spur von ihm.“
„Über Prof. Schank kann ich Dir eine Menge erzählen. Nur Gutes. Der hat bestimmt nichts damit zu tun. Aber Bruderherz, jetzt möchte ich mal ein wenig über Dich erfahren. Wie ist es Dir in der letzten Zeit ergangen? Was nimmst Du für Pillen gegen die Manie? Nimmst Du sie auch immer und läßt Du regelmäßig Deine Blutwerte kontrollieren?“
„Oh, die alte Leier. Ich nehme Lithium und ja ich nehme sie regelmäßig und lasse auch alles kontrollieren.“
„Und Deine Schilddrüsenmedikamente?“ „Ja, die nehme ich auch.“
„In Osnabrück lebt es sich leichter. Besonders mit meiner Krankheit. Ich hatte dort bisher fast immer Glück.“
„Ok, in Göttingen ging es auch, aber da war ja auch nur die Depression bekannt. Und damit kann die Umwelt besser leben.
Nun mach’ dir mal nicht ständig Sorgen um mich, ich bin schon groß
‚Mutti’.“
Nach dem das Krankheitsthema abgehakt war, verbringt Bibo noch einen tollen Abend mit seiner Schwester und seinem Schwager und fährt dann in das Best Westernhotel, in dem er ein Zimmer gebucht
hatte. Issy wollte wohl gern, daß er bei ihnen übernachtet, besonders weil er schon ein paar Gläser Wein intus hatte, aber er wollte nicht. Er braucht seinen Freiraum. Wenn er erst den Bulli hat wird er diese Freiheit überall genießen können.
Das Best Western ist direkt zwischen Uni und dem Weender Krankenhaus. Wie praktisch, aber auch teuer.
Am nächsten Morgen schlägt Bibo die Augen auf und rätselt.
„Was interessiert mich gerade wirklich? Der Fall? Die Frau im Rollstuhl und ihr Bulli? Oder Rachel? Ich weiß es nicht. Ich denke alles zu gleichen Teilen.
Die Perez war toll, wow, was hatte die für Augen. Der Fall ist spannend und den Bulli will ich ums verrecken. Und den kriege ich so oder so.
Was tue ich jetzt als nächstes?“
Herr Schank war nicht erreichbar, er soll in Hamburg sein.
Er ist, laut Issy, ein ganz großzügiger und kluger Mann. Er kümmert sich mit großen Spenden für Tschernobyl-Opfer, tut vieles Schönes für seine Mitarbeiter, damit sie sich wohlfühlen. Wenn er nicht gerade müde ist, was seinem Alter zuzuschreiben ist, ist er immer zuvorkommend und freundlich. Und er rätselt gern.
Nutzt nichts, Schank war nicht zu erreichen. Also kümmere ich mich jetzt um den Bulli.
Er fährt zu dem Autohaus. Frau Dunemann war nicht da, aber ihr Angestellter war ihm gern behilflich und zeigt ihm den Wagen.
Ein Traum! Denkt er. Gibt sein Interesse aber nicht Preis. Denn er will ja den ‚Preis’ so niedrig wie möglich halten.
„Der Wagen ist schon schön, aber ist er wirklich einer der ersten 8?“
„Ja, aber natürlich,“ bestätigt der etwas unsichere Verkäufer.
„Wann kommt Frau Dunemann wieder?“
„Morgen, so um 1000, aber was wollen sie von ihr?“
„Na über den Preis verhandeln.“ Dumme Frage denkt Bibo.
„Aha“, sagt der Verkäufer, „na dann bis morgen.“
Der Tag ist noch lang und er weiß nicht, was er Sinnvolles tun soll. Er fährt ins Weender Krankenhaus.
Dort angekommen, erkennen ihn einige Leute. Er muß wohl Eindruck hinterlassen haben, als er das letzte Mal wegen einer eigenen OP hier war. Oder auch wegen seiner Schwester die, bevor sie Fachkrankenschwester für Psychiatrie und Psychosomatik wurde, dort gearbeitet hat und er sie häufig dort besuchte. Er selbst wurde
damals wie ein König behandelt, und daß wo er nur eine dusselige Schilddrüsen-OP hatte.
Den Professor Schank hat er damals auch kennengelernt, kann sich aber jetzt erst wieder an ihn erinnern, weil er beim Hereinkommen ein Foto auf der Personen Galerie von ihm in der Eingangshalle sieht.
Als er damals dem Chefarzt gegenüber bemerkte, daß er nach Osnabrück ziehen wolle, erwähnte Dr. Schank, Vorderbuche. Vorderbuche ist Chefarzt der Anästhesie im Marienhospital Osnabrück, wo auch der Möllmann bis vor 6 Wochen noch gearbeitet hat.
Vorderbuche hatte auch in Göttingen studiert. Ist das schon ein Puzzelteil?

Das Weender-Krankenhaus hatte sich sehr verändert, viele Anbauten und Renovierungen hatten hier stattgefunden. Sehr schön, dachte Bibo. Als er hier damals seine Mutter besuchte, waren die Stationen noch ein Greuel. Die Toiletten und das eine Bad waren auf dem Flur zu finden und in den Zimmern gab es nur eine winzige Waschecke. Wenn er daran zurück denkt graust es ihn. Die Schwestern und Ärzte waren zwar rührend, aber er wußte nie, ob er richtig gehandelt hatte. Er nahm seine Mutter, trotz lebensbedrohlicher Krankheit mit nach Hause. Zwei Wochen später war sie tot. Sein Herz sagte zwar daß es richtig war, sein Kopf aber oftmals nicht. „Schnee von gestern,“ denkt er.
Irgendwann bekam er auch so einen Krebs, zwar einen anderen, nicht so lebensbedrohlich, aber es hat sein Leben verändert und das hätte er anfangs nicht geahnt.

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