03/07/2026
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, danke, dass Sie kranken Menschen endlich wieder ein klares Ziel geben: krank genug sein, aber bitte mit Termin.
Das hier ist ein offener Brief an den Bundeskanzler.
Oder sagen wir: der Versuch, mit Humor nicht komplett an der Realität zu verzweifeln.
Es geht um die geplanten Änderungen bei Krankschreibungen: AU ab dem ersten Krankheitstag, Abschaffung der telefonischen AU — und um die Frage, was solche Ideen eigentlich mit Menschen machen, die sowieso schon am Limit arbeiten.
Ich schreibe das nicht aus einer theoretischen Position heraus, sondern aus 15 Jahren Sozialpädagogik, Überlastung, Verantwortung, Personalmangel, Burnout-Nähe und dem sehr deutschen Gefühl, dass man oft erst dann ernst genommen wird, wenn man schon nicht mehr kann.
Dieser Text ist zynisch, weil die Situation zynisch ist.
Er ist sarkastisch, weil es absurd ist, ein überlastetes Gesundheitssystem dadurch entlasten zu wollen, dass man noch mehr kranke Menschen in Arztpraxen zwingt.
Und er ist ernst gemeint, weil hinter jeder „Reform“ echte Menschen stehen:
Pflegekräfte, Sozialarbeiter:innen, Pädagog:innen, chronisch Kranke, psychisch belastete Menschen, Erschöpfte, Funktionierende, Durchhaltende.
Menschen, die nicht faul sind.
Menschen, die nicht das Problem sind.
Menschen, die seit Jahren verhindern, dass noch mehr kaputtgeht.
Vielleicht müssen wir endlich weniger über „Krankfeiern“ reden — und mehr über Arbeitsbedingungen, die Menschen krank machen und einen stetigen Konsum von aufputschenden Medikamenten unabdingbar machen um in dieser Welt den Ansprüchen eines Friedrich Merz nachzukommen.
Wer dem Herrn Bundeskanzler Friedrich Merz selbst seine Meinung sagen möchte kann ihm ja auch eine Email schreiben: [email protected] viel Erfolg!🍀
Danke auch an für den neuen Song „Auf Speed“! 🫶🏻